Tausendfacher Protest

Im Sommer 2007 hatte Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Schümann vor dem Rat für Palmöl geworben.

Uelzen - Von Marc Rath. Unter dem Motto „Zurück auf dem Irrweg – Stadtwerke Uelzen verheizen wieder Palmöl“ hat am Wochenende die Initiative „Rettet den Regenwald“ eine bundesweite Mail-Kampagne gestartet. Bis gestern Abend gab es nach Zählungen der Gruppe bereits mehr als 9500 Unterstützer, die über http://www.regenwald.org eine Protestnote an Bürgermeister Otto Lukat und weitere Entscheidungsträger verschickt haben.

„Für den Anbau von Ölpalmen werden die Regenwälder und Torfmoorgebiete gerodet, die Artenvielfalt vernichtet, die Ureinwohner und Kleinbauern vertrieben, der Wasserhaushalt und die Böden massiv geschädigt und das Weltklima angeheizt“, steht in dem Brief, zu dessen Unterzeichnung auch Bernd Ebeling von der jüngst gegründeten Initiative „Zukunftsfähiges Deutschland in Uelzen“ aufgerufen hat. „Ich finde es ungeheuerlich, dass der stadteigene Energieversorgungsbetrieb Profitmaximierung auf Kosten von Mensch, Umwelt und Klima betreibt“, heißt es weiter. So fordern die Unterzeichner „keine Kahlschlag-Energie in Uelzen“ und „unverzüglich die Palmölverbrennung einzustellen“.

„Die Stadtwerke Uelzen nutzen in ihrem Blockheizkraftwerk weiterhin Palmöl. Aktuell gibt es Verträge zur Belieferung bis Mitte des Jahres“ – weitere Fragen der AZ wollte jüngst der zuständige Prokurist Falk-Wilhelm Schulz dazu nicht beantworten.

Die Stadtwerke hatten mit ihrem Einsatz von Palmöl bereits 2007 für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie kam damals in einer Studie im Auftrag der Bundesregierung mit Blick auf die Uelzener Praxis zum Ergebnis: „Insgesamt ist dieses Beispiel nicht unbedingt positiv zu bewerten.“

Die Stadtwerke, die damals noch eine eigene Plantage in Malaysia unterhielten, beriefen sich auf einen Nachhaltigkeitsnachweis. Mit dessen Prüfung und Zertifizierung war der Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe (BBK) beauftragt gewesen. Dessen Vorsitzender Peter Schrum ist als Alensys-Geschäftsführer auch Stadtwerke-Partner beim umstrittenen Investment in der Ukraine. Und auch die dort beteiligten Stadtwerke Schwäbisch Hall sind bei den Pflanzenöl-Aktivitäten mit im Boot: „Die Pflanzenölhandels und -produktionsgesellschaft German Bio-Energy GmbH wurde gemeinsam mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall ins Leben gerufen. Die Stadtwerke Uelzen GmbH hat sich mit 400 000 Euro an der Gesellschaft beteiligt“, heißt es im Jahresabschluss 2008, der heute Nachmittag nichtöffentlich im Verwaltungsausschuss des Stadtrates behandelt wird.

In der Uelzener Kommunalpolitik war mit Erleichterung aufgenommen worden, dass die Stadtwerke im Herbst 2008 ihre Palmöl-Fläche verkauft hatten und dabei nach Angaben ihres Geschäftsführers Markus Schümann „mehrere hunderttausend Euro Gewinn“ verbuchen konnten. Schümann schloss damals gegenüber der AZ aber weder eine Umrüstung noch den Einkauf von Palmöl aus. Im jüngst vorlegten Jahresabschluss 2008 sind diese Palmölaktivitäten indes nicht gesondert aufgeführt.

Heute ab 19 Uhr bei der Ratssitzung wird neben der Ukraine auch das Palmöl-Thema zur Sprache kommen. Die ehemalige Ratsfrau Ingetraud Schmäcke kündigte gestern für die Einwohnerfragestunde einen Beitrag an: „Ist es richtig, dass die Stadtwerke Uelzen weiterhin Palmöl verheizen? Wird der Rat der Stadt Uelzen dem Aufsichtsrat vorschlagen, einer Verlängerung der Lieferverträge, die im Sommer 2010 auslaufen sollen, abzulehnen?“, will sie wissen.

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