Nach "Mortimer"

Uelzen: Bäume zu nah an Gleisen

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Die Motorsäge wird angesetzt: Die Bahn fällt bei Bedarf Bäume an Gleisen. Metronom fordert noch einen konsequenteren Grünschnitt.

Uelzen – Mit „Mortimer“ hat ein erster Herbststurm gewütet – mit Folgen für den Bahnverkehr in Norddeutschland. Die Strecke Hamburg-Hannover, die wichtig für Uelzener Pendler ist, war, wie bei Wetterkapriolen in der Vergangenheit, auch diesmal wieder betroffen.

Um 7.30 Uhr veröffentlichte die Deutsche Bahn zu Wochenbeginn eine Information, die den Uelzener Berufspendlern einmal mehr den Schweiß auf die Stirn getrieben haben dürfte.

Das Unternehmen teilte mit, dass wegen des Herbststurmes Mortimer vorerst keine Fernzüge auf der Strecke Hamburg-Hannover verkehren werden. Es müssten Regionalzüge genutzt werden, die noch fahren würden.

Bei Wetterkapriolen kommt es auf der Strecke immer wieder zu Einschnitten – zahlreiche Metronom-Züge sind allein im Jahr 2017 auf ihr ausgefallen, weil herabgefallene Äste und umgestürzte Bäume die Strecke blockierten. Ein „untragbarer Zustand“, wie das Uelzener Eisenbahnunternehmen, das für den Regionalverkehr zuständig ist, seinerzeit erklärte. Anfang 2018 versprach die Bahn gegenüber Metronom, konsequenter die Bäume und die Hölzer zu bescheiden – sechs Meter links und rechts neben den Gleisen. Jetzt, fast zwei Jahre später, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin auf Nachfrage, dass man „durchaus verstärkte Aktivitäten“ beim Grünschnitt bemerke. Zufrieden ist Metronom aber nicht.

Es gibt Gebiete, in denen Metronom noch Handlungsbedarf sieht, wie Pamperin erklärt. Eines befinde sich auf der Strecke Hamburg-Hannover vor den Toren Lüneburgs, wo sichtbar Bäume und Büsche zu dicht an den Gleisen stehen würden. Ein vergleichbares Bild gebe es bei Buchholz auf der Trasse Hamburg-Bremen.

Metronom bleibt auch bei seiner Auffassung, dass ein Grünschnitt von sechs Metern nicht ausreicht. Das Unternehmen fordert einen Rückschnitt von 15 Metern rechts und links neben den Gleisen, sodass Bäume nicht ins Gleis fallen könnten.

Was stärkere Eingriffe in die Vegetation an den Gleisen betrifft, so hat auch der in Bad Bevensen lebende Bahnexperte Rudolf Breimeier eine klare Auffassung. In den vergangenen Jahren hat er mehrere Aufsätze zum Thema veröffentlicht. Breimeier verweist angesichts der Verkehrseinschränkungen durch Mortimer auf seine Ausführungen.

Der Bahnexperte zitiert in seinen Aufsätzen eine alte Regel, wonach alle Bäume, die dem Windbruch ausgesetzt seien, bis auf eine solche Entfernung zur Bahn niedergelegt werden müssten, damit ein umstürzender Baum das Gleis gar nicht mehr erreichen könne. Für die Sicherheit müsse diesem Grundsatz wieder gefolgt werden, meint Breimeier.

Extremwetterlagen haben, so sagt die Bahn, in den vergangenen Jahren zugenommen. Das Unternehmen reagiere mit „zusätzlichen Maßnahmen“ im sogenannten Vegetationsmanagement und „trägt damit den geänderten Rahmenbedingungen und Auswirkungen von Extremwetterlagen auf den Bahnbetrieb Rechnung.“

Insgesamt stünden für den Bereich in den nächsten Jahren 660 Millionen Euro zur Verfügung.

VON NORMAN REUTER

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