Die Kunst am Körper

Tattoo Convention in der Uelzener Jabelmannhalle

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Bereits mit zahlreichen Tattoos ausgestattet, findet Janina Nagler noch freie Haut für die Uelzener Convention.

Uelzen – Es summt bereits überall, obwohl sie erst eine Stunde eröffnet ist, die 8. Uelzener Tattoo Convention in der Jabelmannhalle am Wochenende.

Angelika Daschke aus Hamburg erträgt sieben Stunden Schmerz für dieses „Mandala“-Tattoo.

Das Summen kommt von den „sehr vielen Nadelstichen in kürzester Zeit“, wie es Timo Stein, Inhaber eines Tattoo-Studios in Bad Bevensen ausdrückt. „Es fühlt sich an, als wenn man mit dem Fingernagel über einen Sonnenbrand kratzt“, beschreibt er seine eigenen Erfahrungen. Den Vorgang des Tätowierens kennt er aber nur als Kunde, er selbst tätowiert nicht, sondern ist Piercer. Hierbei lege er als gelernter OP-Assistent „größten Wert auf Hygiene“. Das Tätowieren übernimmt seine Mitarbeiterin Inga Teister, die gelernte Steinmetzin ist. Sie ist nicht die Einzige, die erst einen anderen künstlerischen, kreativen oder handwerklichen Beruf erlernt hat und später umgeschult hat.

Und genau darum geht es der Szene. Sie wollen als Künstler verstanden werden und das Wort Tattoo sollte nur als ein „Oberbegriff“ betrachtet werden, denn es geht mittlerweile um viel mehr. Es geht um die Kunst am Körper insgesamt aber auch darüber hinaus. So wird nicht nur tätowiert und gepierct, sondern auch Schmuck vorgestellt und sogar Spirituosen.

Michael „Michel“ Beck bietet am Stand von O’Donnel Moonshine „handwerklich hergestellten Schnaps“ an. Auf vielen Messen sei er gewesen, „von der Haus und Boot bis zur Handwerkermesse“, doch auf Tattoo-Messen laufe es besonders gut: „Es liegt am Lifestyle, das passt einfach gut“, vermutet er.

Comicfigur „Yondu“ wird in einer achtstündigen Sitzung auf der Tattoo Convention gestochen. Künstler Rico Krause hält stolz Urkunde und Pokal für den ersten Platz in der Kategorie „Best of Color“ in den Händen. 

Das Geschäft mit dem Körperschmuck boomt, das ist nicht nur hier unübersehbar, längst auch bei einem Gang durch die Innenstadt. Aber es geht nicht nur ums Geld verdienen, die „Artists“, wie sie auch genannt werden, geben Sicherheitstipps und wichtige Hinweise. So warnt Micha, Spitzname „Lemmy“, davor, auf das billigste Angebot zu warten. „Viele laufen hier mit ihrem Motiv durch die Halle und fragen die Preise ab. Sie sollten lieber einen Künstler nach seinen Fähigkeiten aussuchen.“ Gute Arbeit habe eben seinen Preis. Er muss es wissen. Seit 20 Jahren ist Lemmy fast jedes Wochenende auf Tattoo-Messen unterwegs und seit 40 Jahren tätowiere er.

„Best of Black“: Tina Wegners „Grinsekatze“

Auch Thomas Hoffmann, der in einem Uelzener Studio pierct, lehnt gewisse Piercings aus Sicherheitsgründen ab. Zum Beispiel arbeitet er nicht in der Nähe von Hauptschlagadern. „Mein Beruf ist mir da einfach zu wichtig“, sagt er. „Man trifft so viele tolle und verrückte Leute.“ Reingerutscht ist er trotzdem eher zufällig in die Szene. „Da waren familiäre Verwicklungen ausschlaggebend“, sagt er schmunzelnd.

Eine Besonderheit bietet sich am Stand von Janina und Bia Na Ranong aus Schwienau. Sie bieten eine Tätowierform ganz ohne Maschine an. Das thailändische Bamboo. Per Hand wird dabei nur mit einer Nadel das Motiv in die Haut gestochen. Die Vorteile sollen unter anderem schnellere Heilung und weniger Schmerzen sein, weshalb Sportler gerne diese Methode wählten.

Thomas Kutsch aus Hannover, fährt seinem Lieblingskünstler extra hinterher, um sich „stechen“ zu lassen.

Nicht nur Studios nahmen die Anreise nach Uelzen in Kauf, auch Kunden. Thomas Kutsch fuhr seinem Lieblingsstudio aus Hannover hinterher, um sich auf der Convention stechen zu lassen. Auch Janina Nagler aus Walsrode, die bereits einen riesigen Drachen auf dem Rücken trägt, hat noch ein bisschen Platz, um ihn in der Uhlenköperstadt füllen zu lassen. Marcus Marschner kam mit seinem „Stammtätowierer“ aus dem brandenburgischen Neutrebbin und räumt gleich den ersten Platz bei den farbigen Tattoos ab. Das beste schwarze Tattoo gewinnt Tina Wegner aus Bad Bodenteich.

Auch wenn vergangenes Jahr zwar mehr los gewesen sei, blickt man abends überall in zufriedene Gesichter.

VON ANDREAS URHAHN

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