1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Stadt Uelzen

Uelzen: Duo wegen Körperverletzung angeklagt - Mit blauem Auge davongekommen

Erstellt:

Von: Theresa Brand

Kommentare

Amtsgericht Uelzen
In zwei Fällen von Körperverletzung mussten sich die Angeklagten vor dem Amtsgericht verantworten. Da einer der beiden zur Tatzeit noch unter 18 war, ist auch die Jugendgerichtshilfe anwesend. © Lars Becker

Wegen Körperverletzung in zwei Fällen mussten sich nun zwei junge Männer aus der Region verantworten. Dabei ließ sich die Richterin zu harten Worten hinreißen, da sich die Aussagen nicht immer als wahr erwiesen.

Uelzen – Für zwei Fälle von zum Teil schwerer Körperverletzung mussten sich nun zwei junge Männer vor dem Amtsgericht Uelzen verantworten. Die beiden Freunde – einer aus gutbürgerlichen Verhältnissen, einer mit traumatischen Fluchterfahrungen – sollen im vergangenen Jahr zwei Mal andere junge Männer geschlagen und getreten haben. Zwar fällt das Urteil am Ende milde aus, dennoch äußert Richterin Ohl drastisch ihren Ärger.

Die erste Tat ereignet sich im Februar vergangenen Jahres im Marktcenter Uelzen. Sie treffen an jenem Tag zwei Bekannte, die auf der Treppe zum Parkdeck sitzen. Laut Anklage drückt einer der Täter, der in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen Körperverletzung vor Gericht stand, einen von ihnen zu Boden und schlägt ihn mit der Faust.

Anders die Version des Angeklagten: Er habe seinen Bekannten lediglich etwas gefragt, woraufhin dieser aufgestanden und aggressiv geworden sei. Zudem habe er den Angeklagten mit einer Bierflasche bedroht und versucht ihn zu schlagen. „Ich habe nur gerufen: ,Beruhig dich, setz dich erst mal hin!‘ Doch er hat nicht aufgehört“, erzählt der Angeklagte. Er habe sich nur zur Wehr gesetzt und versucht, die Situation zu deeskalieren.

Sein Freund bestätigt diese Aussage. Das Opfer sei aufgestanden. „Die Bierflasche flog nur knapp an mir vorbei. Ich habe mich noch schnell weggeduckt“, berichtet er.

Anders beschreiben das Opfer und sein Freund den Tathergang. Zwar wirken beide unsicher. Einer der beiden gibt zudem an, betrunken gewesen zu sein. Fest steht jedoch für beide, dass der Angeklagte und sein Begleiter aggressiv aufgetreten seien. „Er hat mich sofort zu Boden gedrückt und festgehalten“, sagt das Opfer. Er habe sich nur gewehrt. Außerdem habe er nie mit einer Flasche geworfen – es steht Aussage gegen Aussage.

Einen Beweis liefert die Aufzeichnung der Überwachungskamera: Hier ist zu sehen, dass besagte Flasche schlichtweg im Gerangel umgetreten wird. Die Richterin ärgert sich: „Auf gut Deutsch: Ich lasse mich nicht verarschen“, sagt sie in scharfem Ton zu den beiden Angeklagten. Der Täter entschuldigt sich: „Das, was da passiert ist, war von beiden Seiten dumm. Ich entschuldige mich für mein Verhalten“.

Auch im zweiten Fall aus dem Juli 2021 sind die beiden Angeklagten zusammen unterwegs und treffen auf einen Bekannten und dessen Freundin. Wieder kommt es schnell zur Eskalation: Die Anklageschrift besagt, dass die Täter den jungen Mann nach kurzem Wortgefecht zu Boden geworfen, mit der Faust geschlagen und auf ihn eingetreten hätten.

Erneut ist die Version der Angeklagten eine andere: Das Opfer habe auf Ansprache aufbrausend reagiert und beiden mit der Faust ins Gesicht geschlagen. „Ich war schockiert!“, gibt einer der Angeklagten an. Er habe sich gewehrt, den anderen in einen Busch geschubst. Schnell sei dieser wieder aufgestanden und habe seinen Freund erneut geschlagen. Der andere Angeklagte bestätigt, er sei vom Schlag überrumpelt worden. „Meine Lippe ist aufgeplatzt, ich habe nur überall mein Blut gesehen, die ganze Jacke war voller Blutspritzer!“, erklärt er. Offen gibt er aber zu, in dem Moment selbst rot gesehen und zurückgeschlagen zu haben. „Ich dachte nicht mehr klar“, sagt er. „Ich weiß, das war in dem Moment das Falscheste, ihn zu schlagen.“ Getreten habe aber niemand.

Die Zeugen – unter ihnen das Opfer – bezeichnen die Angeklagten als provokativ. Das Opfer gibt aber zu, beide mit der Faust geschlagen zu haben. Lediglich ein Passant sagt aus, er habe beobachtet, wie die Angeklagten auf das Opfer eingetreten hätten.

Da einer der beiden Angeklagten zum Zeitpunkt des Geschehens noch minderjährig ist, wird das Jugendstrafrecht angewendet. Beide müssen einen Gewaltpräventionskurs belegen, kommen aber ansonsten mit einem blauen Auge davon. „Sie sollten in Zukunft anders auf Leute zugehen“, rät die Richterin den jungen Männern.

Auch interessant

Kommentare