Kreisverband Legasthenie: Unterricht in Corona-Zeiten / „Rückschritte“ zu spüren

Uelzen: Buchstabentraining hinter Plexiglas

Unterricht an der Alten Wiesenstraße in den Räumen des Legi-Kreisverbandes: Lerntherapeutin Ruthild Menger spricht mit ihrer Schülerin über die Unterschiede von „K“ und „Q“.
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Unterricht an der Alten Wiesenstraße in den Räumen des Legi-Kreisverbandes: Lerntherapeutin Ruthild Menger spricht mit ihrer Schülerin über die Unterschiede von „K“ und „Q“.

Uelzen/Landkreis – Die Kuh steht auf der Wiese. Die Menschen befinden sich in Quarantäne. Die Lerntherapeutin Ruthild Menger will in dieser Unterrichtsstunde mit ihrer zehnjährigen Schülerin über Q und K sprechen – zwei verschiedene Buchstaben, die aber in Worten ähnlich klingen.

Für Menschen mit einer Lese- und Schreibschwäche eine Herausforderung. Um sie kümmert sich der Kreisverband Legasthenie (Legi). Plexiglasscheiben trennen jetzt Schüler und Lerntherapeuten.

Das ist das kleinste Übel. Wichtig für den Verband ist, dass wieder Unterricht stattfindet. Zwar hatte der Kreisverband in den vergangenen Wochen nie seine Arbeit eingestellt, organisierte während des Lockdowns eine Betreuung über Telefon und Internet, Birgit Steinbach, Vorsitzende des Legi-Verbands, muss aber doch berichten: „Da sind auch viele Rückschritte bei den Schülern zu spüren.“

Aufnahme zu Zeiten des Lockdowns: Lerntherapeutin Karin von Holten hält über das Telefon Kontakt mit Schülern.

Bei einer Lese- und Schreibschwäche ist das Wiederholen von Bedeutung, schildert Steinbach. Und wie berichtet, fand zeitweise kein Präsenz-unterricht an allgemeinbildenden Schulen statt, dann galt für Jahrgänge der Wechselmodus. Legi arbeitete mit Telefonie- und Internet-Betreuung. „Kann ein Unterricht nicht stringent fortgesetzt werden, so geht Erlerntes wieder verloren“, sagt Steinbach.

Etwa 130 Mädchen und Jungen mit Rechen-, Lese- und Schreibschwäche betreut der Legi-Verband. Neun Lerntherapeuten sind tätig. Sie seien, so Steinbach, während der Zeit des Lockdowns sehr kreativ geworden, um die Schüler zu betreuen. Die 45 Minuten Unterricht erfolgten am Telefon und übers Internet. Kleine Hausaufgaben wurden gestellt.

Die Herausforderung dabei: Eine Lese- und Schreibschwäche kann in einer Aufmerksamkeitsstörung begründet sein. Im Präsenz- unterricht kommen kleine Spiele und Übungen zum Einsatz, damit sich die Schüler wieder fokussieren. Am Telefon oder im Chat ist das schwierig. „In einem Fall haben wir dann einfach die Stunde aufgeteilt und jeden Tag etwa zehn Minuten mit dem Schüler gesprochen“, schildert Birgit Steinbach.

Mit Aufnahme des Schulunterrichts haben auch Legi-Mitarbeiter wieder persönlich Schüler betreuen können. Beinahe wieder „normal“ laufe der Betrieb, schildert die Vorsitzende. Tische und Stühle werden regelmäßig desinfiziert, die Räume sind mit Spuckschutzwänden ausgestattet. Steinbach unterstreicht, wie wichtig die Arbeit mit den Schülern ist: Schreib- und Leseschwächen führen an der Schule zu Misserfolgen. Womöglich werden Mädchen und Jungen damit auch noch aufgezogen. „Es leidet dann die Psyche“, sagt Steinbach. VON NORMAN REUTER

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