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Feuerwehren in Uelzen für jeden Sturm gerüstet - auch für „Zeynep“

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Von: Lars Becker

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Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr der Hansestadt Uelzen
Die 13 Ortsfeuerwehren der Hansestadt Uelzen sind ausschließlich ehrenamtlich organisiert – und dennoch immer für den nächsten Einsatz gerüstet. © Lars Becker

Die Feuerwehren im Landkreis Uelzen haben sich am Freitag auf das Sturmtief „Zeynep“ vorbereitet, das mit noch höheren Windgeschwindigkeiten als „Ylenia“ am Vortag wüten soll.

Uelzen/Landkreis - „Hoffen wir alle, dass wir glimpflich davonkommen“, sagte Uelzens Stadtbrandmeister Jens Kötke im AZ-Gespräch. Er ging davon aus, dass sich sämtliche Feuerwehren in Hansestadt und Landkreis sehr gut auf die neuerliche Sturmlage einstellen und aufkommende Einsätze nacheinander abarbeiten. Im Vordergrund stehe dabei, keine unnötigen Risiken einzugehen.

Das gilt auch für alle Bürger: Die Feuerwehren appellieren an alle Menschen im Landkreis, Wälder und Orte, wo viele Bäume stehen, zu meiden: „Äste können brechen und herabstürzen. Oder Bäume können einfach umfallen. Das geht meist sehr schnell und wird viel zu spät bemerkt“, so die Feuerwehr Uelzen. Aber auch Dachziegel oder Dachelemente könnten für lebensgefährliche Situationen sorgen. „Bleibt nach Möglichkeit zu Hause“, so der Appell der Feuerwehr.

Einsatz unter dem Motto „Löschen, Retten Bergen, Schützen“

Die akute Sturmlage seit Donnerstag macht einmal mehr deutlich, welche Bedeutung die Feuerwehren in der Hansestadt und im ganzen Landkreis haben. Ehrenamtlich eilen überall Einsatzkräfte, die in der Regel über Piepser oder auch Funkmelde-Empfänger (FME) alarmiert werden, dann von ihrer Arbeitsstelle oder auch von zuhause zu den Feuerwehrgerätehäusern und besetzen die Fahrzeuge. In Uelzen gibt es nur zwei hauptamtliche Gerätewarte – alle anderen Kräfte engagieren sich in ihrer Freizeit unter dem Motto „Löschen, Retten Bergen, Schützen“ für die Gesellschaft.

Denn: Berufsfeuerwehren muss es in Niedersachsen nur in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern geben: in Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Göttingen, Salzgitter, Hildesheim. In Delmenhorst, Wilhelmshaven und Cuxhaven wurden ebenfalls Berufsfeuerwehren eingerichtet, in Hameln und Emden werden ehrenamtliche Wehren durch hauptberufliche Wachbereitschaften entlastet, die es ab 2026 auch in Lüneburg geben soll.

Berufsfeuerwehrmann an der Ostsee in Kiel

Seit März 2020 ist Jens Kötke Stadtbrandmeister der Hansestadt – auch das ist ein Ehrenamt. Der 39-Jährige, der auch Ortsbrandmeister in Veerßen ist, lebt die Feuerwehr. Kein Wunder: Er arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in Kiel, ist dort Sachgebietsleiter Einsatzplanung. Seine Aufgabe dort liegt darin, „alles, was vor dem Gong passiert“, vorzubereiten. Kötke entwirft Konzepte, Alarm- und Ausrückordnungen.

Er pendelt die 200 Kilometer pro Strecke zu seinen 24-Stunden-Schichten an die Ostsee, hat aber immer einen Blick auf das Einsatzgeschehen in der Stadt. Deutet sich eine größere Lage an, rückt er selbst aus. Hätten kürzlich im Bahnhofsbereich Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden müssen, wäre Kötke der Einsatzleiter gewesen.

500 Aktive in 13 Ortsfeuerwehren

Neben dem aktiven Einsatzgeschehen vertritt er die Feuerwehren der Stadt aber auch gegenüber Verwaltung und Politik. In dieser Funktion muss er auch im Blick behalten, wie sich die Mitgliederzahlen der 13 Ortsfeuerwehren entwickeln. Rund 500 Frauen und Männer sowie Kinder und Jugendliche sind aktive Mitglieder, damit liegt Uelzen deutlich über der erforderlichen Mindeststärke von knapp 300.

Aber: Die Ortswehren Veerßen (19 Aktive/Soll von 20), Hansen (25/20), Masendorf (23/20) und Riestedt (25/20) haben durchaus Nachwuchssorgen, wie die Zusammenfassung der Altersstruktur und Mitgliederzahlen zum Stichtag 31. Dezember 2019 zeigen. Diese Übersicht war als Bestandteil der Unterlagen zu den Haushaltsplanungen 2022 Thema in der Sitzung des Ausschusses für Feuerwehr und Ordnungswesen. Aber sind die Zahlen Anlass zur Sorge?

„Zahlen sind langsamer als die Realität“

„Veerßen beispielsweise ist eine kleine Ortsfeuerwehr, das ist seit Jahren so. Ein Stück weit haben wir uns damit arrangiert. Aber über die Kinder- und Jugendfeuerwehr führen wir immer neue Leute heran. Veerßen war immer an der unteren Grenze, das ist aber überhaupt nicht besorgniserregend. Die Zahlen habe ich im Blick. Sie sind aber langsamer als die Realität und tatsächlich stabil. Denn so lange jemand noch nicht den Grundlehrgang abgeschlossen hat, taucht er noch nicht als vollwertiges Mitglied auf. Ein Defizit haben wir in der Gruppe der 25- bis 35-Jährigen“, betont Jens Kötke.

„Ich suche den Dialog mit den Ortsfeuerwehren, frage nach, woran es liegt. Es geht darum, lösungsorientiert zu schauen, welche Werbemaßnahmen man auch ergreifen kann. In Kirchweyhe beispielsweise hat man Löscheimer verteilt und die Menschen aktiv angesprochen.“

Neuer Grundlehrgang für Herbst geplant

Beim letzten Grundlehrgang haben die Uelzener Feuerwehren 24 neue Mitglieder bekommen, ab kommendem Herbst ist ein weiterer Lehrgang geplant. Der dauert sechs Wochen – an zwei Abenden wird Theorie gelernt, sonnabends die Praxis vom Schläuche-Rollen bis zum Leitersteigen. „Alle haben die gleiche Ausbildung, alle können aushelfen und ergänzen“, weiß Kötke.

In Hanstedt II wurde die Jugendfeuerwehr – Aktive sind hier zwischen zehn und 18 Jahre alt, können ab 16 Jahren aber auch schon bei den „Großen“ hineinschnuppern – zwar zum Jahreswechsel eingestellt. Dafür aber gibt es eine neue in Molzen und bald auch neue Kinderabteilungen mit Sechs- bis Zehnjährigen in Uelzen und Oldenstadt.

„Absolut ausreichend Personal und Material“

Jugendwehren gibt es also in Uelzen, Holdenstedt, Kirchweyhe, Molzen, Oldenstadt und Veerßen. Bestehende Kinderabteilungen werden in Kirchweyhe und Veerßen an die Aufgaben der Wehr herangeführt – natürlich auch im Ehrenamt.

Wichtigste Botschaft von Jens Kötke stellvertretend für alle 500 Uelzener Einsatzkräfte ganz unabhängig von den aktuell wütenden Stürmen: „Die Feuerwehren in Uelzen haben absolut ausreichend Personal und Material. Für die Bürgerinnen und Bürger wird es niemals Verzögerungen geben, weil wir immer die Nachbarfeuerwehren mitalarmieren, wenn absehbar ist, dass das sinnvoll ist.“ Gut und beruhigend zu wissen.

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