Uelzen durch britische Augen

An der Stadtmauer, ehe es in die St.-Marien-Kirche geht. Grieves spricht den Namen englisch aus, was witzig klingt.

Uelzen - Von Barbara Kaiser. Die Gäste merken es natürlich sofort: Dieser Stadtführer ist nicht von hier. Der englische Akzent ist unüberhörbar, wenn Michael Grieves den Mund aufmacht. Er rollt das „r“ so sympathisch und manchmal sucht er nach einem Wort. Aber natürlich hat auch er, wie alle anderen seiner noch neun Stadtführer-Kollegen, die Ausbildung an der Volkshochschule absolviert. Im Jahr 2009 führten sie 1232 Besucher durchs Zentrum der Stadt. Daneben gibt es die Nachtwächter-, Bahnhofs- und Weg der Steine-Führungen.

Der Brite, der bei der Staatsbahn seines Landes, später bei der Deutschen Bahn arbeitete und seit zehn Jahren Pensionär ist, lebt seit 34 Jahren mit seiner Frau hier. Er gibt es zu, dass er die Stadt „vielleicht anders sieht als Leute, die schon immer hier wohnen“. Der Blick von außen tut ja jedem Umstand gut.

So recherchierte Grieves in den Archiven seines Heimatlandes über die Britische Besatzungszeit 1945/48 in Uelzen und lässt das in seinen Rundgang einfließen. „Jeder macht sich eben seine eigenen Gedanken“, sagt der 64-Jährige. Aber natürlich kommen in seinen Erläuterungen alle wichtigen Fakten vor. Von der Stadtgründung bis zur Stadtsanierung 1986, vom großen Brand 1646 bis zur ganz privaten Feststellung, er sei froh, „eher zufällig hier in Uelzen gelandet zu sein, denn es ist eine grüne Stadt.“

Die Gäste, die Grieves am Sonnabend durch die Straßen lotste – wobei in den Marktstraßen der Lärmpegel für den Redner manchmal ein Problem sein kann bei größeren Gruppen - kamen aus Schwerin und Köln. Wie hört man von Uelzen, wenn man in Köln wohnt? „Eigentlich gar nicht“, sagt das Ehepaar, das zwei Pekinesen im Gefolge hat, die mit einem Uelzener Vierbeiner sofort Freundschaft schließen wollen. Sie seien bei Gifhorn an einem See im Urlaub und hätten sich Uelzen vorgenommen für diesen Tag. Aber: „Ihr Internet-Auftritt macht Lust, hierher zu kommen“, sagen die Besucher. Das wird die Verantwortlichen freuen.

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