Eine Bilanz

Erstes Wochenende mit gesperrten Marktstraßen in Uelzen: „Das wird hier völlig totgesperrt“

Die Polizei kontrollierte unter anderem am Sonnabendnachmittag, 19. Juni, jeden Autofahrer, der durch die Marktstraßen fuhr.
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Die Polizei kontrollierte unter anderem am Sonnabendnachmittag, 19. Juni, jeden Autofahrer, der durch die Marktstraßen fuhr.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Ein Hotelier ist aufgebracht, Gastronomen haben gemischte Gefühle und Radler sind wegen der Verkehrsschilder irritiert – das ist die Bilanz zum ersten Wochenende, am dem die Marktstraßen gesperrt waren.

Uelzen – Die Kreuzung vor dem Alten Rathaus, gestern gegen 12 Uhr: Im Zeitraum von fünf Minuten sind neben drei Radfahrern 17 Autos, zwei Lkws und ein Motorrad zu zählen. Der Verkehr rollt wieder, nachdem am Wochenende erstmals die Uelzener Marktstraßen für motorisierte Fahrzeuge gesperrt waren. Die erste Bilanz: Ein aufgebrachter Hotelbetreiber, gemischte Gefühle bei den Gastronomen und „vereinzelte Verstöße“ gegen das Durchfahrtsverbot.

Alexander von Keller Szepesi, der das Hotel „Stadt Hamburg“ an der Lüneburger Straße führt, ist verärgert. Mit der Sperrung der Marktstraßen an den Sommer-Wochenenden dürfen Hotelgäste zwar für das Einchecken und Entladen vors Haus fahren. Ihre Autos parken müssen sie aber außerhalb der Marktstraßen. Dafür hat der Hotelbetreiber gerade mit Blick aufs erste Wochenende kein Verständnis. „Die Lüneburger Straße war völlig leer“, sagt er. Da hätten seine Hotelgäste durchaus Platz fürs Parken gehabt. „Das wird hier völlig totgesperrt“, echauffiert er sich.

Wann immer eine Buchungsanfrage sein Haus erreiche, werde nach den Parkmöglichkeiten gefragt. Sobald man den Gästen zu erkläre, dass sie ihre Autos weiter wegparken müssten, komme es zu Absagen. „Wir haben hier Stornos und schon ein paar tausend Euro Verlust“, so von Keller Szepesi.

„Eher schädlich“ fürs Geschäft

Plätze für Hotelgäste im CEKA-Parkhaus seien am Wochenende nur bedingt zu nutzen, weil sonntags das Parkhaus zu habe, ein Techniker im Notfall nicht zur Verfügung stehe. Von Keller Szepesi blickt schon mit Sorge auf das nächste Wochenende. Dann hat er Gäste im Haus, die am O-See-Triathlon teilnehmen. Ihre Ausrüstung und die Räder könnten sie schlecht im Auto lassen. Sie bis zum Auto schleppen oder erst wieder das Auto vors Hotel fahren zu müssen – Service sehe anders aus, meint von Keller Szepesi.

Ein paar Meter weiter auf der gegenüberliegenden Seite ist man in der Hannemannschen Twiete auch nicht glücklich mit der Sperrung. Restaurant- und Hotel-Besucher, die längere Strecken zurücklegen müssten – das sei „eher schädlich“ fürs Geschäft, heißt es im Gespräch mit der AZ.

Und verärgert habe sich ein Hotelgast am Wochenende gezeigt. Er sei auf eine Gruppe mit Schlagzeug gestoßen, die an der Straße über Lautsprecher seine Durchfahrt mit „Oh, ein Mercedes-Fahrer“ kommentiert habe. Das sei gleich zweimal passiert. Dabei habe er nur einchecken wollen. Den Frust bekam das Team der Hannemannschen Twiete zu spüren. Es mag vielleicht humorvoll gemeint gewesen sein, aber hier wünscht man sich mehr Fingerspitzengefühl, damit nicht auch noch Kunden durch solche Aktionen vergrault werden.

Als kulturelles Programm für das Wochenende war vom Stadtmarketing die mobile Band „The Four Shops“ engagiert worden, die an verschiedenen Orten mit Lautsprechern, Schlagzeug und Gitarren muszierte.

Schilder sorgen für Irritationen

Donatella Carlet führt Eisdielen an der Veerßer und Gudesstraße. Sie ist kein Freund der Sperrung. Das hat sie bereits vergangenes Jahr zum Ausdruck gebracht, als dazu der politische Beschluss getroffen worden war. Nach dem ersten Wochenende sieht sie sich darin bestätigt, dass ihr die neue Regelung mehr schadet als nützt. Am Sonnabend habe sie das nach dem Markt gespürt und am Sonntag ein wenig. Die Menschen, die spontan Eis für zu Hause holen, würden wegfallen. „Das ist jetzt auch so eine Sache bei der Hitze. Wenn dann jemand noch weit zum Auto laufen muss, schmilzt ihm schon das Eis“, so Carlet.

Im Gildehaus wird der AZ von „normalen“ Geschäften am Wochenende berichtet. Allerdings treibt das Team um, was mit älteren Kunden ist, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Für sie müsse es eine Regelung geben. Aber im Gildehaus weiß man auch, wie sehr rücksichtslose Autofahrer ein Thema in den Markstraßen sind. Dann bekommen die Mitarbeiter schon mal von Gästen zu hören: „Bei euch ist es ganz schön laut.“ Zu nachtschlafender Zeit würden Autos richtig durch die Marktstraßen donnern. Für die Betreiber, die im Haus leben, ist das als Anlieger eine Belastung.

Solche Fahrten waren für die Politik Anlass für die Sperrung. Die Gäste sollen in Ruhe ihr Essen oder Eis genießen können.

Für Irritationen sorgte am ersten Wochenende die Beschilderung. Die Stadt erklärte zwar, Radfahrer hätten freie Fahrt in den Marktstraßen. An den geschlossenen Schranken jedoch ist das Verkehrschild 250 – Durchfahrt verboten – zu sehen, das auch für Radler gilt. Aufmerksamen Uelzenern war das aufgefallen. Die Stadtverwaltung will nachbessern, wie sie gestern auf Anfrage erklärt: „Ein entsprechendes Schild, das die Ausnahmegenehmigung für Fahrradfahrer ergänzt, wird so bald wie möglich aufgestellt“, so Stadtsprecherin Sandy Naake.

„Vereinzelte Verstöße“ gegen Sperrung

Aber hielten sich denn überhaupt Autofahrer an die Sperrung? Die Polizei kontrollierte stichprobenartig. Eine Streife stellte sich beispielsweise am Sonnabend gegen 16 Uhr ans Alte Rathaus, kontrollierte jeden, der vorbeifuhr. Gestern heißt es aus dem Kommissariat, es habe „vereinzelte Verstöße“ gegen die Sperrung gegeben. Es seien mündliche Verwarnungen ausgesprochen worden. Und die Rüpel, die sonst mit aufheulenden Motoren durch die Marktstraßen fuhren? Hotelbetreiber von Keller Szepezi sagt: „Die sind am Wochenende durch die Rademacher Straße und angrenzende Straßen gefahren.“

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