„Eine Menge krimineller Energie“

Täter stehlen 20 seltene Pommernenten vom Hof Lars Odefeys in Mehre

„Gleich am Morgen habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt Lars Odefey. Dem Mehrer Bio-Landwirt sind 20 seltene Pommernenten gestohlen worden.
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„Gleich am Morgen habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt Lars Odefey. Dem Mehrer Bio-Landwirt sind 20 seltene Pommernenten gestohlen worden.

Uelzen-Mehre – Schon von Weitem dringt das aufgeregte Schnattern der Pommern-enten ans Ohr. Doch auf dem Hof von Lars Odefey ist das Geschnatter leiser geworden.

20 Enten der seltenen Nutztierrasse, von denen es noch etwa 500 in Deutschland gibt, sind dem Bio-Landwirt in der Nacht zu vergangenen Sonntag gestohlen worden. Übrig geblieben sind 38 Enten.

„Gleich am Morgen habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt Odefey. Zunächst habe er noch gedacht, dass die Tiere vielleicht ausgebrochen sind oder sich in einer uneinsehbaren Ecke versteckt haben. Doch das Tor war verschlossen und der Zaun war dicht. Einfach in die Luft steigen und wegfliegen können die Pommernenten, die auch Schwedenenten genannt werden, nicht. „Ich habe noch einmal mit Experten gesprochen. Die Enten fliegen höchstens mal ein paar Zentimeter bei Gefahr hoch“, sagt Odefey. Seine Tiere habe er noch nie Flugversuche unternehmen sehen. Solange man sie füttere, blieben die genügsamen Vögel, die von Gras bis Mais fast alles essen, ihrem Standort treu.

„Die Täter hatten schon eine Menge krimineller Energie“, sagt Odefey. Denn um zu den Enten zu gelangen, mussten sie mit ihrem Transportfahrzeug zunächst gut 200 Meter einen Feldweg in direkter Nachbarschaft zur Wohnbebauung hochfahren. Dann haben sich die Entendiebe gezielt die größten Tiere ausgesucht. Neben dem wirtschaftlichen Schaden – viele Tiere waren bereits als Weihnachtsbraten zu 60 Euro verkauft – ist das ganze für den Erhalt der Art eine Katastrophe. „Es waren die ältesten und besten Tiere für die Zucht“, sagt Odefey. Erst dieses Jahr hatte er mit der Zucht der Enten mit dem charakteristischen weißen Latz am Brustkorb begonnen. Die Eier dafür hatte er von einem Archehof in Berlin-Hellersdorf bekommen. „Die Rasse ist so selten, dass man die Eier nicht einfach bekommt“, erklärt Odefey. Die Zucht wolle er aber nach wie vor aufnehmen. Er hoffe jetzt vor allem, dass die gefangenen Tiere nicht lange gelitten haben.

Die Pommernente, die als älteste Hausentenrasse Deutschlands gilt, selbst ist Menschen gegenüber eher scheu und gibt auch schnell schnatternd Alarm. Die Wasservögel, deren Fleisch laut Odefey im Geschmack dem von Stockenten ähnelt, aber dabei nicht so trocken ist, sind vor allem in der Sterne-Gastronomie nachgefragt. Man könne das Ganze auch als Arterhalt durch aufessen bezeichnen, meint Odefey. Neben den Pommernenten, die auch Uckermärker heißen, züchtet er auf seinem Hof in Mehre auch verschiedene Hühnerrassen wie das Bressehuhn. „Enten und Hühner vertragen sich, die ignorieren sich“, sagt Odefey. VON LARS LOHMANN

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