Wolfsrisse: Interessengemeinschaft schreibt ans Umweltministerium

Tierhalter fordern mehr

stk Uelzen/Landkreis. Mit einem Biss in die Kehle tötet der Wolf seine Beute – und erzeugt einen Behördenvorgang, wenn es sich beim Opfer um ein Nutztier handelt.

Seit November 2008 registriert der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLKWN) alle Fälle, in denen ein Wolfsriss vermutet wird. Die Interessengemeinschaft der Weidetierhalter (IG) Nordostniedersachsen beklagt die steigende Zahl an Tierverlusten. Sie hat jüngst einen Katalog mit Forderungen ans Umweltministerium geschickt.

138 Positionen umfasst die Liste der Nutztierrisse, die im Internet einsehbar ist, inzwischen, und sie verzeichnet, ob es sich um einen Wolfsriss handelte oder Hunde angegriffen haben. Seit Januar enthält sie aus dem Kreis Uelzen die Nummern 100 (3. Januar, Schatensen: zwei Lämmer, kein Wolf), 129 (8. April, Hösseringen: drei Schafe, drei Lämmer fehlen) und 130 (9. April, Wichtenbeck: zwei Schafe, zwei Lämmer fehlen). Die letzteren Fälle werden noch bearbeitet. Voraussetzung für Entschädigungen ist ein Gentest.

„Der Schutz der Rechtsgüter Leben, Gesundheit, Eigentum sind dem Wolfsschutz übergeordnet“, heißt es in dem Schreiben der IG Weidetierhalter. Sie verlangen einen garantierten Rechtsanspruch auf Entschädigung. Und diese müsse dem Marktwert entsprechen. Bislang spricht das Land von einer Billigkeitsleistung.

Auch die Fördermittel für Schutzzäune und andere Maßnahmen reichen den Weidetierhaltern nicht. Für sämtliche durch die Rückkehr des Wolfs erzwungenen Präventionsmaßnahmen müsse es finanziellen Ausgleich geben.

Aus Sicht der Interessengemeinschaft muss das Land darüber hinaus auch für Folgeschäden haften, etwa wenn Herden in Panik ausbrechen. Zu den Folgen zählt der Verein auch wirtschaftliche Schäden für die Tourismusbranche.

Schließlich fordern die Weidetierhalter eine „lageangepasste“ Lockerung des strengen Schutzstatus’ des Wolfs. Wesensauffällige Wölfe müssten entnommen werden. Insbesondere Tiere aus dem Rudel vom Truppenübungsplatz Munster scheinen die Scheu vor dem Menschen verloren zu haben (AZ berichtete).

Die IG geht weiter. Sie fordert die Tötung von „Beutespezialisten“ – Wölfen, die sich auf Schafe spezialisieren und lernen, Elektrozäune zu umgehen. Dabei geht den Weidetierhaltern Tötung ausdrücklich vor Vergrämung.

Das Tierschutzgesetz müsse auch auf den Wolf angewandt werde. Angefahrene Wölfe sollten deshalb schnellstmöglich durch Polizisten, Jäger oder Tierärzte von ihren Leiden erlöst werden.

Von Gerhard Sternitzke

Rubriklistenbild: © dpa

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