Bewährungsstrafe: 30-Jährige betrügt Online-Anbieter

Rosa Ballkleid unter falschem Namen

+
Symbolfoto

Uelzen. Über 30 Mal hat eine 30-jährige ehemalige Bad Bodenteicherin im InternetBestellungen aufgegeben – meistens unter Angabe eines falschen Namens.

CDs und DVDs, Wii-Spiele, Bücher, Kaffee, eine Kaffeemühle und ein rosa Ballkleid, jeweils im Wert zwischen 40 und 300 Euro, ließ sie sich liefern, ohne jemals die Rechnungen zu bezahlen. Dafür musste die 30-Jährige sich vor dem Uelzener Schöffengericht verantworten. Das Gericht hat sie nun zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und sich damit für eine höhere Strafe entschieden, als die Staatsanwaltschaft beantragt hatte. In deren Plädoyer war lediglich von acht Monaten die Rede. Dass der Frau nach dem Zeitraum von November 2009 bis Mai 2012 keine weitere Tat mehr nachgewiesen worden war und sie selbst versicherte, seit über einem Jahr keine Betrügereien mehr zu begehen, wurde ihr strafmildernd ausgelegt.

„Ich habe die Bestellungen unter der Bedingung aufgegeben, dass mein ehemaliger Lebensgefährte mich unter Druck gesetzt hat“, sagt die zierliche Frau vor dem Schöffengericht. „Seitdem ich aus Bad Bodenteich von ihm weg bin, ist es dazu nie wieder gekommen.“ Einige Spiele, die sie sich von einem Online-Anbieter zuschicken ließ, benutze derzeit ihre Tochter. „Ich wollte mich mit der Firma in Verbindung setzen, ob ich das noch bezahlen kann“, erklärt die 30-Jährige kleinlaut, die mittlerweile im Raum Hannover wohnt. Alle anderen Lieferungen waren von der Polizei sichergestellt worden.

Mit aufrechter Haltung verfolgt die Angeklagte das Verlesen der einzelnen Vorwürfe. Hin und wieder formt sie einen Spitzmund und vor allem bei einem Punkt verzieht sie das Gesicht – als zwischen den Online-Betrügereien ein anderer Fall herausragt: Sie hat sich von einem Zahnarzt in Uelzen behandeln lassen, er stellte ihr 700 Euro in Rechnung, doch das Honorar blieb sie ihm schuldig. „Diese Höhe fällt etwas aus dem Rahmen“, sagt der Staatsanwalt, denn bei allen anderen Straftaten waren die Einzelbeträge geringer. Zudem gab sie sich sonst bei den Bestellungen als Silvia Meyer, Sarah Schmidt, Zicke 282 oder auch Vanessa Fischer aus. Dass sie eine Lieferung auch mit Pseudonym unterschrieben haben soll, weist sie jedoch strikt zurück. An dem Tag müsse jemand anders im Hause ihres Ex-Partners die Bestellung angenommen haben, vermutet sie. Wenige Anklagepunkte stellt die Staatsanwaltschaft ein, dennoch werden ihr zum Abschluss 21 Betrugsfälle und vier Versuchstaten zur Last gelegt.

Sichtlich nervös angesichts ihrer ersten Verhandlung im Amtsgericht – acht Mal waren gegen sie Strafbefehle auf schriftlichem Wege erlassen worden –, greift sie den Ball des Richters auf: Für die Auflage, 80 Stunden gemeinnützig zu arbeiten, wolle sie sich sogleich selbst eine Einrichtung suchen.

Von Diane Baatani

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare