AUS DEM GERICHT Tat war dem Angeklagten nicht nachzuweisen / Zeugenaussagen nicht belastbar

Uelzen: Freispruch im Prozess um Osterfeuer-Vorfälle

Im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung wurde jetzt ein 27-jähriger Bevenser im Amtsgericht Uelzen freigesprochen.
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Im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung wurde jetzt ein 27-jähriger Bevenser im Amtsgericht Uelzen freigesprochen.

Uelzen – Im Zweifel für den Angeklagten: Im Prozess gegen einen 27-jährigen Bevenser lautet das Urteil Freispruch. Vorgeworfen wurde ihm gefährliche Körperverletzung und Nötigung in mehreren Fällen (AZ berichtete).

Konkret ging es um einen Vorfall am Osterfeuer in Böddenstedt am 21. April 2019. Dem Bevenser wurde zur Last gelegt, fünf junge Männer mehrmals geschlagen und zur Herausgabe ihrer Handys gedrängt zu haben. Von diesen soll er vermeintlich belastende Fotos gelöscht haben, die in Zusammenhang mit einem vorherigen Zwischenfall gestanden haben.

Nachdem ein erster Verhandlungstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen war, wurden jetzt noch zwei Polizeibeamte als Zeugen angehört. Diese gaben an, am entsprechenden Datum frühmorgens wegen einer Messerstecherei zum Osterfeuer gerufen worden zu sein. Bereits bei der Anfahrt sei ihnen der Angeklagte im Auto entgegengekommen, auf den die Täterbeschreibung gepasst habe.

Daraufhin hätten die Beamten den Fahrer angehalten, ihn am Boden fixiert und sein Auto durchsucht. Ein Messer sei aber nicht gefunden worden. An besondere Merkmale, etwa die Kleidung des Angeklagten, konnten sich die Beamten nicht mehr erinnern. Der Angeklagte wurde in Gewahrsam genommen, später aber wieder freigelassen. Erst danach ereigneten sich die eigentlichen Vorfälle der Körperverletzung, derer der Bevenser angeklagt war.

Während der Angeklagte die Taten bestreitet, stand für die Staatsanwaltschaft die Schuld fest. Die vorigen Zeugen hätten sich noch an genügend Details erinnern können, zudem habe einer der Zeugen den Angeklagten in seiner Aussage klar als Täter identifizieren können. Sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wurden gefordert.

Dem konnte sich Verteidiger Ulrich Albers nicht anschließen. Keiner der Zeugen habe den Angeklagten als Täter identifizieren können. Auch der einzige Zeuge, der ihn erkannt haben wolle, habe dies erst nach mehreren Nachfragen getan. Die Aussage sei nicht belastbar. Immer wieder sei zudem von einem lilafarbenen Sportanzug die Rede gewesen, den der Täter getragen haben soll. Der Angeklagte habe an dem Tag diesen Anzug aber nicht getragen. Albers forderte daher Freispruch.

Dem schloss sich Richterin Koertge an. Sie könne sich zwar vorstellen, dass die Situation genauso stattgefunden habe, wie in der Anklage geschildert. Die Tat sei dem Angeklagten aber nicht zweifelsfrei nachzuweisen.

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