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Trotz Krisen: Höhere Preise für Häuser im Kreis Uelzen

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Von: Norman Reuter

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Finanzierungsplan Haus Sicherheit
Die Preise für ein Ein- und Zweifamilienhaus im Landkreis Uelzen sind im ersten Halbjahr 2022 noch mal um 10,1 Prozent gestiegen.  © Agenturen

Steigende Preise nicht nur für Gas, eine neue Zinspolitik, fehlende Handwerker. Das alles müsste sich auf den Immobilien-Markt auswirken, müsste man meinen. Aber die Preise für Häuser und Wohnungen sind im Landkreis Uelzen im ersten Halbjahr 2022 weiter gestiegen.

Uelzen/Landkreis – Wer in den zurückliegenden sechs Monaten eine Wohnung oder ein Haus im Landkreis Uelzen erwarb, musste noch einmal tiefer ins Portmonee greifen: Die Preise für Wohn-Immobilien sind im ersten Halbjahr weiter gestiegen. Damit hat sich der Trend der Vorjahre fortgesetzt.

Die Notare melden die Verkaufspreise für die Region, der Gutachter-Ausschuss für Grundstückswerte (GAG) Lüneburg sammelt und wertet sie zu Transparenzwecken aus. Laut einer jetzt von ihm vorgelegten Halbjahresbilanz stiegen die Preise zwischen Januar und Ende Juni demnach im Landkreis Uelzen um 9,3 Prozent.

Im Detail sind sogar zweistellige Werte zu finden. So verteuerten sich laut Gutachter-Ausschuss die Ein- und Zweifamilienhäuser um 10,1 Prozent. Und dies trotz eines „unüberschaubaren Marktumfeldes“, wie es der Gutachter-Ausschuss formuliert.

Die Stichworte hier sind: Der Angriff Russlands Ende Februar auf die Ukraine, damit galoppierende Preise für Gas, eine Inflation sowie Lieferprobleme und Handwerker-Mangel als Folge der Corona-Pandemie. Zumindest bis Ende Juni ließ sich für die Region noch nicht ablesen, dass dies maßgebliche Folgen für den Immobilien-Markt hatte, zumindest nicht bei der Preisentwicklung, die weiter nach oben ging. Eine Entwicklung, wie sie seit 2004 zu erleben ist.

Uelzens Nähe zu Hamburg und die gute Anbindung zur Metropole, Stichwort HVV-Tickets, könnten sich noch einmal mehr bemerkbar gemacht haben, meint Peter Wesnigk. Zumal in der Pandemie das Arbeiten von Zuhause eine größere Bedeutung bekommen hat. Wer in Hamburg oder Hannover seine Arbeitsstelle hat, muss nicht zwingend jeden Tag pendeln.

So lebt es sich gut auf dem Land. Es bleibe aber abzuwarten, wie sich die Pandemie und die Spritpreise weiter entwickelten, meint Peter Wesnigk, Vorsitzender des Gutachter-Ausschusses Lüneburg. Dann würde das Pendeln für die Arbeitnehmer möglicherweise doch zu einer dauerhaft teureren Angelegenheit.

Im Vergleich zu Nachbarlandkreisen – Harburg (8,3 Prozent), Lüneburg (7,2 Prozent) und Lüchow-Dannenberg (6,0 Prozent) hat Uelzen mit 9,3 Prozent den stärksten Schub hingelegt. Uelzen komme aber, so Wesnigk, von grundsätzlich einer niedrigeren Basis und hole jetzt weiter auf. Nach wie vor sei Uelzen dabei im Vergleich zu anderen Gebieten im Speckgürtel Hamburgs immer noch günstiger, was den Immobilienmarkt betreffe. Hier gebe es für Familien, die sich beispielsweise in Harburg und Lüneburg Wohneigentum nur noch schwer leisten könnten, akzeptable Preise.

Der Halbjahresbilanz ist auch zu entnehmen, dass in den ersten sechs Monaten im Nordosten insgesamt weniger Immobilien den Besitzer wechselten. Waren 2021 im ersten Halbjahr für den Landkreis 700 Kaufverträge festgehalten worden, waren es jetzt 618.

Ein Hinweis auf ein vorsichtigeres Verhalten der Menschen, was langfristige Bindungen betrifft? Das müsse nicht zwingend der Fall sein. Es stelle sich die Frage, wie viel Immobilien für den Markt angeboten würden, erklärt Wesnigk.

Die Frage, die sich auch der Gutachter-Ausschuss stellt: Wie gestaltet sich der Immobilien-Markt in den nächsten Monaten? Die Europäische Zentralbank hat im Juli den Leitzins angehoben, damit eine neue Zinspolitik eingeläutet. Geld zu leihen, wird damit wieder teurer. Unklar ist auch, wie sich die Gasversorgung über den Winter gestalten wird. „Wenn die Abrechnung im neuen Jahr kommt, wird der eine oder andere schlucken“, ist Wesnigk überzeugt. Die weitere Entwicklung sei abzuwarten.

In der Halbjahresbilanz kommt der Gutachter-Ausschuss zum Ergebnis: „Das in vielen Veröffentlichungen der letzten Wochen zum Thema Immobilienmarkt prophezeite Ende der Boom-Dekade mit anhaltend steigenden Preisen für Wohnimmobilien, kann durch die Daten aus tatsächlichen Kauffällen für den Bereich des GAG Lüneburg derzeit nicht abgeleitet werden.“

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