Bis zu ein Prozent der Männer haben auf Kinder gerichtete Fantasien / Lüneburg unterstützt anonymes Angebot

Therapie schützt Kinder vor Pädophilen

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Der Fall des SPD-Politikers Sebastian Edathy, der Bilder nackter Kinder bestellte, warf ein Schlaglicht auf das Problem der Pädophilie.

Lüneburg/Landkreis. Manche Erwachsene fühlen sich stärker von Kindern angezogen, als ihnen lieb ist: Bis zu ein Prozent der Männer hat wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien.

Um Kindesmissbrauch als Folge wirksam zu verhindern und Männern mit pädophilen Neigungen ein anonymes Therapieangebot zu eröffnen, unterstützt der Landkreis Lüneburg das Projekt „Dunkelfeld – Kein Täter werden“ der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Das Projekt nimmt sich der Problematik von Männern an, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. „Betroffene können sich anonym an die MHH wenden“, sagt Martin Wiese, Fachbereichsleiter Soziales beim Landkreis Lüneburg. „Mit den Therapeuten von ‚Dunkelfeld‘ erarbeiten sie Möglichkeiten, mit ihrer Neigung umzugehen.“ Ziel ist es, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder zu begehen und den Konsum von kinderpornografischem Material zu unterlassen.

Nicht einbezogen in das Therapieprogramm werden Personen, gegen die aktuell wegen möglicher Straftaten ermittelt wird, die ihre Strafe nicht vollständig verbüßt haben oder deren Urteil Auflagen beziehungsweise Bewährung beinhaltet, betont der Landkreis in einer Pressemitteilung. Im Einzelfall kann der Landkreis die Fahrtkosten nach Hannover übernehmen. Auch das geschieht in einem anonymisierten Verfahren.

Um möglicherweise betroffene Männer in ihrem Umfeld auf das anonyme Angebot aufmerksam zu machen, bindet der Landkreis Kindertagesstätten, Schulen, Sportvereine und viele andere Einrichtungen mit ein und bittet sie darum, Flyer auszulegen und Plakate aufzuhängen.

Viele Betroffene sind sich der Problematik bewusst und wollen mit ihrer sexuellen Vorliebe nicht leben: „Diesen Menschen möchten wir die Nachricht überbringen: Es gibt Hilfe. Damit schützen wir auch die Kinder und Jugendlichen im Umfeld potenzieller Täter“, so der Fachbereichsleiter.

Wer selbst unter pädophilen Neigungen leidet, bekommt Hilfe beim Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Sexualmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover. Eine Telefon-Hotline ist dienstags und donnerstags jeweils von 9 bis 11 Uhr sowie mittwochs in der Zeit von 15 bis 17 Uhr unter der Rufnummer (05 11) 5 32 80 52 für Betroffene da. Weitere Informationen zum Projekt Dunkelfeld gibt es im Internet unter www.kein-taeter-werden.de.

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