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Uelzen: Trinkgelage mündet in Todesangst – 44-Jähriger soll massiv gewürgt worden sein

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Von: Lars Becker

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Angeklagter in Handschellen
Der jüngere der Angeklagten wird in Handfesseln aus der Untersuchungshaft in Lüneburg in den Uelzener Gerichtssaal gebracht. Er soll das Opfer gewürgt und ihm mit einer Kopfnuss die Nase gebrochen haben. © imago images

Noch ist das Urteil nicht endgültig gefallen, doch die Vorwürfe gegen die beiden Angeklagten am Amtsgericht sind schwerwiegend.

Uelzen – Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Uelzen müssen sich jetzt zwei bereits früher polizeilich in Erscheinung getretene Männer aus der Hansestadt (31/42) wegen Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl und Wohnungseinbruch verantworten.

Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, am 2. Januar dieses Jahres zunächst einen Saufkumpanen im Rahmen eines Trinkgelages in dessen Wohnung gewürgt und ihm die Nase gebrochen zu haben. Zudem sollen sie einem Taxifahrer, der die Beförderung des betrunkenen Duos ablehnte, einen Rucksack gestohlen haben und wenig später in das Haus und in die Wohnung ihres Opfers eingebrochen sein, um Wertgegenstände zu entwenden. Zu diesem Zeitpunkt wurde der 44-Jährige gerade im Krankenhaus ärztlich versorgt.

Zehn Zeugen vernimmt das Schöffengericht unter dem Vorsitz des stellvertretenden Amtsgerichts-Direktors Rainer Thomsen, zwei Sachverständige sind ebenfalls ins Verfahren involviert.

Der jüngere Angeklagte, der den 44-Jährigen massiv gewürgt und ihm eine Kopfnuss verpasst haben soll, wird in Handschellen aus der Untersuchungshaft in Lüneburg vorgeführt. Den älteren will die Polizei von zu Hause abholen, trifft ihn aber nicht an. Mit knapp zehn Minuten Verspätung taucht der Mann aber doch noch auf, als das Gericht schon die Abtrennung des Verfahrens erwägt.

Weil auch das Opfer – nach eigenen Angaben seit 22 Jahren Alkoholiker – nicht gerade als zuverlässig in Sachen Erscheinen vor Gericht gilt, klingelt bei ihm die Polizei und nimmt ihn mit zum Gericht. „Wenn man den ganzen Tag mit drei Promille rumläuft, hat man keine Schmerzen“, sagt der Mann auf die Frage, ob er durch den Angriff neben einer leichten Schiefstellung der Nase weitere körperliche Folgeschäden erlitten hat.

Psychisch hat er den Vorfall indes wohl noch nicht verarbeitet: Drei Wochen lang musste er nach eigenen Angaben in der Psychiatrischen Klinik Uelzen behandelt werden. Seine alte Wohnung hat er nur noch einmal in Begleitung eines Helfers betreten, um persönliche Dinge abzuholen. „Ich dachte, ich sterbe“, sagt der emotional aufgeladene Mann.

Beide Angeklagte, die damals zusammen wohnen, machen beim Prozessauftakt nur vage Angaben. Es sei viel Wodka und Bier geflossen, an den Tagen zuvor über den Jahreswechsel haben man auch zusammen gekifft. Am 2. Januar hätten sie an einer Tankstelle an der Tile-Hagemann-Straße Schnaps und Bier gekauft und „ordentlich gebechert“, seien dort auf das spätere Opfer gestoßen. In dessen Wohnung in einem „berüchtigten“ Haus an der Reithausstraße – der 44-jährige nennt es sogar „Assi-Haus“ („Da knallt es den ganzen Tag!“) – muss die Situation dann eskaliert sein. „Aus dem Nichts“, wie das Opfer sagt.

Der Prozess soll am Donnerstag, 27. Oktober, mit den Gutachten der beiden Sachverständigen zur Frage der Schuldfähigkeit und Unterbringung der Angeklagten in einer Entziehungsanstalt fortgesetzt werden. Nach den Plädoyers soll dann auch noch das Urteil fallen.

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