Abschied in Würde

Tobias-Gemeinschaft setzt Verstorbene in Uelzen auch ohne Angehörige bei

Würdevolle Beisetzung: Pastorin Astrid Neubauer streut Sand in die Gräber auf dem Uelzener Friedhof.
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Würdevolle Beisetzung: Pastorin Astrid Neubauer streut Sand in die Gräber auf dem Uelzener Friedhof.

Uelzen – Es ist dann das, was man eine würdevolle Beisetzung nennt. Nah an der Kapelle auf dem Uelzener Friedhof werden die beiden Urnen, eine blau, eine grau, in der Erde versenkt. Gleich zwei Pastoren sprechen einige Worte zum Geleit.

Die Trauergemeinde betet das Vaterunser. Und Sand wird in die kleinen Gräber gestreut.

Für die Verstorbenen werden Plaketten an einem Baumstamm angebracht.

Bald werden Barbara Niescior und Helga Strauß auch eine Plakette bekommen auf dem Baumstamm, der das Areal zu einer Seite hin begrenzt. 78 und 81 Jahre alt sind die beiden Damen geworden. Und weil es keine bestattungspflichtigen Angehörigen für die beiden gibt, hat die Tobias-Gemeinschaft die Aufgabe übernommen, die am 1. Juni und 12. Juli Verstorbenen zu verabschieden. „Wer in Uelzen gelebt hat, soll auch hier seine letzte Ruhe finden“, sagt Diakonie-Pastor Florian Moitje bestimmt, von dem die Initiative zur Gründung der Tobias-Gemeinschaft in Uelzen ausging. „Auch wenn wir über ihr Leben wenig oder fast gar nichts wissen“, sagt Moitje, soll doch das Andenken an die Toten bewahrt werden. Ob mittellos oder ohne Angehörige – eine Trauergemeinde soll Abschied nehmen können.

Und so hat es zum zweiten Mal eine solche Beisetzung auf dem Uelzener Friedhof gegeben. Im Juni waren vier Menschen beerdigt worden. Und im Dezember soll eine erneute Bestattung folgen.

Es ist Pastorin Astrid Neubauer, die für die Trauerfeier in der Kapelle aus der Lebensgeschichte der Verstorbenen vorträgt. Einige Nachrichten über die Toten hätten sie erreicht, sagt sie. So wurde etwa Helga Strauß in Berlin als eines von drei Kindern geboren. Sirenen und Bomben bestimmten die Kindheit im Zweiten Weltkrieg, die Tuberkulose schädigte die Lunge lebenslang. Sie lebte zuletzt im Betreuten Wohnen der Diakonie in Ebstorf. Barbara Niescior wiederum lebte, in Masuren als Barbara Lewandowska geboren, ein halbes Leben lang in Uelzen und hatte den Tod ihres Ehemanns Helmut 2015 nie verwinden können. Sie verstarb zu Hause.

So ist auch bei dieser Beerdigung eine kleine Gemeinde zusammengekommen, die Abschied nimmt. Denn die Tobias-Gemeinschaft kann sich auf viele Schultern stützen. So ist unter anderem der Hospizverein beteiligt, die Stadt Uelzen ist sehr engagiert, wie Moitje sagt, der Kirchenkreis, der Friedhof, das Heiligen Geist Stift und das Trauernetzwerk.

„Als Christen vertrauen wir darauf, dass sie nicht allein gegangen sind“, sagt Neubauer in der Kapelle. „Gott schenkt den beiden das ewige Leben.“ Dann geht es hinaus zur Beisetzung. VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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