Tattoo-Convention in der Jabelmannhalle lockt die Fans der Körperkunst

Tätowieren kann auch umwerfen

+
Kevin aus Uelzen entschied sich für einen Schlagring als Motiv. Die Wünsche der Kunden sind eben unterschiedlich.

Uelzen. „Haut-Kultur“ statt „Haute Couture“: Die Kunst am Körper boomt und ist längst schon dem Status einer reinen Insider-Szene entwachsen.

So schlenderten beispielsweise auch viele Familien mit kleinen Kindern – allesamt noch untätowiert – am Wochenende durch die Jabelmannhalle und betrachteten neugierig die unzähligen Vorlagen der Tattookünstler. Vom kleinen Schmetterling als Einstieg bis hin zum körperfüllenden Gesamtkunstwerk ließen die teils weit gereisten Künstler an der Nadel so gut wie keine Wünsche offen.

„Fast 25 Jahre habe ich gebraucht, um mich für ein Motiv zu entscheiden, nun habe ich es endlich gefunden“, sagt Anja aus Lüneburg. Sie ließ sich eine Libelle stehen.

Für ihr erstes Tattoo war Anja aus Lüneburg gezielt zur Tattoo-Convention gekommen. „Fast 25 Jahre habe ich gebraucht, um mich für ein Motiv zu entscheiden, nun habe ich es endlich gefunden“ verrät die 49-Jährige. Mit kundiger Hand gestochen, erblüht oberhalb ihres linken Fußknöchels eine farbenfrohe Libelle. „Diese faszinierenden Tiere sehe ich jeden Tag an meinem Gartenteich, das Tattoo soll mich daran erinnern“.

Der 18-jährige Kevin aus Uelzen hat sich zum Einstieg in die Körperkultur ausgerechnet für einen Schlagring als Motiv entschieden: „Warum? Weil das Motiv einfach extrem aussieht und außerdem Stärke symbolisiert. Dann weiß jeder, dass ich mir nicht alles gefallen lasse.“

An Motiven mangelt es nicht. Bevor sich die Freunde der Körperkunst etwas stechen lassen, erfolgt natürlich die Motivauswahl.

Derweil plaudert Thomas vom Tattoo-Studio Klaus aus Fulda ein wenig aus dem Nähkästchen: „Man erlebt schon mitunter lustige Sachen. Da wollte so ein 90 Kilo Hüne nur seinen eigenen Namen auf den Unterarm tätowiert haben und ist uns dabei gleich dreimal zusammengebrochen“.

Bevor selbiges passiert, merkt es der Tätowierer zuerst, weil die Haut plötzlich keine Farbe mehr aufnimmt. „Deshalb haben wir immer süßen Kakao dabei, denn Süßes essen oder trinken hilft“.

Tätowierer Mucha aus Polen und seine Frau Veronica.

Jessica aus Salzwedel ist schon erfahrener. Auf ihrer Hüfte entsteht ein „Traumfänger“ als drittes und bislang größtes Tattoo. „Der soll schlechte Einflüsse abhalten, daher habe ich die Stelle auch bewusst gewählt“, so die 26-jährige. „Im Moment geht’s zwar, aber das tut teilweise schon heftig weh“.
Tätowierer Mucha aus Polen plant, seinen Körper langfristig zum Gesamtkunstwerk umzuwandeln. Der gesamte Hinterkopf, der Oberkörper und der Hals sind bereits tätowiert. „Besonders auf dem Kopf hat das richtig wehgetan“, so der 26-Jährige, der in Hannover ein Studio betreibt.

Von Oliver Huchthausen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare