17-jähriger Abdul Fattah Durzi macht in Uelzen eine Ausbildung zum Friseur

Aus Syrien in den Friseur-Salon

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Übung macht den Meister: Der 17-jährige Abdul Fattah Durzi macht eine Ausbildung zum Friseur und schneidet sowohl Männern als auch Frauen die Haare. 

Uelzen – Vor drei Jahren floh der damals 14-jährige Abdul Fattah Durzi mit seinem Vater und seinem Bruder aus Syrien. In Uelzen fanden sie eine neue Heimat. Heute ist Abdul Fattah Durzi 17 Jahre alt, macht eine Ausbildung zum Friseur und hat sich hier ein neues Leben aufgebaut.

Wenn er seinen Kunden die Haare schneidet, hat Abdul Fattah Durzi immer ein Lächeln im Gesicht. „Mir macht die Arbeit richtig Spaß“, sagt er und seine Augen leuchten. „Ich mag den Kontakt zu den Kunden.“

Der gebürtige Syrer erinnert sich noch genau an die ersten Monate seiner Ausbildung und wie er es kaum erwarten konnte, selbst Hand an die Köpfe der Kunden zu legen. „Ich musste erst an den Modellköpfen üben“, erzählt er, „aber ich wollte am liebsten gleich jemandem die Haare schneiden.“

Heute darf er das – sowohl bei Männern als bei Frauen. „In meiner Heimat gibt es jeweils Friseure für Männer und für Frauen“, berichtet Abdul Fattah Durzi, der in Syrien in der Motorradwerkstatt seiner Familie gearbeitet hat. Dass hier in den Friseur-Salon sowohl männliche als auch weibliche Kunden kommen, sei anfangs ungewohnt gewesen. „Aber ich mache Frauen gerne die Haare.“

Und auch das weibliche Geschlecht findet Gefallen an dem männlichen Friseur-Azubi, wie die Chefin des Salons Klier im Uelzener Marktcenter, Anja Müller, zu berichten weiß: „Wir haben einige Frauen, die sich sogar lieber von Abdul die Haare schneiden lassen. Sie sagen, dass Männer bei den Frisuren oft kreativer sind als Frauen.“

Abdul Fattah Durzi kann sich gut vorstellen, auch nach seiner Ausbildung weiter im Salon zu arbeiten: „Ich fühle mich hier richtig wohl und möchte später auch meinen Meister machen.“

Dass er oft auch sonnabends arbeiten muss, stört ihn nicht: „Ich finde es ganz normal, dass man am Wochenende arbeitet.“ Und auch mit seinem Azubi-Gehalt ist er zufrieden: „Das Geld ist nicht das Wichtigste.“

Während der junge Syrer auf der Karriereleiter nach oben klettert, hat er sich auch außerhalb des Friseur-Salons gut eingelebt, ist sowohl mit Deutschen als auch mit Landsleuten befreundet. „Ich habe deutsch gelernt, in dem ich mich viel mit meinen deutschen Freunden unterhalten habe“, erklärt er. Zuhause dagegen spricht er mit seinem Vater und seinem Bruder in seiner Muttersprache, „damit ich sie nicht verlerne“.

Die deutsche Sprache zu lernen, sei nicht leicht gewesen. „Wenn man jung ist, geht es schneller“, weiß Abdul Fattah Durzi. Seinem Vater hingegen falle das nicht so leicht: „Er versteht vieles, aber deutsch sprechen kann er nicht so gut.“

Abdul Fattah Durzi sieht seine Zukunft in Deutschland, doch wenn er an seine Heimat denkt, verschwindet sein Lächeln für einen Augenblick und sein Blick wird nachdenklich: „Meine Mutter und meine Schwester sind noch dort. Ich habe sie seit drei Jahren nicht gesehen.“ Die Entscheidung, wegzugehen, hat er aber nie bereut: „In Syrien ist Krieg. Dort haben wir keine Zukunft.“

Und auch seine Chefin hat keinen Moment bereut, Abdul Fattah Durzi auszubilden: „An Abdul sieht man, dass es junge Leute gibt, die motiviert sind und sich nicht vor der Arbeit scheuen“, sagt Anja Müller, die laut eigener Aussage vorher bereits einige Enttäuschungen bei Auszubildenden erlebt hat. „Es stimmt nicht, dass Flüchtlinge den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Ich bin sehr froh, dass ich Abdul habe – dass ich meine beiden Auszubildenden habe.“ Neben dem jungen Syrer bildet Anja Müller derzeit noch einen weiteren männlichen Azubi aus. Und keiner in Team möchte die beiden Hähne im „Friseur-Hühnerstall“ missen.

VON SANDRA HACKENBERG

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