Landwirte verbrauchen mehr als die doppelte Jahresberegnungsmenge – trotzdem Ertragseinbußen von 30 bis 50 Prozent

Ein Tropfen auf den heißen Sand

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Die Trockenheit zwang die Landwirte in diesem Jahr zu intensiver Beregnung. So wurde im Kreis Uelzen mehr als die doppelte im Kontingent festgelegte Wasserjahresmenge verbraucht. Trotzdem fiel die Ernte vielerorts mau aus.

Uelzen/ Landkreis. Rund 70 bis 90 Millimeter pro Quadratmeter: Das ist die durchschnittliche Menge, die die Landwirte im Landkreis Uelzen beregnen dürfen.

Angesichts der anhaltenden Trockenheit und den Rekordtemperaturen, die in diesen Tagen ihren Höhepunkt erreichen, ist diese Zahl in diesem Jahr wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Da sind wir in diesem schon weit drübergeschossen“, sagt Jörg Martens, stellvertretender Geschäftsführer und Verbandsingenieur des Bewässerungsverbandes Uelzen. Zum Teil seien bereits jetzt – Ende Juli – weit über 200 Millimeter verregnet worden, heißt es auf AZ-Anfrage aus der Landwirtschaftskammer.

Die Folgen des Extremwetters könnten durchaus existenzbedrohend sein. Denn: Das Wasserkontingent, das jeweils nach Bodenwertpunkten berechnet wird, wird als gleitende Zehn-Jahres-Menge vergeben. Bei einer Überschreitung der Menge drohen saftige Ordnungsgelder. „Wir schlittern da in eine wirklich kritische Situation“, warnt deshalb Martens.

Obwohl im vergangenen Sommer so gut wie gar nicht bewässert wurde, dürfe sich ein trockener Sommer wie dieser deshalb nicht wiederholen. Zumal Ordnungsgelder nicht die einzigen Konsequenzen sind. „Die Landwirte müssten ihre Bewässerungsmenge stark eingrenzen“, erklärt Martens. Ein Anbau – etwa von Getreide – könnten sich so eventuell nicht lohnen, ein Jahr eventuell sogar zum Totalausfall werden. „Das kann dann den wirtschaftlichen Tod bedeuten“, weiß der Verbandsingenieur.

Zumal die Situation in diesem Jahr schon einer kleinen Katastrophe gleicht. „Wenn man die älteren Bauern fragt, haben sie so etwas das letzte Mal 1959 erlebt“, schildert der Ebstorfer Landwirt Ulli Fellersmann. Die Beregnung hat aufgrund der Extremtemperaturen und der Trockenheit vielerorts kaum etwas gebracht, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. „Viel Geld und viel Arbeit – alles umsonst“, weiß auch Kreislandwirt Thorsten Riggert aus Kl. Süstedt. So haben die Landwirte im Kreis bei der nun abgeschlossenen Getreide- und Rapsernte trotz der intensiven Bewässerung mit Ertragseinbußen von 30 bis 50 Prozent zu kämpfen, informiert Riggert. All das, nachdem schon im vergangenen verregneten Jahr wegen der Nässe viel Geld verloren ging. „Das ist dann schon dramatisch“, sagt Riggert.

Bei der Rüben- und Kartoffelernte wird es sich wohl kaum wesentlich anders verhalten. Fellersmann geht bei den Spätkartoffeln von einer schmalen Ernte aus. „Da werden die Preise dann wohl steigen“, prophezeit er.

Beinahe noch kritischer sieht es in der Viehhaltung aus. „Die Futterknappheit ist extrem“, weiß Thorsten Riggert. Es würden etwa 80 Prozent Grünland-Ertrag fehlen. Da die Situation für ganz Deutschland gilt, könne Futter auch nicht ohne Weiteres kostengünstig eingekauft werden. Vielerorts müssten Tierhalter deswegen zu radikalen Methoden greifen und Tiere, die sie nicht ernähren können, vorzeitig schlachten lassen. Um die Tiere wenigstens über den Winter zu bringen, sei man im Landkreis dazu übergegangen, auf den abgeernteten Feldern jetzt noch Futterpflanzen anzubauen. Aber auch dafür ist Beregnung nötig.

Diese soll nach Möglichkeit abends oder in den Nachtstunden erfolgen, informiert Jörg Martens. „Nachmittags ist die Bewässerung aufgrund von Verwehungen und zu starken Verdunstungen nur wenig effizient“, erklärt der Fachmann. Die Landwirte im Kreis Uelzen kämen dieser Empfehlung aber in den meisten Fällen von sich aus und sowieso schon nach. Ein Bewässerungsverbot für die Zeit zwischen 12 und 18 Uhr, wie es in anderen Kreisen praktiziert wird, sei hier deshalb nicht notwendig.

Von Steffen Schmidt

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