Willkommen in Kawusistan

Uelzen: Afghanische „Anarchie“ mit Faisal Kawusi in der Jabelmannhalle

Faisal Kawusi nahm bei seinem Auftritt in der Jabelmannhalle kein Blatt vor den Mund. 
+
Faisal Kawusi nahm bei seinem Auftritt in der Jabelmannhalle kein Blatt vor den Mund. 

Uelzen – Es ist voll in der Jabelmannhalle am Freitagabend, hastig werden noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft.

Zu Gast ist Faisal Kawusi, gebürtiger Afghane, aber aufgewachsen in Deutschland und vielen bekannt durch seine eigene Show bei RTL oder seinen Auftritten bei „Let’s Dance“. Faisal, mit 1,90 Metern Körpergröße und 160 Kilogramm Lebendgewicht ein Pfundskerl im wahrsten Sinne des Wortes, zählt zu der neuen Generation der „Comedians“.

Feinsinniger Humor mit Tiefgang ist seine Sache nicht, es geht gerade heraus, wie der Schnabel gewachsen ist, immer im direktem Kontakt mit seinem Publikum. Als erstes bekommt der Schreiber dieser Zeilen sein Fett weg: „Was läufst du hier vor der Bühne rum und störst mein Programm? Ich komm doch auch nicht in dein Schlafzimmer und störe dich bei deiner Nummer.“ Danach wird der achtjährige Vincent aufgeklärt, dass er an diesem Abend sicherlich ganz viele neue Wörter kennenlernen wird. Weiter geht es mit den Feiermöglichkeiten in Uelzen. „Hofinger“ schallt es aus dem Publikum und „Bermuda Dreieck“. Eine Steilvorlage für Faisal: „Echt, ist das ein Club oder eine Intimrasur?“

Aber es geht auch um gesellschaftliche Unterschiede. Wie sieht der Alltag eines Afghanen in Deutschland aus? Mit welchen Klischees muss er sich immer wieder auseinandersetzen? Hier wird es mitunter schwarzhumorig, böse gar: „Danke Merkel, danke AFD für den deutschen Pass. Wenn es mir schlecht geht, laufe ich zum Flüchtlingsheim, schwenke den Pass und rufe: Nänänänänä.“ Ja, natürlich wählt seine Familie die AFD, aber nur weil alle immer dachten, dass das die Abkürzung für „Afghanen für Deutschland“ sei.

Flüchtlinge gleich nach der Ankunft als Bademeister anstellen? Das geht doch nicht, da fehlt die Kompetenz. Andererseits. Wenn jemand schwimmen kann …

Das grundsätzliche Bild des Deutschen aus dem Blickwinkel eines Afghanen sieht nicht unbedingt vorteilhaft aus: „Ihr seid gar nicht in der Lage Gewalt auszuüben, außer wenn ihr Schlager spielt.“ Aber andererseits: Wären die Deutschen in Afghanistan, würden immerhin 50 Prozent der Autobomben wegen Falschparkens wegfallen und es gäbe ein eigenes Viertel in Kabul mit Helene-Fischer-Museum.

Ganz zum Schluss dann noch ein Satz mit Bezug zum Thema des Programms: „Es gibt einen Ort, der ist immer frei von Anarchie – und das sind unsere Gedanken.“

VON OLIVER HUCHTHAUSEN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare