Der Zuckerfabrik-Schornstein verbreitet in der Umgebung kleine Teilchen

Süßer Schnitzel-Regen über Uelzen

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116 Tage dauerte die Kampagne – kommenden Montag raucht der Schornstein zum letzten Mal.

Uelzen – Sie sehen aus wie kleine Kokosflocken und sie legen sich wie ein Teppich über Autos und Wintergärten. Doch wenn Nachbarn der Uelzener Zuckerfabrik die weißen Teilchen entfernen wollen, müssen sie feststellen: Sie kleben am Lack fest. Erst mit einer Autowäsche lassen sich die Fremdkörper entfernen.

Was da gelegentlich aus dem Fabrikschornstein kommt und sich je nach Windrichtung im Umfeld verteilt, sind kleine Teilchen von Rübenschnitzeln aus der Trocknungsanlage.

Und sie sind in gewissem Sinne durchaus symbolisch für das schwierige Fahrwasser, in dem sich Nordzucker derzeit befindet. Erst der freie Fall der Zuckerpreise und dann blieb die Ernte 2018 auch noch deutlich hinter den ohnehin schon bescheidenen Erwartungen zurück.

Erhöhter Krautanfall wird zum Problem

Kleine weiße Teilchen auf dem Lack – auch dieser unweit der Zuckerfabrik abgestellte Wagen war betroffen.

Eine offizielle Bilanz will Nordzucker erst zum Kampagnenende ziehen, kommenden Montag werden die letzten Rüben im Werk verarbeitet. Doch schon jetzt ist klar, dass die Zahlen nicht zufriedenstellen können. Ein großes Problem war dabei auch die Trockenheit dieses Sommers – und sie ist auch die Ursache für den Ausstoß der Schnitzelteilchen.

Denn wegen des Wassermangels sind die Rüben in diesem Jahr in viel Kraut gehüllt, das beim Roden nicht so sauber wie sonst von der Frucht abgetrennt werden konnte. Das Ergebnis ist ein erhöhter Krautanfall bei den angelieferten Rüben.

„Dieser Krautanfall führt zu Problemen in den Entstaubungsanlagen“, erklärt Nordzucker-Sprecherin Tanja Schneider-Diehl. „Es bilden sich Faserknäuel, die die Abscheideanlage verstopfen und letztlich zu einem Ausstoß von Rübenschnitzel-Teilchen geführt haben.“

Drei solcher Vorfälle seien in den 116 Kampagnentagen gemeldet worden. „Wir haben dann immer die betroffene Anlage sofort außer Betrieb genommen und gereinigt.“ Außerdem seien die manuellen Kontrollen erhöht worden. 15 Anwohner hätten sich in der Fabrik gemeldet, weil sie vom „Teilchen-Regen“ betroffen gewesen seien, so Schneider-Diehl weiter. „Wir haben mit allen persönlich gesprochen und die Ursache erklärt.“ Die Autobesitzer bekamen Gutscheine für eine Waschanlage, „diese wurden in der Regel gerne angenommen“.

Schädlich seien die kleinen Rübenschnitzelteile nicht, heißt es aus der Fabrik. Das getrocknete pflanzliche Material ist für Menschen bei Kontakt mit der Haut nicht problematisch und verursacht auch keine Lackschäden an den Autos. „Wir sind bestrebt, mögliche Auswirkungen auf die Nachbarschaft und Umgebung möglichst gering zu halten“, betont die Sprecherin. Deshalb würden zur nächsten Kampagne auch einige Änderungen an der Anlage vorgenommen.

VON THOMAS MITZLAFF

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