Verwaltung beklagt immer weniger Bestattungen

Wird zu wenig gestorben in Uelzen? Friedhof schreibt rote Zahlen

+
Andreas Sterneck und Dieter Waldmann von der Friedhofsverwaltung stehen vor neuen Urnengräbern, die in einer Heidelandschaft in Uelzen errichtet worden sind. Hier steigt die Nachfrage.

Uelzen – Als der Vater von Andreas Sterneck ihm vor 40 Jahren riet, sich einen „sicheren Job auf dem Friedhof“ zu suchen, fand er dies einleuchtend.

Seit 1986 arbeitet Sterneck für die Friedhofsverwaltung des evangelisch-lutherischen Friedhofsverbandes Uelzen, doch die Zeiten haben sich mittlerweile deutlich verändert. „1986 gab es in Uelzen sieben Prozent Urnenbeisetzungen. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 65 Prozent, in diesem Jahr könnten es sogar 70 Prozent werden“, so der heutige Leiter der Friedhofsverwaltung in Uelzen.

Etwa 10 000 „aktive“ Gräber gebe es in Uelzen an der Scharnhorststraße. Seit 2017 bietet die Friedhofsverwaltung Urnenpartnergräber an, die wie eine Heidelandschaft gestaltet sind und sich laut Sterneck zunehmender Nachfrage erfreuen. Hier werden ausschließlich Findlinge als Grabsteine aufgestellt. Auch Urnen unter einem Baum sind an der Scharnhorststraße seit einigen Jahren möglich.

Der Friedhofsverband kümmert sich um die Friedhöfe in Uelzen, Veerßen, Oldenstadt, Groß Liedern und Gerdau. 25 Hektar Fläche sind es insgesamt, davon allein 20 Hektar beim innerstädtischen Friedhof. Sterneck: „Acht Hektar sind frei, sodass wir über riesige Freiflächen verfügen.“ Die Friedhofsverwaltung stehe daher vor der Herausforderung, diese Flächen umzugestalten in beispielsweise Blumenwiesen. „Mitte der 80er bis Ende der 90er Jahre hatten wir 360 bis 380 Bestattungen jährlich. Heute liegen wir bei 240. 2016 waren es gar nur 180“, erklärt der Leiter der Friedhofsverwaltung.

Dieter Waldmann, Vorsitzender des Friedhofsverbandes Uelzen, sagt ergänzend: „Angehörige sind nicht mehr so oft vor Ort wie früher und können sich daher nicht mehr selbst um die Grabpflege kümmern.“ Daher gebe immer mehr „pflegefreie“ Grabstätten, für deren Unterhaltung entweder die Friedhofsverwaltung selbst oder eine beauftragte Friedhofsgärtnerei verantwortlich sei. Konkurrenz gibt es zudem seit 2015 in Uelzen, als die Stadt einen 1,5 Hektar großen Bestattungswald im Stadtwald unweit des Fischerhofes errichtete.

2017 und 2018 habe die Friedhofsverwaltung rote Zahlen geschrieben. „Der Haushaltsausgleich erfolgte durch Rücklagen, doch die sind natürlich irgendwann aufgebraucht“, so Sterneck. „Es ist eine schwierige Situation und eine große Herausforderung für uns.“

Der Friedhofsverband verfügt über acht Festangestellte (und einen zeitlich befristeten Festangestellten bis Ende 2020) im „Außeneinsatz“ sowie zwei Voll- und zwei Teilzeitkräfte in der Verwaltung. Sterneck: „Je weniger Personal wir haben, umso weniger Qualität haben wir auch.“ Er erhalte keine Einnahmen durch die Kirchensteuer und keine Zuschüsse. Auch die zunehmende Trockenheit sei ein Problem, da Wasserverbrauch und Kosten stiegen. Sterneck: „Nur der Friedhof in Gerdau verfügt über einen eigenen Brunnen.“

Sterneck lässt sich dennoch nicht entmutigen. Er sagt: „Wenn ich keine Motivation hätte, könnte ich auch meine Mitarbeiter nicht motivieren.“ Sterneck ist auch niedersächsischer Vorsitzender des Verbands der Friedhofsverwalter in Deutschland und beschreibt die Situation woanders als ähnlich der in Uelzen. „Die Haushaltslage ist bei vielen Friedhofsverwaltungen miserabel“, so der Leiter der Friedhofsverwaltung.

Er erstelle derzeit ein Konzept für die nächsten Jahre, um auf die Veränderungen reagieren zu können. „Klar ist, beim Personal im Außeneinsatz können wir nicht weiter sparen, da sonst die Qualität leidet.“

Am Sonntag, 15. September, findet der „Tag des Friedhofs“ von 11 bis 17 Uhr auf dem Friedhofsgelände an der Scharnhorststraße statt. Auf dem Programm stehen ein Gottesdienst, Orgelmusik, Führungen, Ausstellungen, Informationsstände, Konzert des Gospelchors Oldenstadt, Kinderbetreuung sowie Bewirtung (Bratwurst, Brot und Salate). Näheres dazu steht unter www.hansestadt-uelzen.de im Veranstaltungskalender.

VON TIMO HÖLSCHER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare