Nordzucker zieht positive Bilanz des Pilotprojektes auf der Schiene / Ernte überdurchschnittlich

Uelzen: 43.200 Tonnen Zuckerrüben rollen im Zug

Der letzte Zug voller Zuckerrüben ist am Dienstag nach Uelzen gerollt. Insgesamt sind 43 200 Tonnen auf der Schiene befördert worden.
+
Der letzte Zug voller Zuckerrüben ist am Dienstag nach Uelzen gerollt. Insgesamt sind 43 200 Tonnen auf der Schiene befördert worden.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
    schließen

Fast auf den Tag genau nach vier Monaten soll am 18. Januar die Rübenkampagne 2020/21 in der Zuckerfabrik in Uelzen enden.

Uelzen – Für diesen Tag sind die letzten Anlieferungen von Zuckerrüben per Lkw geplant, spätestens zwei Tage danach wird auch die allerletzte verarbeitet worden sein. Und unterm Strich wird man dann bei Nordzucker aus zwei Gründen ein sehr positives Fazit ziehen können.

Volumen auf der Schiene ausbauen

Die Ernte war nach Unternehmensangaben leicht überdurchschnittlich, und das Pilotprojekt zum Rübentransport auf der Schiene aus Schleswig-Holstein hat sehr gut funktioniert. So gut sogar, dass sich Nordzucker grundsätzlich gut vorstellen kann, das Volumen in der Rübenkampagne 2021/22 deutlich zu erhöhen, falls die infrastrukturellen und finanziellen Parameter passen.

Das bekräftigt im Gespräch mit der AZ dann auch Projektleiter Georg Sander, Leiter des Agricenters von Nordzucker in Uelzen. „Die logistische Herausforderung hat beim Verladen in Jübek wie im Hafen in Uelzen funktioniert und war eine sehr positive Erfahrung. Deshalb sind wir mit der Bahn im Gespräch, ob wir das ausbauen und vielleicht sogar die doppelte Menge an Rüben aus Schleswig-Holstein holen können. Denkbar wäre, das auch aus Mecklenburg-Vorpommern zu tun“, so Sander.

Schon in den nächsten Monaten soll die entsprechende Planung abgeschlossen werden, wobei Sander betont: „Die Verlässlichkeit der Bahn muss natürlich gegeben sein, damit uns der Rohstoff Zuckerrübe nicht ausgeht und wir unsere Fabrik herunter- und wieder hochfahren müssen. Wenn wir weniger CO2 in die Luft blasen und Fracht von der Straße auf die Schiene bekommen wollen, brauchen wir zwingend durchgängig ein drittes, wenn nicht gar ein viertes Gleis zwischen Hamburg und Hannover. Da muss die Politik Druck in Richtung Infrastruktur der Bahn machen.“

Die Zahlen, die Sander zum Pilotprojekt per Bahn vorweisen kann, sind beeindruckend: Am Dienstag ist der letzte Zug mit 78 Containern im Uelzener Hafen angekommen. Es war Rübentransport Nummer 27 aus Jübek auf der Schiene. Jeweils 1600 Tonnen Zuckerrüben wurden so befördert – in Summe 43 200 Tonnen. Das entspricht 1630 Lkw-Ladungen. „Damit haben wir rund 650 000 Autobahn-Kilometer vermieden und etwa zehn Prozent aller Rüben aus Schleswig-Holstein per Zug nach Uelzen geholt“, erläutert Sander.

Die Verladung der Container auf sogenannte Lkw-Tragwagen im Hafen in Uelzen klappte in etwas mehr als fünf Stunden, je nach Auslastung der Bahnstrecke war jeder Zug zwischen drei und zwölf Stunden unterwegs. Das alles war in Summe zwar noch etwas teurer als per Lkw, doch auch hier ist man bei Nordzucker zuversichtlich, den Transport weiter optimieren zu können.

Mit den Partnern sehr zufrieden

„Mit der Zusammenarbeit mit unseren Partnern, also der Eisenbahngesellschaft Potsdam und der Hafengesellschaft Uelzen, sind wir sehr zufrieden. Gerne möchten wir die Maximalmengen so weit ausbauen, wie es technisch und logistisch möglich ist. Das ist noch etwas Arbeit, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das hinkriegen. Utopisch ist das nicht, es muss halt alles passen – erste Gespräche haben wir jedenfalls vor Weihnachten geführt“, so Georg Sander.

Gemeinsam mit Dr. Mathias Böker, dem Chef der Nordzuckerfabrik in Uelzen, will Sander nach dem offiziellen Ende der Rübenkampagne die Abschlussbilanz ziehen. Und dann ist schon wieder die Planung am Zug – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare