Expertin warnt, dass viele Menschen die Auswirkungen von Schmerzmitteln unterschätzen

Im Teufelskreis

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„Leider wird oft von der Werbung vermittelt, dass diese Medikamente kaum Nebenwirkungen haben“, sagt Dr. Ulrike Buck über rezeptfreie Schmerzmittel. Die Arzneien können etwa zu Organschäden führen. 

Uelzen/Landkreis. Die Sucht nach Schmerzmitteln hat in den vergangenen Jahren auch in Deutschland zugenommen, sagt Dr. Ulrike Buck, Chefärztin der vollstationären psychiatrischen Klinik am Stadtwald in Uelzen.

Dr. Ulrike Buck

„Wir haben zwar noch keine amerikanischen und kanadischen Verhältnisse. Aber insgesamt berichten viele Kollegen von einer Zunahme der Fälle“, sagt sie. In den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg sei es zwar bisher noch zu keinen auffälligen Steigerungen gekommen. Ulrike Buck sieht aber einen teils sorglosen Umgang der Menschen mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Aspirin und Paracetamol. Viele seien sich der Nebenwirkungen der Arzneien nicht bewusst.

„Leider wird oft von der Werbung vermittelt, dass diese Medikamente kaum Nebenwirkungen haben“, kritisiert sie. Dabei können die Medikamente laut der Expertin Herz-, Leber- und Nierenschäden verursachen. Andere, die regelmäßig dreimal oder häufiger pro Woche Schmerzmittel nehmen, können auch einen chronischen Kopfschmerz entwickeln, der wiederum dazu führt, dass die Dosierung der Schmerzmittel immer höher wird – ein Teufelskreis. Wer keine Woche ohne die Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln mehr überstehen könne, solle sich unbedingt Hilfe suchen.

Hauptrisiko für eine Sucht nach Schmerzmitteln sind für Ulrike Buck orthopädische Leiden wie Bandscheibenvorfälle oder auch Krankheiten wie Rheuma. „Die Lösung kann nicht sein, einem 40-Jährigen für den Rest seines Lebens Morphine zu verschreiben“, sagt sie.

Solchen Patienten müsse man mit einer viele Facetten umfassenden Schmerztherapie helfen, um den Einsatz von Schmerzmitteln so gering wie möglich zu halten. Dazu gehörten etwa Akupunktur, Bewegungstherapie und andere therapeutische Ansätze, mit denen man in der psychiatrischen Klinik am Stadtwald etwa auch Schmerzmittelabhängige stationär behandele. „In der Palliativmedizin etwa bei Krebspatienten ist die Schmerzmittelgabe aber essenziell“, sagt Ulrike Buck.

Das jemand süchtig nach morphinhaltigen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist, ist für den Laien nicht leicht festzustellen. „In der Regel vertragen Patienten die Medikamente gut und es gibt kaum sichtbare Auswirkungen“, sagt die Chefärztin. Verwirrtheit und ein unsicherer Gang – wie bei einem Betrunkenen – könnten aber Hinweise auf eine Morphinsucht sein. „Meist fällt eine solche Sucht aber erst auf, wenn zum Beispiel jemand im Krankenhaus ohne seine Mittel liegt“, sagt Ulrike Buck. Dann würden sich typische Entzugserscheinungen wie Unruhe, Aggressivität und Depressionen bei den betroffenen Personen zeigen.

Von Lars Lohmann

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