„Nicht wie beim Arzt oder Friseur“

Termin-Shopping: In Uelzen ist oft spontaner Einkauf möglich

Blick in die Bahnhostraße Uelzen.
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Auch in der Hansestadt Uelzen - hier der Blick in die Bahnhostraße - ist das Einkaufen wieder umfangreicher möglich.
  • Lars Becker
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Kurze Warteschlangen zum Start in den Tag, viele Schilder zu „Termin-Shopping“, Registrierung oder Zahl der maximalen Kunden im Laden: Auch in der Hansestadt Uelzen ist das Einkaufen wieder umfangreicher möglich. Die AZ hat sich selbst einen Eindruck davon verschafft – und auch Händler befragt.

Uelzen – „Geht das mit dem Eintragen hier vor Ort oder nur online? Darin bin ich nicht fit – und ich will doch nachher mit meiner Enkelin einkaufen.“ Die ältere Dame mit Fahrrad hält kurz vor 10 Uhr am Modehaus Ramelow an und fragt das gute Dutzend, das mit Abstand, Maske und Geduld auf die Geschäftsöffnung wartet. Keine 20 Sekunden später fragt eine weitere Frau: „Haben Sie einen Termin machen müssen?“

Die Antwort lautet hier an der Bahnhofstraße und für viele andere Geschäfte: nein. „Es ist hier in Uelzen bei vielen Händlern nicht so kompliziert, wie die Leute meinen. Deshalb die Botschaft: Kommen Sie in die Stadt, registrieren Sie sich und kaufen Sie ein. Es ist nicht so wie beim Arzt oder beim Friseur“, sagt Uwe Schwenke, Geschäftsführer bei Ramelow und zugleich Vorsitzender des Handelsvereins. Die Unsicherheit sei noch sehr hoch, überall gingen täglich viele Nachfragen ein.

Ramelow-Geschäftsführer Uwe Schwenke und eine Mitarbeiterin, die am Freitag die Kundendaten erfasste.

Händler halten sich an alle Vorgaben

Seine wichtigste Botschaft: Alle Händler halten sich an die Vorgaben, wie viele Kunden sie auf ihre Verkaufsfläche lassen dürfen. Das sind beispielsweise in der Buchhandlung Thalia einer pro zehn Quadratmeter (maximal 37 gleichzeitig), bei Ramelow aber einer pro 40 Quadratmeter (maximal 105 gleichzeitig).

Mal dienen Einkaufskörbe als Kontrolle, dann ein Clip oder ein Zettel samt aufgedruckter Nummer. Wenn es freie Kapazitäten gibt, dann dürfen Kunden auch kurzfristig hinein – aber immer erst nach der Erfassung der persönlichen Daten. Frei nach dem Motto eines Aufklebers, der so manchen Mülleimer in der Innenstadt ziert: „Einer geht noch rein.“

Stürmischer Donnerstag lief schlecht

Unterschiede gibt es von Laden zu Laden dennoch: Häufig ist die Aufenthaltszeit gerade in kleineren Geschäften auf 20 Minuten begrenzt. Mal ist es nicht möglich, Klamotten anzuprobieren. Und so unterschiedlich liefen auch die ersten Tage: Übereinstimmend sagen Händler, dass der stürmische Donnerstag schlecht war, während der Markt-Mittwoch die erhoffte gute Kundenfrequenz brachte. Die wird auch am Samstag wieder erwartet, wenn der Vitalmarkt bis 14 Uhr in die City lockt. Dann stehen etwa bei Ramelow zwei Personen bereit, um am einzigen Eingang in der Trendbox die Kundendaten aufzunehmen, damit es schneller geht.

Der Buchhandel darf seit Montag wieder ohne jede Terminvergabe oder Datenerfassung öffnen. „Gerade der Montag war so schön – das hat man wirklich selten. Wir hatten nur glückliche, zufriedene Kunden. Es gab Wiedersehensfreude und Sympathiebekundungen für das, was wir im Lockdown über unsere Abholstation oder auch über die sozialen Netzwerke an Kontakt und Angebot geleistet haben“, sagt Urthe Eilers, Filialleiterin der Thalia Buchhandlung.

Thalia-Filialleiterin Urthe Eilers empfiehlt jetzt den Krimi „Ostfriesenzorn“ (Klaus-Peter Wolf) und die Biografie „Der Wahrheit verpflichtet“ von Kamala Harris. Ihre Buchhandlung darf ohne Datenerfassung öffnen.

Sie weiß mit Blick auf die wieder steigenden Inzidenzwerte und die Sorge vor neuerlichen Konsequenzen für den Handel aber auch: „Keiner weiß, wohin die Reise geht. Das hat man im Hinterkopf.“

Vitalmarkt-Sonnabend als Bewährungsprobe

Wie fällt denn die Bilanz aus Sicht der Stadt Uelzen bisher aus? Die Neuregelungen hätten zu einem sehr hohen Informationsbedarf bei Kunden wie Gewerbetreibenden geführt. Dem Fachbereich Ordnungswesen sei es aber gelungen, Unklarheiten zu beseitigen. „Die allermeisten Händler haben dankbar reagiert. Dort, wo es nicht geklappt hat, hat das Ordnungswesen sehr zeitnah überprüft und Konsequenzen aufgezeigt. Ordnungswidrigkeitenanzeigen mussten nicht gefertigt werden“, so Stadtsprecherin Ute Krüger.

Auch bei XXXLutz Kranz ist das Einkaufen ohne vorherige Terminvereinbarung nur dann möglich, falls weniger Kunden im Möbelhaus sind als erlaubt.

Freitagvormittag schlendern zwar durchaus Passanten durch die Stadt, richtig voll ist es aber nicht. Der heutige Sonnabend dürfte da eine ganz andere Bewährungsprobe darstellen: einerseits für den Handel, aber auch für die Kunden, die sich an die Regeln halten müssen.

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