AUS DEM GERICHT: Zwei junge Männer trinken, spielen und gehen auf Diebestour

Uelzen: „Eine Runde“ mit Auto-Aufbrüchen

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Die Täter haben Seitenscheiben der Autos eingeschlagen, um an die Wertgegenstände im Inneren zu gelangen. Unter anderem holten sie aus den Wagen eine Tasche, einen Rucksack und Kartons mit Wein.

Uelzen – Zwei junge Männer trinken gemeinsam Alkohol, zocken in einer Spielhalle und verlieren Geld. Schließlich machen sie in der Nacht „eine Runde durch die Stadt“, wie der Jüngere der beiden jetzt vor dem Uelzener Amtsgericht erklärt.

Dort wird ihnen der Prozess gemacht – eben wegen jener Nacht im Januar 2018, in der sie bei ihrer „Runde“ Autos aufbrechen.

Dass sie sich an Wagen zu schaffen machten, geben sie zu Beginn der Verhandlung zu – wie viele und welche es waren, dies wüssten sie nicht mehr genau, sagen sie. Später wird Staatsanwalt Thomas Naumann von „Erinnerungslücken“ bei den Angeklagten sprechen.

Der ältere O.*, der ursprünglich aus Algerien stammt und nun im Landkreis Uelzen lebt, berichtet von „acht bis neun Flaschen Bier“, die er in dieser Nacht getrunken habe. Jeweils 0,5 Liter. Auch Tabletten seien genommen worden. Der jüngere T.*, der marokkanischer Staatsbürger ist, gibt ebenfalls an, Alkohol getrunken zu haben.

Vier Autoaufbrüche werden den beiden zur Last gelegt – aus einem der Wagen hätten sie Weinflaschen im Wert von mehr als 200 Euro herausgenommen. Aus einem anderen einen Rucksack mit einer Smartwatch und 60 Euro. Beim dritten Wagen sei eine schwarze Aktentasche mit Papieren gestohlen worden, beim letzten eine Geldbörse. Dass er für die Tat verantwortlich gewesen sein soll, bei der die schwarze Aktentasche herausgenommen wurde, kann sich O., wie er der Richterin Claudia Hagemann sagt, nicht vorstellen. „Warum bricht man in ein Auto ein und stiehlt Papiere?“, fragt er. Er habe ja mit den Taten den Menschen „keinen Schaden für ihre Arbeit“ zufügen wollen. Und: „Wir sind nicht die Einzigen, die klauen. Es gibt noch andere“, sagt er. Der zweite Angeklagte kann sich an Details nicht mehr erinnern, erklärt er. „Im Namen Allahs, ich erinnere mich nicht mehr.“

Für das Strafmaß ist die Anzahl der Autoaufbrüche von Belang. Jede Tat wird als „schwerer Diebstahl“ gewertet, für den ein Mindeststrafmaß von drei Monaten im Strafgesetzbuch vorgesehen ist. Um die Frage zu klären, für welche Taten die beiden Männer letztlich verantwortlich gewesen sind, wurde beim Landeskriminalamt ein Gutachten abgefasst, das die Richterin vorstellte.

Es beschäftigt sich mit Glassplittern, die an der Kleidung des jüngeren Angeklagten entdeckt wurden sowie in der schwarzen Tasche aus dem dritten Auto, die am Bahnhof gefunden wurde – dort, wo die beiden Angeklagten auch aufgegriffen wurden, nachdem ein Zeuge die Polizei informiert hatte, dass zwei junge Männer in Autos leuchten würden. Die Glassplitter von Kleidung und Tasche können Taten aus dieser Nacht zugeordnet werden. Für Staatsanwalt Thomas Naumann besteht unterm Strich schließlich kein Zweifel daran, dass tatsächlich die Angeklagten alle vier Taten begangen haben. Die beiden Männer sind bereits vor den Autoaufbrüchen wegen Diebstählen belangt worden.

Letztlich fordert Staatsanwalt Naumann eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten für jeden Angeklagten – auf Bewährung. Zusätzlich habe O. 40 und T. 30 Sozialstunden abzuleisten. Richterin Hagemann folgt dem geforderten Strafmaß.

Drei Jahre dürfen sich die jungen Männer nun nichts zu Schulden kommen lassen, so lange läuft die Bewährungszeit. O. beteuert: „So etwas wollen wir nicht noch mal machen.“ *Namen geändert

VON NORMAN REUTER

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