Flashmob in Uelzen – Teilnehmer stellen sich gegen gesellschaftliches Problem

Gewalt an Frauen: „Täter wiegen sich in Sicherheit“

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Überall auf der Welt soll morgen getanzt werden, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen: Auch in Uelzen sind Frauen wie Männer aufgerufen. Brüssel beteiligte sich im vergangenen Jahr schon am Valentinstag an der Aktion.

Uelzen/Landkreis. Seit den Übergriffen in der Silvesternacht existiert in den Köpfen ein Bild von Gewalt an Frauen – das Phänomen selbst ist nicht neu, so Silvia Zenzen vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) im AZ-Gespräch.

Ob sexuelle Übergriffe oder Gewalt in Partnerschaften. In Uelzen meldete das Frauenhaus auch schon vor Silvester jährlich bis zu 60 Aufnahmen von Betroffenen. Sie wurden gewürgt, geschlagen und gedemütigt. Das Problem: In häuslichen Umfeld gibt es keine Zeugen, allzu oft schämen sich auch Frauen Opfer zu sein. Und: „In der Gesellschaft ist es ein Tabu-Thema“, so Zenzen. Um Frauen Mut zu machen, die Gewalttäter anzuzeigen, und auch Betroffenen zu demonstrieren, dass Opfer von Gewalt nicht allein sind, werden am morgigen Sonntag um 15 Uhr auch auf dem Herzogenplatz in Uelzen Frauen und Männer ein Zeichen setzen. Die Stadt beteiligt sich an einer weltweiten Aktion.

„One billion rising“ ist ein weltweiter Akt der Solidarität mit den Opfern von Gewalt. Bei der Aktion sind Frauen – wie auch Männer – aufgerufen, bei einem Flashmob gemeinsam zu tanzen. „Es ist gut, dass damit noch einmal auf die Taten hingewiesen wird, dass sie skandalisiert werden, damit sie im Bewusstsein der Menschen bleiben und deutlich wird, dass Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftliches Problem ist“, so Zenzen. Denn allzu häufig würden sich die Gewalttäter noch im Sicheren wiegen, sagt Patricia Paufler vom Uelzener Frauenhaus. „Es gibt rechtliche Lücken“, so die Mitarbeiterin. Täter blieben häufig straffrei. „Und Kinder nehmen mit, dass wenn der Vater die Mutter schlägt, ihm nicht viel passiert. Das prägt auch ihr Verhalten im späteren Leben“, so Paufler.

Bundesinnenminister Heiko Maas erklärte im Januar: Bei lediglich acht Prozent aller Vergewaltigung-Fälle kommt es zu einer Verurteilung. Nun plant die Bundesregierung eine Gesetzesnovelle des Strafgesetzbuches. Anders als bisher soll dann für eine Verurteilung von Vergewaltigern nicht mehr Bedingung sein, dass die Frauen sich bei der Tat zur Wehr gesetzt haben. Der bff kritisiert an dem Gesetzentwurf, dass Frauen immer noch gegenüber der Polizei zu erklären hätten, warum sich bei dem Gewaltakt nicht zur Wehr setzten.

Von Norman Reuter

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