Uelzen ist doch groß!

Rapper Smudo gilt mit seinen Kollegen von den Fantastischen Vier, Thomas D, Michi „Hausmarke“ Beck und And. Ypsilon, als Wegbereiter des deutschsprachigen HipHop.

Uelzen. Als einer der Fantastischen Vier hat Rapper Smudo die deutsche Rap- und Popmusik seit 20 Jahren entscheidend mitgeprägt. Am Sonnabend steht er mit den Fantastischen Vier auf der Open-R-Bühne. AZ-Redakteur Sven Kamin hat mit dem Rapper über Weißwein, die Beastie Boys und Fanta-Sie gesprochen.

Smudo, mit den Fantastischen Vier habt ihr schon richtig große Stadien mit mehreren Zehntausend Fans gefüllt. Was reizt euch da an einem verhältnismäßig kleinen Festival wie Uelzen mit etwa 10000 Fans?

Smudo: Echt? 10000 Fans. Das ist doch nicht klein. Das ist groß!

Ja?!

Ja klar. Alles ab 5000 Fans ist für mich groß!

Was reizt Euch denn mehr: Vor richtig vielen Fans zu spielen oder in ‘nem kleinen Club ganz nah dran zu sein?

Das sind einfach zwei völlig verschiedene Sachen. In einem Club siehst du die Gesichter der Zuhörer und da läuft die Kommunikation auch ganz anders ab als bei einem großen Konzert mit Tausenden Fans. Aber Massenflavor ist schon geil. Das ist halt jeweils etwas ganz anderes. So als ob du zum Essen Rotwein oder Weißwein trinkst.

Auf was können sich die Fans denn am Sonnabend freuen? Seid ihr mit Band unterwegs oder nur mit Turntables?

Wir haben das komplette Live Set dabei mit unserer Live-Band. Mit Bass, Gitarre Schlagzeug. Das volle Besteck.

Ihr habt euch ja ohnehin auch musikalisch immer weiter entwickelt. Euch als Rapper anzukündigen wird euch ja inzwischen kaum noch gerecht.

Doch das passt schon. Das ist es ja was wir immer noch machen. Wir rappen. Wir haben ja nicht angefangen zu singen oder so. Natürlich sind wir musikalisch inzwischen sehr viel breiter aufgestellt als ganz am Anfang.

Aber ist es nicht auch irrsinnig schwer, sich selbst immer wieder neu zu erfinden? Euer neues Album heißt: „Für dich immer noch Fanta Sie“. Wie schwer ist es, auch nach 20 Jahren immer noch genug Fantasie zu entwickeln.

Das ist in der Tat das Aller- schwerste. Das was man macht soll ja immer neu und immer frisch sein. Mit der steigenden Erfahrung wird man aber auch immer abgebrühter. Und es wird auch, gerade weil man schon so viel gemacht hat, immer schwerer uns immer noch wieder zu überraschen. Das schlimmste wäre aber wenn wir uns selbst langweilen.

Woher kommt also die Fantasie für die immer neuen Richtungswechsel?

Es ist einfach gut, dass wir uns das leisten können, neue Sachen auszuprobieren. Und da geht natürlich unser größter Dank auch an das Publikum, die diesen Weg auch mitgehen. Es kommen immer neue Fans dazu, aber ich glaube auch, dass nicht zu viele alte Fans sich abwenden von dem, was wir machen.

Apropos. Welche Titel werdet ihr in Uelzen spielen? Nur die aktuellen Hits oder auch ein paar „olle Kamellen“ für die Hardcore-Fans?

Also richtig „olle Kamellen“ von unserem ersten Album „Was geht ab“ wird es nicht mehr geben, aber natürlich spielen wir, als „olle Kamelle“ sozusagen, auch Stücke wie unseren Nummer-Eins-Hit „Sie ist weg“. Das wird schon ‘ne gute Mischung, aber für alles, was wir in 20 Jahren gemacht haben, würde auch unsere Kondition gar nicht mehr ausreichen.

Macht ihr denn extra Fitness-Training, wenn ihr auf Tour seid?

Ja, tatsächlich bin ich in einem Sportprogramm. Nicht nur für die Tour, weil Gesundheit auch sonst wichtig ist. Aber für eine Show muss man auch fit sein.

Gibt es noch irgendwelche Überraschungen, die ihr für Uelzen im Programm habt?

Na, wir werden jetzt nicht anfangen Jazz zu spielen oder so…

So wie etwa eure amerikanischen Rap-Kollegen die Beastie Boys…

Genau. Obwohl wir ja langsam auch ins Jazz-Alter kommen.

Ist da etwa was geplant?

Jazz hat uns zwar immer auch inspiriert aber wir waren ja nie die großen Instrumentalisten, wie zum Beispiel die Beastie Boys es immer mal probiert haben.

Aber in Sachen Wandlungsfähigkeit und Langlebigkeit seid ihr doch gerade den Beastie Boys gar nicht so unähnlich.

Natürlich gibt es da schon eine ganze Menge Parallelen: Beides Weißbrote (Anm. d. Red.: weiße Jungs, die in der ursprünglich schwarzen Rap-Musik aktiv sind), und wir haben beide so ein bisschen den Party-Animal-Ansatz gehabt. Aber grundsätzlich kommen wir ja aus unterschiedlichen Richtungen. Die Beastie Boys kamen ja vor allem aus der Punk-Ecke. Außerdem finde ich die Beastie Boys insgesamt nicht so wortgewandt (lächelt).

Zum Abschluss: Worauf freust du dich am meisten beim Gedanken an das Open R?

Worauf ich mich besonders freue, ist tatsächlich, mal Uelzen kennen zu lernen. Einen Ort der zwar nur 100 Kilometer vor den Toren meiner Wahlheimat Hamburg liegt, aber wo ich noch nie war. Vom Hörensagen weiß ich zwar, dass es einen kleinen Flughafen da ganz in der Nähe gibt. Aber da bin ich bis jetzt noch nicht gelandet…

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