Binnen weniger Wochen stellen Waidmänner das zweite Mal Schwarzwild nach

Uelzen bläst zur Schweinejagd

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Rund 90 Waidmänner sind gestern am Forstbetriebshof zur zweiten großen Drückjagd binnen weniger Wochen zusammengekommen. Um 9.26 Uhr erfolgen die Signale zum Start.

Uelzen. 9.26 Uhr – und das Kommando zur Jagd ertönt aus den Blechhörnern: Ben nimmt´s gelassen. Der Hunderüde, ein Deutsch Langhaar, blickt sich um; ein Artgenosse hält indes kaum noch still. Er quittiert das Hörnerspiel mit lautem Jaulen.

Das Wild wird lautstark aufgescheucht, Hunde bellen, Schüsse sind zu hören: Die zweite Drückjagd im Uelzener Stadtforst gestern Vormittag binnen weniger Wochen. Das ist neu. Aber notwendig in diesen Zeiten.

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch; für Experten stellt sich nicht mehr die Frage, ob sie Deutschland erreichen wird, sondern nur noch wann. Wildschweine gelten als größte Gefahr, dass sich die Seuche nach einer Einschleppung hierzulande schnell ausbreitet – von Tier zu Tier. Mit zusätzlichen Jagden wie gestern in Uelzen soll das Risiko eingedämmt werden. Aber für die Jäger ist das ein Anlaufen gegen Windmühlen: „Durch ein entsprechendes Nahrungsangebot bekommen die Tiere inzwischen ganzjährig Nachwuchs“, so Hinrich Helmke, Leiter des Hegerings Wieren, im AZ-Gespräch. Im zurückliegenden Jagdjahr erlegten Deutschlands Jäger 589 417 Wildschweine oder fanden sie verendet auf (vier Prozent).

Vorab werden von Susanne Löw die Jagdscheine kontrolliert.

Bei der Drückjagd gestern im Uelzener Stadtforst werden vier Schwarzkittel zur Strecke gebracht, bei der ersten Bejagung vor wenigen Wochen waren es 20 Schweine. Ein Schwarzwildvorkommen gebe es längst nicht mehr nur in Waldgebieten und Schonungen, so Uelzens Stadtförster Thomas Göllner. Wildschweine seien vor allem auch in Maisfeldern zu finden; dort fänden sie Nahrung, seien aber „irre schwer zu bejagen“. So fordert gestern auch der Deutsche Jagdverband (DJV) mehr Schneisen vor allem in Maisfeldern. Solche 15 bis 20 Meter breiten Streifen in den Feldern erleichterten die Jagd erheblich, sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Verbandes, der Deutschen Presseagentur. Schon bei der bevorstehenden Aussaat im Frühjahr sollten Landwirte gezielt Jagdschneisen mit Wildkräutern statt Mais anlegen. Der Bauernverband will indes eine Bejagung von Bachen, die Frischlinge bei sich führen, durchgesetzt wissen; 70 Prozent des Schwarzwildes müsse erlegt werden, so die Landwirte.

Letzte Absprachen: Thomas Göllner erklärt Jägern anhand einer Karte, wo sich im Forst die Ansitze befinden.

Vor dem Forstbetriebshof am Uelzener Buchenberg sind gestern Morgen Waidmänner zusammengekommen, um sich „schwerwiegenden Aufgaben“ zu stellen, wie es Uelzens Stadtförster Thomas Göllner formuliert.

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Neue Fälle in Polen und Tschechien geben Experten Anlass zur Sorge, die Seuche könnte bald auch Deutschland erreichen. Und je dichter der Bestand an Wildschweinen ist, umso schneller könnte sie sich nach dem Erreichen ausbreiten. Ein Übergreifen auf Zuchtbetriebe wäre der wirtschaftliche Gau, immense Schäden drohen. Soweit soll es nicht kommen.

Die Jäger sind angehalten, Schwarzkittel zu bejagen. Binnen weniger Wochen erfolgt so eine zweite revierübergreifende Drückjagd im Uelzener Stadtforst und in angrenzenden Gemarkungen wie Hansen, Barnsen und Bohlsen. „Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die Seuche sich nicht rasant ausbreitet“, sagt Göllner gestern.

So weit das Ziel, die Praxis ist kompliziert: Bei einer ersten großen Drückjagd im Stadtforst vor wenigen Wochen wurden 20 Wildschweine erlegt. „Weit mehr Tiere wurden aber seinerzeit gesichtet; auch Bilder aus Wildkameras belegen noch ein Vorkommen“, so Jochen Untiedt gestern als Leiter der zweiten angesetzten Jagd.

Die Herausforderung bei der Bejagung von Schwarzwild: Die Borstentiere sind „unglaublich lernfähig“, schildert Untiedt. Gerade ältere Bachen und Keiler wüssten Geräusche als Gefahren für sich einzuordnen.

Mit Treibern werden gestern die Wildtiere aufgescheucht. Angehende Jäger, wie Stefanie Rux aus Holdenstedt, ziehen lautstark durch den Wald. „Hop, Hop, Hop“ rufen sie. Rux sagt: Als Jungjägerin lerne sie bei einer solchen Drückjagd viel. Auch gut ein Dutzend Hundeführer sind mit Ben und Co. unterwegs, um ebenfalls Wild aufzuscheuchen und zu suchen. Das nutzt vor allem ihm bekannte Routen, sogenannte Wechsel, für die Flucht. Und an diesen sind 58 Jäger für die Abschüsse postiert.

Jochen Untiedt hat die Ansitze auf Karten verzeichnet, Drückjagdböcke wurden aufgestellt, Einladungen verschickt, Jäger organisiert. Das kostete Zeit und Geld. Mindestens eine Woche habe er sich nur mit dieser Jagd befasst, sagt der Forstwirtschaftsmeister.

Das Jagdergebnis gestern: sieben Rehe und vier Wildschweine. „Das Schwarzwild war“, bilanziert Stadtförster Thomas Göllner, „wohl andernorts.“ Die Bejagung von Wildschweinen bleibe eine Aufgabe.

Von Norman Reuter

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