Die unheimliche Serie – wie viele Täter gibt es?

Elf Tankstellenüberfälle in der Region in drei Monaten

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„Überfall zwecklos“ verkündet ein Schild an der Uelzener Aral-Tankstelle an der B 4 – die Bargeldbestände wurden zum Schutz vor Räubern drastisch reduziert.

Uelzen. Der Auftakt war am 20. November 2015 ein Überfall auf eine Tankstelle an der Dahlenburger Landstraße in Lüneburg – und danach ging es Schlag auf Schlag. Sieben weitere Raube zunächst auf Lüneburger Tankstellen, seit diesem Wochenende kamen drei in Uelzen hinzu.

Unter dem Strich stehen in einem Radius von rund 50 Kilometern elf Tankstellenüberfälle in knapp drei Monaten – eine beispiellose Serie für den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Lüneburg/Uelzen/Lüchow-Dannenberg.

Und während die Ermittler auf Hochtouren Spuren auswerten und Tathergänge abgleichen, wächst unter den Tankstellenbetreibern in Uelzen die Verunsicherung. „Natürlich sind wir gerade sehr angespannt“, sagt etwa Ralf Fehlhaber, Chef der Aral-Filialen an der B 4 und am Uelzener Hammersteinplatz. Für seine Belegschaft hat er strikt das Motto „Sicherheit geht vor“ ausgegeben. „Wenn den Mitarbeitern da etwas merkwürdig vorkommt, dann drücken sie den Knopf und die Tür bleibt zu, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit“, betont Fehlhaber.

Denn die Täter werden immer dreister, wie etwa Montagabend bei der Aral-Tankstelle an der Veerßer Straße. Sie liegt direkt an der belebten Bundesstraße 71, nebenan ein gut frequentiertes Schnellrestaurant und ein Supermarkt – den Räuber hielt das nicht davon ab, zu bester Geschäftszeit um 19.30 Uhr den Revolver zu zücken; trotz der relativ hohen Wahrscheinlichkeit, auch bei der Flucht gesehen zu werden.

Die Aral an der Veerßer Straße wurde schon zwei Mal zuvor in kurzen Abständen ausgeraubt, am 4. Januar 2012 und vier Wochen später erneut. Die Polizei fasste den Serientäter, der auch in Bad Bodenteich zugeschlagen hatte. Auch Ralf Fehlhaber erinnert sich an zwei Überfälle auf seine Tankstellen. Seitdem wurden die Sicherheitsvorkehrungen vielerorts drastisch erhöht, sagt er. „Und wir haben unsere Bargeldbestände drastisch reduziert.“ Das Wichtigste sei die Sicherheit der Mitarbeiter, „deshalb ist die Tür im Zweifelsfall zu“.

Die Polizei zeigt seit den drei Überfällen vermehrt an Uelzener Tankstellen Präsenz, das ist den Mitarbeitern schon aufgefallen. Die Ermittler selbst geben sich derzeit sehr bedeckt. Man prüfe, welche Zusammenhänge bestehen könnten, formuliert Polizeisprecher Kai Richter vorsichtig.

Die Fahnder stehen unter immer größerem Druck: Gibt es im Bereich der Polizeiinspektion durchschnittlich vier bis fünf Tankstellenüberfälle im Jahr, so sind es in 2016 schon sieben – in gerade mal sechs Wochen...

Von Thomas Mitzlaff

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