Fast alles ohne Strom

Die Toten Hosen kommen mit starkem Album nach Uelzen

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Die Toten Hosen gehen mit ihrem neuen Album „Alles ohne Strom“ auf Tour. Eine Station ist Uelzen. Die Festivalbecher liegen bereit.

Uelzen – Wie seit einigen Wochen bekannt ist, werden die Düsseldorfer Punk-Legenden „Die Toten Hosen“ beim Uelzener Open R in diesem Jahr auftreten.

Anders als sonst, bestimmen am Donnerstag, 27. August, jedoch nicht kreischende E-Gitarren das Klangbild, sondern Bläser, Streicher, ein Akkordeon sowie zusätzliche Percussions unterstützen die Band bei einem Akustik-Set. Die AZ hörte jetzt mal in das aktuelle Album zur gleichnamigen „Alles ohne Strom“-Tour rein.

Bereits 2005 veröffentlichten die Rheinländer ein „Unplugged“-Album mit dem Titel „Nur zu Besuch“. Tatsächlich gibt es nur einen Song, der auf dem aktuellen Werk erneut vertreten ist: „Hier kommt Alex“ – und das hat seinen Grund. Die anderen 20 Lieder setzen sich aus neu arrangierten Stücken bereits erschienener Alben, Cover-Versionen und vier bisher unveröffentlichten Kompositionen zusammen.

Eine große Frage, die sich in Bezug auf das Konzert stellt, ist wohl folgende: Kann ein Open Air überhaupt ohne Strom auskommen? Das wird auf der Scheibe gleich im zweiten Track beantwortet, wo es im Hosen-Klassiker „Strom“ selbstironisch heißt: „…und alles fast ohne Strom.“ Mikrofone kommen nämlich zum Einsatz.

Das Album, das genau genommen ein Live-Album ist, wurde am 13. und 14. Juli in der Düsseldorfer Tonhalle mitgeschnitten und stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass „Unplugged“ keineswegs leise sein muss. Die Band büßt nichts von der Durchschlagskraft ein, die sie sonst mit elektrischer Unterstützung auf die Bühne bringt – nicht zuletzt aufgrund der Gastmusiker, welche das Ensemble auf 16 Köpfe anwachsen ließen.

Diese „Big Band“ interpretiert nun einige Klassiker, wie „Liebeslied“ und „Paradies“, auf eine wunderbare Art neu. Auch die Cover-Versionen können sich hören lassen. Zum Beispiel „Ohne Dich“ von den „hochgeschätzten Kollegen“ (Campino) der Gruppe Rammstein. Doch auch im Ausland bedienen sich die Hosen. „Everlong“ von den Foo Fighters verlangt den Musikern alles ab – doch diese liefern ohne Probleme.

Die neuen Songs behandeln die Liebe („Kamikaze“), das Leben („Feiern im Regen“, „Sorgenbrecher“) – und auf bedrückende Art in „Schwere (-los)“ die Gedanken einer (fiktiven) Frau, die den Holocaust überlebt hat. Trotz der speziellen Umsetzung hört man sofort, aus wessen Feder die Lieder stammen. Gegen Ende kommt dann noch Alex – in der Laune machenden Spezial-ZZ-Top-Version, bevor das Album mit dem Superhit „Tage wie diese“ schließt.

Fazit: Fünf von Fünf Akustik-Klampfen. Diese LP steigert die Vorfreude auf ein schönes Open R in der Hansestadt. Und wenn die Sonne nicht scheint, dann wird’s eben „Feiern im Regen“.

VON ANDREAS URHAHN

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