Uelzen braucht den Frühjahrsputz

Von Thomas Mitzlaff - Es ist ein Uelzener Phänomen, das sich über Jahre immer weiterentwickelt hat. Fehler, Missstände gar, gibt es nicht bei der Arbeit von Rat und Verwaltung, wer so etwas behauptet, will der Stadt nur Böses. Man igelt sich dann ein, grenzt aus, stellt auf stur, anstelle zu überlegen, ob wirklich alles so richtig läuft, wie man es eingefädelt hat.

Wenn die Staatsanwaltschaft dem Verdacht unlauterer Geschäfte zwischen Stadtwerken und dem damaligen CDU-Spitzenmann Christian Teppe nachgeht, dann verkündet Uelzens Bürgermeister schon am Tag der Hausdurchsuchungen, dass sich das Verfahren in Luft auflösen wird. Wenn der Steuerzahlerbund befürchtet, die Stadtwerke könnten in der Ukraine viele Millionen Euro versenken, wischt das Stadtoberhaupt das mit der Bemerkung zur Seite, der Steuerzahlerbund mache ohnehin nur Lobbyarbeit für die großen Energiekonzerne und wolle die Stadtwerke Uelzen schädigen. Und wenn, wie diese Woche, die nächste Staatsanwaltschaft im Rathaus auftaucht und eine weitere Teppe-Akte wegen des Verdachts der Rechtsbeugung beschlagnahmt, verkündet die Verwaltungsspitze zeitgleich, die Vorwürfe gegen die eigenen Mitarbeiter, man habe eben jenem Teppe beide Augen zugedrückt, würden sich nicht aufrechterhalten lassen.

Und der Stadtrat als angebliche Kontrollinstanz? Er schweigt, schaut dem Gebaren der Verwaltungsspitze sprachlos zu und blamiert sich in aller Öffentlichkeit vor über 100 Bürgern dieser Stadt als kritikloser Jubelchor für den Stadtwerke-Chef, gegen den ganz nebenbei gerade ein Verfahren wegen Vorteilsgewährung läuft.

Schönreden um jeden Preis. Jahrelang ging das gut, aber jetzt verstricken sich die Protagonisten immer tiefer in Klüngel und Filz – offenbar längst nicht immer auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit.

Es ist kein Zufall, dass vergangenes Jahr auf Korruption spezialisierte Ermittler das Rathaus heimsuchten und jetzt schon wieder die Staatsanwaltschaft in der Verwaltung auftaucht und mittlerweile auch gegen die Stadt selbst ermittelt wird.

Es ist kein Zufall, dass das ZDF nächsten Montag plant, bundesweit Hohn und Spott auszuschütten über die (traurige) Posse, die sich die Stadt und die Stadtwerke in der Ukraine auf Kosten ihrer Bürger leisten.

Der Imageschaden wird immer größer, mit jedem Ermittlungsverfahren, mit jedem Decken zweifelhafter Geschäftsbeziehungen. Und das alles soll im Sinne der Menschen hier sein?

Dieses reflexhafte Festhalten an alten Ritualen, dieses Klammern an die alten Strukturen, die man über Jahre aufgebaut hat, diese Festung, sie bröckelt immer mehr. Heute macht die Stadt Uelzen Frühjahrsputz. Sie sollte ihn auch in ihren Gremien machen. Damit neue Gesichter die Stadt aus dem Morast holen können, in dem sie mit jedem Besuch vom Staatsanwalt tiefer versinkt.

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