Trotz Verlust des Denkmalstatus: Oldenstädter Ortsrat will Raugerinne-Beckenpass statt Neubau

„Stromschnellen“ statt Wehranlage

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Das Wehr in Oldenstadt ist marode und nicht sanierungsfähig. Ein kostspieliger Neubau ist wahrscheinlich vom Tisch.

Uelzen-Oldenstadt. Das beruhigende Rauschen der Wipperau, eine stolze, alte Trauerweide am Ufer, die ihre Äste ins Wasser taucht und die schmucken historischen Bauten direkt nebenan: Das Ensemble rund um den Mühlenteich in Oldenstadt bietet ein Stück Idylle und steht nicht umsonst unter Denkmalschutz.

Doch zumindest mit dem Denkmalschutz wird es wahrscheinlich bald vorbei sein. Denn der Mühlenteich in seiner jetzigen Form gehört bald der Vergangenheit an.

Hintergrund ist die marode Wehranlage (AZ berichtete), die dringend ersetzt werden muss. Ein Neubau des Wehrs ist jetzt aber vermutlich vom Tisch, stattdessen folgte der Oldenstädter Ortsrat bei seiner jüngsten Sitzung der Empfehlung einer Studie und votierte für den Bau eines sogenannten Raugerinne-Beckenpasses.

Stattdessen favorisiert der Oldenstädter Ortsrat einen auch optisch reizvollen sogenannten Raugerinne-Beckenpass. 

Die Vorteile einer solchen Anlage sind sowohl ökonomischer als auch ökologischer Natur, erklärte Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull den Ratsleuten. Während die Stadt für den Bau eines neuen Wehrs mit knapp einer Million Euro tief in die Tasche greifen müsste, kostet die Errichtung eines Raugerinne-Beckenpasses nur 738.000 Euro.

Auf diesem Plan sieht man, wie sich das Gebiet um den Mühlenteich verändern würde. Der Teich an sich würde kleiner werden, der Raugerinne-Beckenpass würde bis kurz vor die Brücke Klosterstraße reichen, eine neuer Holzsteg anstelle des Wehrs sorgt für einen Zugang zum historischen Zentrum.

Der Clou daran: Für eine Wehranlage könnten keinerlei Fördergelder beantragt werden. Die Kosten für einen Raugerinne-Beckenpass könnten hingegen von einem Landesprogramm mit 90 Prozent gefördert werden. „Am Ende liegt die Stadt – vorsichtig gerechnet – bei rund 173.000 Euro“, so Scheele-Krogull.

Der Grund für die hohe Fördersumme ist auch gleichzeitig der ökologische Vorteil der neuen Anlage: Sie verspricht eine maximale Durchlässigkeit – zum Beispiel für Fische. „Das käme einer enormen ökologischen Aufwertung des gesamten Gewässers gleich“, informierte Scheele-Krogull. Ein Gewässer, das immerhin ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ist.

Einziger Nachteil der neuen Variante ist die wahrscheinliche Aufhebung des Denkmalschutzes für den Mühlenteich. Denn mit dem Raugerinne-Beckenpass würde der Mühlenteich wesentlich kleiner ausfallen. Scheele-Krogull: „Ich gehe davon aus, dass das Ensemble dann aus dem Denkmalschutz genommen wird.“ Die Vorstellung der Variante beim Amt für Denkmalpflege noch in dieser Woche werde Genaueres zeigen.

Doch selbst, wenn der Denkmalschutz aufgehoben wird: Optisch müssten die Oldenstädter wohl kaum Abstriche machen. Denn auch der Raugerinne-Beckenpass, der einer künstlichen Stromschnelle ähnelt, macht einiges her – rauschendes Wasser inklusive.

Von Steffen Schmidt

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