In 30 Tagen zum besseren Klima?

Uelzen: Anja Büssenschütt wandert 340 Kilometer von Ottersberg nach Berlin

Anja Büssenschütt mit Wanderstöcken, Rucksack und ihrem Pilgerwagen. In Uelzen übernachtete die 52-Jährige bei Ingetraud und Manfred Schmäcke.
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Anja Büssenschütt mit Wanderstöcken, Rucksack und ihrem Pilgerwagen. In Uelzen übernachtete die 52-Jährige bei Ingetraud und Manfred Schmäcke.

Uelzen – Damit sich an der drohenden Klimakatastrophe etwas verändere, müsse jeder aus seiner Komfortzone kommen. Dies ist die Meinung von Anja Büssenschütt.

Um ein Zeichen zu setzen, damit die Klimaproblematik noch mehr in den öffentlichen Mittelpunkt gerate, hat sich die 52-Jährige zu einem spektakulären Marsch entschieden: Die zweifache Mutter wandert 340 Kilometer in 30 Tagen von Ottersberg bei Bremen bis nach Berlin. „Auch ich komme dafür aus meiner Komfortzone und teste meine Grenzen aus“, sagt Büssenschütt, für die Wandern nach eigener Aussage kein Hobby ist.

Die ersten Nebenerscheinungen in Form von Blasen unter den Füßen nach der ersten Woche werden bereits sicht- und spürbar. Start ihres Marsches war am 8. September in Ottersberg, diese Woche ist sie zu Gast im Landkreis Uelzen. Mit Rucksack, Pilgerwagen und Zelt kam Büssenschütt, die sich selbst als „Vollzeitrebellin“ bezeichnet, am vergangenen Wochenende zunächst nach Bohlsen, ehe sie zwei Tage in Uelzen weilte. Gestern ging ihr Weg weiter nach Suhlendorf. Mal komme sie nachts privat unter, mal zelte sie auch. In Uelzen konnte sie das erste Mal während ihrer Tour ihre Wäsche waschen, im Haus von Ingetraud und Manfred Schmäcke, wo sie zwei Nächte schlief. Bei Kaffee und Kuchen ließ es sich gut aushalten in Veerßen. „Ansonsten lebt man unterwegs natürlich reduziert“, sagt die Klimaaktivistin. Den Kontakt zu den Schmäckes hatte Bernd Ebeling von der Bürgerinitiative hergestellt, auch Uelzens Ratsmitglied Ute Altbauer-Kallnischkies (Linke) half vor Ort.

Büssenschütt, die bei einem kleinen Verlag als Assistentin der Geschäftsführung arbeitet, setzt sich für folgende Forderungen an die Politik ein: Politik und Medien sollten die Wahrheit über die drohende Klimakatastrophe sagen, die Verantwortlichen müssten jetzt handeln und es sollte Bürgergremien wie in Irland und Großbritannien geben, sodass mehr direkte Beteiligung der Menschen an der Politik möglich wäre. Dazu hält die Klimaaktivistin der Bewegung Extinction Rebellion unterwegs auch Vorträge, in der ersten Woche waren es bereits drei.

Ihre beiden 16 Jahre alten Töchter engagieren sich bei der Kampagne „Fridays-for-Future“ und unterstützen ihrer Mutter bei ihrem Marsch. Am 7. Oktober ist dann ein Klimacamp mit 6000 Teilnehmern in Berlin geplant mit einer anschließenden Aktionswoche. „Wir sind friedlich und gewaltfrei, setzen uns für zivilen Ungehorsam ein“, sagt die 52-Jährige. In Sachen Donald Trump halte sie es übrigens wie die Aktivistin Greta Thunberg. Büssenschütt: „Mit diesem Mann brauche ich nicht zu reden. Dafür überzeuge ich lieber andere.“

VON TIMO HÖLSCHER

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