Prozess um brutalen Überfall in einer Wohnung an der Alewinstraße eröffnet

16 Stunden durchgesoffen – dann die Gewalttat: Uelzener vor Gericht

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Fünf Verhandlungstage hat das Landgericht Lüneburg für den Prozess gegen die beiden Uelzener angesetzt, von denen einer schweigt und der andere aussagt.

Lüneburg/Uelzen. Die Hände von Mike W. stecken in Handschellen, die wiederum an einem Bauchgurt befestigt sind. Lediglich die Fußfesseln haben die Justizvollzugsbeamten dem 44-Jährigen abgenommen, gleich sechs Bewacher umringen ihn.

Das sei nicht menschenwürdig, „ich möchte nicht neben einem Mandanten sitzen, der gefesselt ist“, protestiert der Verteidiger. Doch die 2. große Strafkammer des Landgerichts Lneburg verweist auf das Verhalten des Uelzeners in Untersuchungshaft, wo er „Gewalt gegen Personen und Sachen ausübte“, formuliert es die Vorsitzende Richterin Ulrike Schunder etwas bürokratisch.

Anders gesagt: „Die Fesseln sind erforderlich, um die Sicherheit der Beteiligten und den Ablauf der Hauptverhandlung sicherzustellen.“ Denn Mike W. und der zweite Uelzener Angeklagte, Kevin B. (28), müssen sich seit gestern wegen eines Gewaltdeliktes vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen am Vormittag des 7. Januar in einer Wohnung an der Alewinstraße einen Mann mit einem Schnitzelklopfer und einer Eisenkette verprügelt und gedroht haben, ihn umzubringen. Beide Angeklagten sitzen seitdem in Haft.

Mike W. schweigt, Kevin B.s Erinnerung ist bruchstückhaft – kein Wunder, schließlich hatte man laut B. seit 17 Uhr des Vorabends zusammen gesoffen und keine Minute geschlafen. Am Vormittag wollte der 28-Jährige dann um 9 Uhr die Uelzener Arbeitsagentur aufsuchen und W. derweil alkoholischen Nachschub holen. „Doch stattdessen ist der plötzlich in diese Wohnung an der Alewinstraße rein“, erinnert sich Kevin B. Dort wohnt eine Bekannte, Mike W. hat einen Schlüssel fur die Wohnung. Auf dem Sofa dort liegt der Schwager der Bekannten, der Sekunden später zum Opfer wird. „Die haben mich sofort zusammengeschlagen, mit allem, was sie dabei hatten“, schildert der 48-Jährige als Zeuge. „Einer brüllte ,Ich schlag dich tot’ und irgendwann sagte Kevin dann ,Das reicht, der hat genug’“. Dann habe W. ihm gewürgt und so in Schach gehalten, während Kevin B. die Wohnung durchsuchte. Beide seien dann mit geringer Beute geflüchtet.

Derweil versucht der jüngere der beiden Angeklagten, sich als Mitläufer darzustellen. Er habe nicht gewusst, warum sein Kumpan in die Wohnung gelaufen sei und habe auch eher zu schlichten versucht.

Von Thomas Mitzlaff

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