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Uelzen: Was das digitale Zeitalter für die Volksbank bedeutet

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Burkhard Gehrke (rechts) erhielt für seine Arbeit im Aufsichtsrat vom stellvertretenden Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Henning Sommer, die silberne Ehrennadel angesteckt.

Uelzen – Die Wirtschaft brummt. Das hilft den Menschen im Land. Viele haben Arbeit, können den einen oder anderen Euro auf die hohe Kante legen. Es wird fleißig gebaut und investiert.

Die Volksbank Uelzen-Salzwedel hat so im vergangenen Jahr ihre Kreditgeschäfte ausbauen können, mehr Menschen vertrauten dem Finanzhaus auch Einlagen an. Vorstandsmitglied Carsten Mielke spricht am Donnerstagabend bei Vertreterversammlung der Bank in Uelzen von einer „erfreulichen Entwicklung“. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit, wie Mielke in der Jabelmannhalle festhält.

Das Zinsgeschäft wirft wenig ab, als Folge der Finanzkrise ist der Aufwand durch Meldepflichten und Regulatorik deutlich gestiegen, schildert Mielke. Und nicht zuletzt: Durch die Digitalisierung erlebe die Bank ein verändertes Kundenverhalten. Das sei eine der „größten Herausforderungen“ für die Volksbank, so Mielke, und es bleibt nicht ohne Folgen. Ende Mai hat die Volksbank in Wrestedt (AZ berichtete) sowie in Pretzier bei Salzwedel Filialen geschlossen.

Bei der Vertreterversammlung sind diese Entscheidungen Thema. Nicht nur Carsten Mielke geht auf sie ein. Herbert Schulze, Ortsbürgermeister von Pretzier, wo etwa 1.200 Menschen leben, meldet sich zu Wort. Er wolle seinen Unmut über die Schließung kundtun, sagt er.

Gerade für ältere Menschen sei es nun schwierig, Bankgeschäfte zu erledigen. Im Gespräch mit der AZ berichtet er, dass Pretzier, gut acht Kilometer entfernt von Salzwedel gelegen, nun gar keine Bank mehr habe. Auch Peter Ramünke, Bürgermeister von Wrestedt, äußert sich. Man sei „erschrocken“ und „erstaunt“ über die Entscheidung gewesen. „Schade, dass es dazu gekommen ist“, so Peter Ramünke.

Carsten Mielke erläutert in seinem Geschäftsbericht die Beweggründe. Seit 2003 sei der Anteil der Kunden, die ganz oder teilweise das Internet für Bankgeschäfte nutzen, von 26 auf 50 Prozent gestiegen – mit weiter stark zunehmender Tendenz. „Es gibt Tage“, so Mielke, „an denen am Vormittag nur noch zwei oder drei Kunden in die Filiale kommen.“ Unter diesen Umständen sei keine Rentabilität mehr gegeben. Trotz der Schließungen bleibe die Volksbank aber mit ihren Standorten mit „zumutbaren Wegen gut erreichbar“.

Für die Zukunft rüstet sich das Finanzhaus mit neuen Serviceangeboten, wie Mielke schildert. Seit vergangenem Herbst gebe es eine sogenannte Direktfiliale. Das sind acht Mitarbeiter, die via Telefon, Video-Chat oder E-Mail bei Kundenanfragen zur Verfügung stünden. Man habe 2018 in diesen Bereich investiert.

Unterm Strich kommt die Volksbank für das vergangene Jahr auf ein positives Ergebnis. Der Jahresüberschuss beträgt 824.000 Euro, von denen gut 131.000 Euro als Dividende ausgeschüttet werden. Der Restbetrag wird in Rücklagen gepackt. Aufsichtsratsvorsitzender Burkhard Gehrke nennt es „solide Geschäftsergebnisse“. Gehrke selbst wird bei der Versammlung ausgezeichnet – für seine langjährige Arbeit im Aufsichtsrat erhält er die silberne Ehrennadel vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband. Vor 25 Jahren wurde der gelernte Landwirt und Banker erstmals in das Kontrollgremium gewählt, dem er bis heute angehört. Seit 2017 ist Gehrke Vorsitzender des Aufsichtsrates.

VON NORMAN REUTER

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