AUS DEM GERICHT 40-Jähriger muss für fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis

Uelzen: Haftstrafe für Raub vor der Bank

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Michael B.s Pflichtverteidiger Stefan Hüdepohl hat Freispruch beantragt. Die Kammer folgte aber dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. So wurde der 40-Jährige zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Uelzen/Lüneburg – Er hat weite Teile seines Lebens bereits im Gefängnis zugebracht. Auch in den nächsten Jahren wird er in einer Zelle sitzen. Das Landgericht in Lüneburg hat den 40-jährigen Michael B. wegen besonders schweren Raubes in Uelzen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt.

Die zweite große Strafkammer ist davon überzeugt, dass der in Mombasa geborene B. in der Nacht zum 30. November eine 24-jährige Auszubildende mit einem Cuttermesser bedroht hat und ihr den Geldbeutel abnahm.

Auf dem Weg zu einer Musikkneipe an der Gudesstraße war sie schnell noch zur Bank gegangen, um Geld abzuholen. Als sie wieder vor die Tür auf die Straße trat, wartete dort B.

Er zog das Messer für 50 Euro, die die Auszubildende abgehoben hatte. Die Tat verfolgt die junge Frau bis heute. Zum Prozessauftakt Anfang Mai hatte sie mit leiser, zittriger Stimme vor Gericht berichtet, dass sie noch immer nicht richtig schlafen könne. Den auf der Anklagebank sitzenden B. identifizierte sie als den Räuber und belastete ihn damit schwer. „Er war es.“

B. selbst erklärte, er habe niemanden ausgeraubt. „Was die Frau sagt, stimmt nicht.“ Er berichtete von einem Zechgelage am Tattag, bei dem er mit einem Bekannten Bier trank und kleine Jägermeisterflaschen leerte. Mal hingen die beiden am Bahnhof ab, mal daddelten sie beim Bekannten zuhause am Computer. Zu später Stunde wollten sie Zeit in Uelzener Kneipen verbringen, als sie dann von der Polizei angesprochen worden seien.

Das Opfer gab an, dass B.s Bekannter den Raub mitbekommen haben müsste. Nach dem Fernbleiben zu Prozessauftakt wurde der mögliche Zeuge bei der Fortsetzung des Prozesses von der Polizei vorgeführt. Licht ins Dunkel konnte er nicht bringen und B. auch kein Alibi geben.

Mit dem Urteil folgte die Kammer dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, wie eine Gerichtssprecherin gegenüber der AZ erklärt. Unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, durch die eine Mensch nun zeit seines Lebens querschnittsgelähmt ist, saß B. bereits im Gefängnis. Nach zuletzt zwei Urteilen auf Bewährung folgt nun für B. wieder die Haft für fünf Jahre und neun Monate. Eine Unterbringung in einer Einrichtung für einen Alkoholentzug kam für das Gericht nicht in Frage, wie die Sprecherin erklärt. Zweimal sei eine Therapie bereits abgebrochen worden. B.s Verteidiger hatte einen Freispruch beantragt.

VON NORMAN REUTER

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