Vor 18 Jahren wurde das Hundertwasser-Bauwerk eingeweiht – doch wohin geht die Reise?

Uelzen: Der Bahnhof wird volljährig

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So sah der Bahnhof noch vor der Erneuerung im Zuge der Weltausstellung „Expo 2000“ aus. Sowohl äußerlich, als auch innerlich hat sich einiges verändert.

Uelzen. Farbenprächtige Säulen, bunte Mosaike und goldene Kugeln, so kennt man den Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Vor 18 Jahren, im November 2000, wurde er eingeweiht – jetzt wird er „erwachsen“. Wie hat er sich entwickelt und zeigt er womöglich schon erste Falten?.

Die Hansestadt ist seit dem 19. Jahrhundert ein wichtiger Bahnknotenpunkt in Deutschland, der alte Bahnhof nach dem Zweiten Weltkrieg aber zu einer „hässlichen Ecke“ verkommen, wie Raimund Nowak, der die Idee eines neuen Bahnhofes hatte, beschreibt.

Wir mussten kämpfen

Raimund Nowak

Als Nowak davon Wind bekam, dass die Weltausstellung „Expo 2000“ in Hannover mit dem Thema „Mensch, Natur, Technik“ auch Projekte aus anderen Städten zulässt, dachte er als Ratsherr der Stadt Uelzen an einen Neubau des Bahnhofs. Uelzens damaliger Stadtdirektor hatte jedoch eine andere Idee und wollte die Werke des Künstlers Friedensreich Hundertwasser ausstellen. Eine Diskussion entbrannte – reicht das für die Expo?

Letztendlich sei es ein Leserbrief in der AZ mit dem Vorschlag, die beiden Ideen zu verbinden und einen Hundertwasser-Bahnhof zu bauen, gewesen, der die Idee in die Köpfe der Menschen und die Planung ins Rollen brachte, schildert Nowak.

Das Modell zeigt, wie es geplant war: Mehr bunte Säulen und zwei Treppenaufgänge. Heute ist dort ein Fahrstuhl.

„Zwischen 1997 und 2001 habe ich mit zwei Kollegen aus dem Rat der Stadt Uelzen und einigen engagierten Bürgern das Projekt realisiert“, so Nowak. „Das war eine besondere Zusammenarbeit“, denn dass die Grünen, SPD und CDU zusammenwirken, sei damals noch ungewöhnlich gewes- en.

Leicht war es nicht, erinnert sich Nowak. Hundertwasser musste überzeugt und der Umbau finanziert werden, von Bürgern war Widerspruch zu vernehmen. „Wir hatten nicht nur Unterstützung, wir mussten kämpfen“ , so Nowak, „aber wenn man sieht, wie erfolgreich wir waren, dann ist alle Mühe vergessen“.

Der Hundertwasser-Bahnhof so, wie er heute aussieht. Bunte Säulen, Goldkugeln und Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach. 

Im November vor 18 Jahren wurde der „Umwelt- und Kulturbahnhof“ ohne den zwischenzeitlich verstorbenen Ideengeber eingeweiht. Der Uelzener Bahnhof sei das letzte Projekt zu Lebzeiten des Künstlers gewesen, weiß Ariane Schmäschke, Mitglied des Vereins „Bahnhof 2000“. Auch wenn Hundertwasser mehr Säulen plante, als letztendlich aus Kostengründen hochgezogen wurden, zählt der Bahnhof in Uelzen zu den zehn schönsten der Welt und wurde 2009 von der Allianz-pro-Schiene zum deutschen „Bahnhof des Jahres“ gekürt.

Am Hundertwasser-Bahnhof halten täglich 130 Züge. Unter der Woche sind täglich bis zu 10.000 Menschen im Bahnhof unterwegs, am Wochenende sogar 15.000.

Damals wie heute werden Führungen durch den Bahnhof angeboten. „Die Menschen kommen aus aller Welt. Manche haben sich vorgenommen jedes der Gebäude im Hundertwasser-Stil zu besichtigen“, erzählt Schmäschke. Auf der ganzen Welt gebe es davon nur 20.

Bunte Säulen zieren das ganze Bahnhofsgelände.

Die große Euphorie der Anfangsjahre ist aber verflogen. Die Besucherzahlen gingen zuletzt deutlich zurück. Wurden nach der Eröffnung rund 20.000 Touristen pro Jahr im Bahnhof gezählt, waren es 2017 noch 4.100. Ein Rückgang sei zu erwarten gewesen, schließlich hätten mit der Zeit immer mehr Leute das Gebäude bereits gesehen, aber das allein sei es nicht, so Schmäscke. „Die Menschen entwickeln eine Oberflächlichkeit für Informationen.“ Alles müsse schnell gehen, „wir erleben eine zunehmende Geschwindigkeit im Leben“, erklärt sie die Einführung einer nur noch 30-minütigen Kurzführung.

Im Inneren des Bahnhofs sind Geschäfte und gastronomische Angebote zu finden, in 18 Jahren gab es einen Restaurantwechsel vom „Arte“ zum „Lässig“ und ein Ladenwechsel von einem Blumenladen zum „Natürlich“-Shop. Die Bahn hat angekündigt, ihren Fahrkartenverkauf im Bahnhof zum Jahresende zu schließen, droht damit ein erster Leerstand im Bahnhof?

Stadt und Bahn arbeiten an Verbesserungen, haben schon den Fußboden erneuert, mehr Sitzmöglichkeiten geschaffen – und damit kein Wasser mehr in der Unterführung steht, wurde eine Entwässerungsrinne geschaffen. Demnächst sollen neue Automatiktüren kommen und einer der Aufzüge erneuert werden.

Raimund Nowak bezeichnet den Hundertwasser-Bahnhof als „eines der besten Expo-Projekte“. Es sei eines der wenigen, die noch zu sehen seien. „Er ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie gut man etwas kreieren kann, was auch später noch da steht“, sagt er stolz. Jetzt besteht die Herausforderung beim Bahnhof darin, erwachsen zu sein, ohne alt zu werden...

Von Lea-Sophie Penner

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