25 Jahre Tagestreff: Goldenes Kronenkreuz für Mitarbeiter der ersten Stunde Raphael Schweimer-Schmidt

Stütze für Wohnungslose

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Büroarbeit fällt auch an, aber Raphael Schweimer-Schmidt ist vor allem Ansprechpartner für die Besucher des Tagestreffs an der Alten Wiesenstraße in Uelzen.

Uelzen. Im Tagestreff für allein lebende Wohnungslose an der Alten Wiesenstraße in Uelzen herrscht gestern Morgen bereits vor 9 Uhr Betrieb.

Erste Besucher sitzen im Gemeinschaftsraum der Einrichtung, suchen bei 1 Grad Außentemperatur und Regen einen Unterschlupf und Gesprächspartner. Auf den Tag genau gibt es gestern die Einrichtung seit 25 Jahren in Uelzen.

Seit Anbeginn dabei ist Raphael Schweimer-Schmidt, von dem der Geschäftsführer Gabriel Siller sagt: „Er mag seine ,Kundschaft‘, er hat die Menschen, die in den Tagestreff kommen, in sein großes Herz geschlossen – die Einsamen, Kranken, Unglücklichen, aber auch die Widerborstigen, Anarchistischen und Liebenswerten.“ Für seine langjährige Arbeit hat der Diakonieverband Nord-Ost-Niedersachsen, der Träger der Einrichtung ist, Schweimer-Schmidt nun das goldene Kronenkreuz verliehen.

Zwischen 170 und 190 unterschiedliche Besucher zählt der Tagestreff jährlich. Die geführte Statistik weist rund 45 Prozent der Besucher als Obdachlose aus, die durch die Lande ziehen und den Tagestreff als Anlaufstelle nutzen. Der inzwischen größere Anteil hat im Landkreis Uelzen eine Bleibe, lebt – wie Schweimer-Schmidt es formuliert, aber in „prekären Lebensverhältnissen“. Manchem wurde der Strom abgestellt, anderen fällt bereits das Alltägliche schwer. Im Tagestreff können die Betroffenen zu Mittag essen, ihre Kleidung bei Bedarf waschen – die Einrichtung habe eine „tagesstrukturierende Funktion“, erklärt Schweimer- Schmidt. Sie sei für die Besucher von „entscheidender Bedeutung“.

Vor 25 Jahren bildete die Arbeit mit den klassischen Tippelbrüdern den Schwerpunkt, erinnert sich der heute 49-Jährige. „Der Mauerfall lag noch nicht zu lange zurück.“ Viele seien in den Westen aufgebrochen, um ihr Glück zu suchen, strandeten dabei auch in der Uhlenköperstadt. Uelzen liegt an der Strecke Hannover-Hamburg.

Seinerzeit hatten Wohnungslose noch die Möglichkeit, einen Tagessatz an Unterstützung in den Rathäusern abzuholen. Mit Gesetzesänderungen fiel dies weg – zuständig sind nun die Jobcenter, die es in der Region nur in Lüneburg und Uelzen gibt. Damit gibt es weniger umherziehende Tippelbrüder, Schweimer-Schmidt hält aber fest: Der Kreis der Obdachlosen wurde nicht kleiner. So steht für den Diakonie-Verband außer Frage, an der Einrichtung zu rütteln. Und Schweimer-Schmidt spricht von einer sich immer wieder verändernden Arbeit, die spannend sei.

Inzwischen ist der Familienvater zusätzlich zu der Arbeit im Tagestreff auch über die Diakonie in der Suchtprävention tätig. Das Projekt „HaLT“ widmet sich dem Thema Alkoholkonsum bei Jugendlichen. Schweimer-Schmidt sagt: „Ich weiß gar nicht, wo die Tage, Wochen, Jahre geblieben sind.“ Gestern Morgen geht immer wieder die Türklingel, neue Besucher bitten um Einlass.

Von Norman Reuter

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