"Katzen-Katastrophe" im Tierheim

Tierschützer retten 21 verwahrloste Katzen

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Das Fell vom Leib gekratzt, weil der Körper von Flöhen übersät war: In jämmerlichem Zustand vegetierten rund 20 Katzen und Kater – überwiegend unkastriert – in dem verdreckten Wohnzimmer ihrer Besitzer vor sich hin.

Uelzen. „So lange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken". Dass an diesem Leitspruch, den sich auch der Tierschutzverein Uelzen zu Eigen gemacht hat, viel Wahres ist, mussten dessen Ehrenamtliche einmal mehr in diesen Tagen erleben.

Aus einer Wohnung in einem Ort des nördlichen Landkreises Uelzen retteten die Tierschützer jetzt 21 Katzen, die teils in erbärmlichem Zustand waren.

Den Helfern rund um Kristin Zangi vom Tierheim Uelzen und Veterinären des Landkreises bietet sich vor Ort ein Bild der Verwahrlosung: In einem völlig verdreckten Wohnzimmer mit kotbeschmierten Wänden hausen die Tiere – gemeinsam mit den menschlichen Besitzern. Viele der Vierbeiner sind viel zu mager, manche haben sich durch massiven Flohbefall bereits blutig gebissen und das Fell vom Leib gekratzt.

„Das ist Stress pur für die Katzen, weiß Kristin Zangi, „die konnten gar nicht mehr schlafen.“ Denn vor lauter Kratzen und Lausen sind die Samtpfoten nicht mehr zur Ruhe gekommen. „Und wenn man weiß, was Katzen für ein Schlafbedürfnis haben, dann kann man sich vorstellen, was diese Tiere schon längere Zeit durchgemacht haben müssen...“

Vermutlich ist der Besitzerin das Züchten von sogenannten Türkisch-Angora-Katzen mit der Zeit entglitten, glaubt Kristin Zangi. Als aus der Nachbarschaft jemand Anzeige gegen sie erstattete, meldete sich ihr Mann bei der Katzenhilfe Wendland und kündigte an, einige Katzen abgeben zu wollen. Während der Mann bei der Rettungsaktion der Tierschützer irgendwie erleichtert schien, habe seine Frau, die Katzenbesitzerin, das Geschehen fast wortlos verfolgt, erinnert sich Kristin Zangi.

Sie und die anderen Ehrenamtlichen des Tierschutzvereins Uelzen haben es nicht selten erlebt, dass hinter solch tierischem Leid oft auch ein psychisches Leiden des Menschen steht. In besagtem Fall hatten nicht nur die 21 Katzen unter den Missständen zu leiden, sondern auch noch ein Hund. Der hatte vom massiven Flohbefall ebenfalls schon kahle Stellen am Körper.

„Jedes Jahr eine Katzen-Katastrophe“, schüttelt Kristin Zangi den Kopf über die erschütternde Regelmäßigkeit, mit der die ehrenamtlichen Tierschützer mittlerweile mit derlei Extremfällen konfrontiert werden. Erst im vergangenen Jahr hatten die Ehrenamtlichen, wie berichtet, mehr als 40 verwahrloste Katzen aus einem Haushalt in Uelzen gerettet. Damals wie heute stoßen die Tierschützer nicht nur an räumliche Grenzen, wenn es um die Unterbringung der Vierbeiner geht, sondern auch an emotionale.

Die 21 jetzt geretteten Katzen und Kater – darunter einige besonders empfindliche weiße Exemplare – sind auf drei Pflegestellen verteilt und im Tierheim untergebracht worden. Trotz ihres jämmerlichen Zustands haben die meisten von ihnen das Vertrauen in den Menschen nicht ganz verloren. „Bei denen, die ihr Fell verloren haben, wächst schon wieder der erste Flaum“, freut sich Kristin Zangi über erste Besserungen. „Und einer, den es besonders erwischt hatte, gibt schon wieder ,Köpfchen’...“

Wer den Katzen und Katern ein Zuhause geben kann und möchte, melde sich beim Tierheim: Telefon (05 81) 1 51 70.

Von Ines Bräutigam

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