Schausteller-Familie stemmt sich gegen Corona-Krise

Uelzen bekommt einen „Freizeitpark“

Eine Schausteller-Familie stemmt sich gegen die Corona-Krise: Roman Mantau (v.l.), Michael Mantau, Rigo Reitz, Norbert Mantau und Harry Mantau junior.
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Eine Schausteller-Familie stemmt sich gegen die Corona-Krise: Roman Mantau (v.l.), Michael Mantau, Rigo Reitz, Norbert Mantau und Harry Mantau junior.

Uelzen – Eine Schausteller-Familie stemmt sich gegen die Corona-Krise. Auf dem Albrecht-Thaer-Gelände hat sie Fahrgeschäfte, Losbuden und Snackbuden aufgebaut. Heute öffnet „Uelzens Freizeitpark“.

Es sind geübte Handgriffe. Michael Mantau befasst sich mit dem Vordach eines Loswagens.

Der 57-Jährige ist Zeit seines Lebens Schausteller – hineingeboren in eine Familie, die seit Generationen mit Fahrgeschäften, Pfeilwagen und Snackbuden auf Volksfesten ihr Geld verdient. „Ich möchte gar keinen anderen Beruf machen“, sagt Mantau. Aber er setzt sogleich hinzu: „Wir haben gerade ein schwieriges Leben.“

2020 fallen coronabedingt Volksfeste und Festivals aus, dort, wo die Mantaus sonst vertreten wären. „Wir hatten unseren letzten Einnahmetag am 23. Dezember 2019 beim Uelzener Weihnachtsmarkt“, berichtet Mantau. Die Vorgaben zum Infektionsschutz treffen die Schausteller-Branche mit Wucht.

Jetzt will sich die Schausteller-Familie gegen die Krise stemmen. Auf dem Albrecht-Thaer-Gelände in Uelzen stehen nun Fahrgeschäfte und Wagen. Ein Volksfest darf es nicht geben, aber ein Freizeitpark mit entsprechendem Hygiene-Konzept ist zugelassen worden, sagt Mantau. Uelzens „Uhlen Freizeitpark“ wird am heutigen Freitag, um 14 Uhr, öffnen.

Seit vier bis fünf Monaten wäre die Schausteller-Familie eigentlich schon unterwegs – für gewöhnlich ist sie in Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein vertreten. Hilfen des Staates habe es zwar anfangs gegeben, sagt Michael Mantau, aber „das reichte vorne und hinten nicht“. Der Freizeitpark ist jetzt der Versuch, Einnahmen zu generieren.

Bis maximal 500 Personen dürfen sich gleichzeitig auf dem Albrecht-Thaer-Gelände aufhalten. Die Familie hofft auf Zuspruch aus Uelzen und darüber hinaus. „Kommen täglich nur 20, werden wir nur Ausgaben haben“, sagt Michael Mantau. Mindestens drei Wochen soll es den Freizeitpark geben.

Weil nun es auch wieder akute Corona-Fälle in Uelzen gibt, hat der Infektionsschutz große Bedeutung. „Die Gesundheit geht vor“, sagt auch Michael Mantau. Auflagen sind deshalb auch für den Freizeitpark erteilt worden.

So einfach wie beispielsweise beim Martini-Markt betreten werden kann das Gelände deshalb nicht. In Höhe des Toilettenhäuschens auf dem Albrecht-Thaer-Gelände ist ein Ein- und Ausgangsbereich geschaffen worden. Ein symbolischer Eintritt zum Freizeitpark wird im Eingangsbereich genommen – von Besuchern sind dort Daten zu hinterlassen, damit eine Kontaktermittlung möglich ist. Ohne die Angabe der Kontaktdaten sei ein Zugang leider nicht möglich, erklärt Michael Mantau.

Eine Mund-Nasen-Maske ist von Besuchern mitzubringen. Wann er wie auf dem Gelände und in den Fahrgeschäften zu tragen ist, erfahren Besucher durch Aushänge und durch Platzanweiser. „In jedem Fall wird er beim Autoscooter getragen werden müssen, weil sich hier Besucher sehr nahe kommen können.“ In anderen Fahrgeschäften könnten Mindestabstände eingehalten werden.

Statt Plastik-Jetons sollen zum Infektionsschutz bei den Fahrgeschäften Abrissmarken ausgegeben werden. An Imbissbuden sei Abstand zu Vordermännern und -frauen zu halten, sagt Mantau.

Auf dem Gelände sind bunte Karussells für Kinder zu entdecken. Besucher können ihr Glück bei Schieß-, Pfeil- und Ballwagen versuchen. Es wird auch einen Losverkauf geben. Aus Berlin ist eine Schaustellerin mit dem „Breakdancer“ gekommen. Ansonsten ist der Freizeitpark ein Projekt der verschiedenen Generationen einer Familie, für die Michael Mantau sagt: „Wir wollen die Krise irgendwie überstehen.“ VON NORMAN REUTER

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