Zu teuer – Wirte zeigen Sky die rote Karte

Im Alcatraz am Uelzener Mühlenteich darf Sky weiter die Fußball-Bundesliga präsentieren – doch auch hier hat der Bezahlsender vom Wirt bereits eine Verwarnung bekommen. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. Den großen Saal nutzt man vor allem zu Festen und Familienfeiern, die Sonnen-Terrasse zwischen Oktober und April dagegen eher selten. Im Gasthaus Kothmann an der Bundesstraße 4 in Jelmstorf spielt sich das Alltagsleben vor allem im gemütlichen Schankraum ab.

In dem rustikalen Landgasthof gibt es aber ab diesem Sommer eine Attraktion weniger: Wenn am Wochenende die Fußball-Bundesliga in die neue Saison startet, sind bei Kothmann nur noch die frei empfänglichen Spiele zu sehen.

Denn die Inhaberfamilie Reimann hat dem Bezahlsender Sky die rote Karte gezeigt und den Vertrag gekündigt – kein Einzelfall: Kreisweit hat es sich der Fernsehsender mit zahlreichen Kneipiers verdorben, weil er die Preise massiv angehoben hat. Deshalb bleiben in dieser Saison zahlreiche Mattscheiben in Uelzener Gaststätten dunkel, wenn die Fußball-Bundesliga oder die Champions-League ausgetragen werden.

„Zu uns sind früher viele Fußballfans aus dem Umland und auch aus Bad Bevensen zum Bundesligaschauen gekommen“, schildert Manfred Mulack, Gastwirt in Jelmstorf. Den Vertrag habe man früher noch mit dem Sky-Vorgänger Premiere geschlossen. „Mit denen konnte man reden, die haben uns als Dorfgaststätte einen vernünftigen Preis gemacht“.

Doch in dieser Saison hat Sky eine härtere Gangart eingelegt und nimmt die gesamte Fläche einer Gaststätte als Berechnungsgrundlage für ein Saisonticket. „Bei uns wurden plötzlich auch der Festsaal und die Terrasse mit berücksichtigt, obwohl da überhaupt kein Fußball läuft“, wundert sich Mulack. Plötzlich sollte Fußball fast doppelt so viel kosten wie zuvor, da blieb dann nur die Notbremse.

Ins Abseits gestellt hat sich der Fußballsender auch im Cafe Mephisto an der Achterstraße. Vergangene Saison habe die Lizenz zum Senden noch 2400 Euro gekostet, jetzt sollen es plötzlich 3600 Euro sein. „Die berechnen uns die gesamte Größe, obwohl unser Lokal verwinkelt ist und man nicht von überall auf den Bildschirm sehen kann“, ärgert man sich in der Szenekneipe. Sky habe sich da überhaupt nicht gesprächsbereit gezeigt. „Dazu noch die technischen Pannen bei den Übertragungen, die es immer gab und plötzlich hat man eine komische Stimmung im Laden“ – da sei nur der Abpfiff geblieben.

Mit einer Verwarnung davongekommen ist Sky dagegen noch einmal im Alcatraz am Uelzener Mühlenteich – obwohl der Sender dort auch ordentlich zulangt. „Anfangs haben wir mal 2000 Euro gezahlt, mittlerweile sind wir bei 7000“, schildert Inhaber Philipp Trumpf. Das Geld hole man natürlich nicht wieder rein, „aber wir waren die erste Gaststätte in Uelzen mit diesem Angebot und haben seit Jahren Fußball-Stammgäste“. Deshalb habe er die Erhöhung noch einmal zähneknirschend in Kauf genommen, so Trumpf. „Aber auch für uns gibt es eine Schmerzgrenze“.

Trumpf hofft, dass zumindest die Saison jetzt vernünftig läuft, um ein Teil der Kosten wieder einzunehmen. „Wenn aber die deutschen Mannschaften früh raus sind aus der Champions-League und die Meisterschaft nicht gerade spannend verläuft, dann war’s das für uns.“

Die gelbe Karte gibt es für Sky auch im Café Komma am Schnellenmarkt. „Uns haben sie die Preise um ein Drittel erhöht, aber wir bieten Fußball weiter an“, hat Inhaber Sebastian Kühl entschieden. Das sei ein Teil des Angebotes, das die Gäste seines Lokales erwarten. Jetzt aber sei das Ende der Fahnenstange erreicht – auch im Komma droht Sky der Platzverweis.

Von Thomas Mitzlaff

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