Wandel im Landmaschinen-Handwerk: Vom Grasmäher zum Rübenroder

Traktoren als Maßstab

Für Heinrich Meyer ist die Straßenverkehrszulassungsordnung die Grenze für die Landmaschinen.

Uelzen. „Die Traktoren sind seit jeher der Maßstab für die Entwicklung der Landmaschinen-Technik“, bestätigt Heinrich Meyer, der bis zu seinem Ruhestand den vom Großvater gegründeten Traditionsbetrieb für Landmaschinentechnik in Groß Liedern leitete.

Rund die Hälfte des jährlichen Ertrages musste der Bauer, der höchstens bis zu 15 Hektar alleine bearbeiten konnte, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts an sein Pferd verfüttern. Doch schon bald führten die Anstrengungen der Landwirtschaft den zunehmend steigenden Bedarf an Lebensmitteln durch Ertragssteigerungen zufriedenstellen zu können, zur technischen Entwicklung von Zugfahrzeugen, die das Pferd ersetzten. Bis Schwengel und Deichsel wegfielen, gingen Schmied, Schlosser und Stellmacher, der Fachmann für Räder, Wagen dem Landwirt bei der Reparatur seiner Geräte auf dem Hof zur Hand.

Mit acht Pferdestärken rollte 1922 der erste Schlepper auf den Acker und zog eine rasante technische Entwicklung nach sich. Bis es 1941 zur Gründung des Landmaschinenhandwerks kam, fuhren die Schlepper schon mit 19 Pferdestärken über die Felder und Straßen des Landkreises, erzählt Heinrich Meyer, dessen Großvater Deutschlands erster Reichs-Innungsobermeister des Landmaschinenhandwerks war, das fortan alle Betriebe des Landmaschinenreparaturwesens unterschiedlicher Gewerke, umfasste. „In Wellen“, so Heinrich Meyer, habe sich der rasante Fortschritt der Technik vollzogen. Die kontinuierlich steigende Zahl der Pferdestärken bei den Schleppern forderte die technische Weiterentwicklung und damit eine zunehmende Mechanisierung landwirtschaftlicher Geräte, die den starken Schleppern standhalten konnten. Der Experte Meyer kann fast jeder Jahreszahl ein neues Gerät hinzufügen. So ging es das ganze Jahrhundert vom dem Grasmäher folgte der Bindemäher, der sich zwischenzeitlich zum Rundballenpresser entwickelte, der Kartoffel-Schleuderrad-Roder entwickelte sich Jahrzehnte später zum Kartoffelvollernter und aus dem einreihigen Rübenroder von einst wurde erst der mehrreihige Rübenroder, der sich dann zum mehrreihigen Rübenvollernter entwickelte. Aufgrund des niedersächsischen Höferechts gab es in Niedersachsen auch ausreichend große Betriebe

Heute lernen die künftigen Landmaschinenmechaniker sowohl die Grundlagen der Metalltechnik, arbeiten an der Drehbank, kennen verschiedene Schweißsysteme und Löttechniken, aber auch komplizierte Elektrosysteme. Sie kennen sich mit Hydraulik und Pneumatik aus und die Computertechnik hat Einzug gehalten in die inzwischen gebräuchlichen Landmaschinen. Unsere Fachkräfte müssen die Abläufe der Maschinen kennen. Beregnungsanlagen, Frontlader, Allradantrieb – stetig entwickelt die fortschreitende Technik sich weiteren Komfort.

Einen wesentlichen Vorteil genießt die Region Uelzen seit die verschiedenen Innungen eine gemeinsame Lehrwerkstatt eingerichtet haben, berichtet Heinrich Meyer, der die hochwertige Ausbildung des Fachkräftenachwuchs als klaren Wettbewerbsvorteil für die gesamte Region wertet.

Wegen des niedersächsischen Höferechts blieben in Niedersachsen große Höfe erhalten, so dass Investitionen in innovative Technik sich zu jeder Zeit wirtschaftlich rechtfertigen ließen. Die wirtschaftliche Bearbeitung erhält einerseits die Lebensmittelpreise stabil, andererseits fördert die Nachfrage wirtschaftlich arbeitender Geräte die Entwicklung der Technik. Inzwischen arbeiten die landwirtschaftlichen Betriebe nicht mehr nur mit überdimensionierten, sondern mit „riesenhaften“ Bodenbearbeitungsgeräten. Inzwischen ist alles denkbar aber eine weitere Entwicklung sieht Meyer durch die Straßenverkehrszulassungsordnung beschränkt.

Von Angelika Jansen

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