Nachbarschaftsstreit landet vor dem Amtsgericht: Rentnerin soll Familienmutter attackiert haben

Tatort Hausflur

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Als sie mit ihrem Kind im Hausflur war, soll sie die Rentnerin so gegen die Wand geschubst haben, dass sie sich an Handgelenk und Schulter verletzt hat, behauptet die albanische Mutter vor dem Amtsgericht.

Uelzen. Wenn unter Nachbarn der Haussegen schief hängt, bedeutet das für beide Parteien meist viel Ärger und Stress.

Im Fall einer Rentnerin und einer albanischen Familie aus Bad Bevensen gipfelten die Anfeindungen im November letzten Jahres in einer Auseinandersetzung im Hausflur, bei der sich die albanische Mutter die Hand verletzte.

Das zumindest behauptet das vermeintliche Opfer jetzt vor dem Amtsgericht Uelzen, als gegen die Seniorin W. wegen vorsätzlicher Körperverletzung verhandelt wird. „Ich bin traumatisiert, meine Kinder sind traumatisiert“, behauptet die 35-Jährige unter Tränen. „Ich verstehe nicht, warum mir das passiert.“

An besagtem Tag sei I. mit ihrem Kind nach Hause gekommen. Sie habe den Hausflur betreten und die Treppe hochgehen wollen, doch so weit sei sie nicht gekommen. „Von hinten kam Frau W. und hat mich gegen die Wand geschubst.“ Dabei habe sich I. an Schulter und Handgelenk verletzt. Sofort habe I. ihren Mann auf der Arbeit angerufen. „Sie hat mir gesagt, dass sie vermutet, dass ihre Hand gebrochen ist“, erinnert er sich. Das Paar ging zum Arzt, der feststellte, dass I.s Blutdruck erhöht war. Außerdem sei sie zittrig und aufgeregt gewesen und habe sich übergeben. „Wir wollten kein Röntgenbild machen, weil ich zu der Zeit hoch schwanger war“, erklärt die mittlerweile dreifache Mutter. I. bekam eine Bandage und hat laut eigener Aussage bis heute Schmerzen im Handgelenk. „Es kann sein, dass es falsch zusammengewachsen ist“, erzählt ihr Mann. „Das müssen wir jetzt untersuchen lassen.“

Dieser Vorfall sei der Höhepunkt des andauernden Nachbarschaftsterrors gewesen, der von der 79 Jahre alten Witwe ausgegangen sei. „Egal, ob ich auf dem Balkon war oder den Müll runtergebracht habe, Frau W. hat mich angeschrien und beleidigt“, sagt I. „Wir werden von ihr terrorisiert.“ Die Seniorin habe mehrmals täglich lautstark an ihrer Wohnungstür geklopft und gesagt, sie „sollen in den Kosovo zurückziehen.“ Und die Seniorin soll I.s Tochter geschüttelt haben. I. und ihre Tochter seien in psychischer Behandlung. In den Tagen nach dem Vorfall habe eine Mitarbeiterin des Weißen Rings den Sohn in den Kindergarten gebracht, weil sich I. nicht mehr vor die Tür getraut hat.

Die Angeklagte stellt den Sachverhalt komplett anders dar. „Ich kam vom Einkaufen zurück und hatte Tüten in der Hand“, sagt sie. I. sei vor ihr ins Haus gegangen und habe ihr die Haustür vor der Nase zuschlagen wollen. „Damit ich die Tür nicht gegen den Kopf bekomme, habe ich meinen Fuß in die Tür gestellt.“ Dann habe man sich gegenseitig als „blöde Kuh“ beschimpft. Das sei alles gewesen.

Anfangs sei das Verhältnis gut gewesen, sagt die Rentnerin. Doch irgendwann habe I.s Mann behauptet, sie hätte Briefe aus deren Post gestohlen. „Wer bei uns Briefe aus dem Briefkasten nimmt, das ist bei uns im Kosovo so üblich, den schmeißen wir die Treppe runter“, habe er zu W. gesagt. Das habe die Rentnerin aus Angst bei der Polizei gemeldet, jedoch keine Anzeige erstattet. „Ab da war das Verhältnis gestört.“

Obwohl es für den Vorfall im Hausflur keine Zeugen gibt und Aussage gegen Aussage steht, verurteilt Richterin Meike Wulff die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. „Ich habe keine Zweifel, nachdem ich die Familie gesehen habe, dass es so war, wie sie geschildert haben“, erklärt sie ihre Entscheidung. „Dass sie sich das alles ausdenkt und sich selbst an der Hand verletzt, um sie zu ärgern, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“ Das sieht W. anders: Sie und ihr Verteidiger haben Berufung eingelegt, das Landgericht in Lüneburg ist nun für den Fall zuständig.

Von Sandra Hackenberg

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