Pilot-Projekt in Uelzen: Leuphana-Universität erforscht erneuerbare Energie am Elbe-Seitenkanal

Strom aus rauschendem Wasser

Das Wasser des Elbe-Seitenkanals kann für erneuerbare Energien genutzt werden. In Uelzen startet die Leuphana-Universität nächstes Jahr ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Lüneburg. Öko-Strom aus der Esterholzer Schleuse beziehen – diese Idee verfolgt die Leuphana-Universität Lüneburg. Ein Team der Hochschule hat den Elbe-Seitenkanal in Uelzen als Pilotregion gewählt.

Das Kompetenztandem unter dem Namen „EnERgioN“ beschäftigt sich damit, wie die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien durch virtuelle Kraftwerke in der Region verbessert werden kann.

So können die Höhenunterschiede des Elbe-Seitenkanals an den Schiffshebewerken und Schleusen als regionale Energiespeicher genutzt werden. Der Höhenunterschied an der Esterholzer Schleuse beträgt 23 Meter, der Höhenunterschied an der Scharnebecker Schleuse im Landkreis Lüneburg 38 Meter. „Wenn da Wasser herunterrauscht, kann man eine ganze Menge Energie produzieren“, erklärt Thomas Schomerus, Professor für Energie- und Umweltrecht. „Die Becken sind da und die Pumpen.“ Man müsse Turbinen einbauen, aber die wesentliche Infrastruktur sei vor Ort.

An dem Pilot-Projekt sind die Stadtwerke Uelzen sowie die Wasser- und Schifffahrtsdirektion beteiligt. Es soll unter Leitung der Stadtwerke eine Bürgergesellschaft in Form einer Genossenschaft gegründet werden. Privatpersonen können dann Anteile erwerben.

Im nächsten Jahr soll das Projekt, das sich technisch und ökonomisch mit der Regionalisierung der Energieversorgung auseinandersetzt, starten. „Und wir rechnen damit, dass schon im nächsten Jahr Ausgründungen von privatwirtschaftlichen Unternehmen erfolgen, die das in der Praxis ausprobieren“, kündigt Schomerus an.

Das Forschungsteam um Schomerus und Heinrich Degenhart, Professor für Finanzierung und Finanzwirtschaft, erforscht im Rahmen des „Innovations-Inkubators Lüneburg“ nachhaltige Energieerzeugung. Die Strukturkommission des Landes Niedersachsen hat vorgestern das Leuphana-Projekt, das sich mit virtuellen Kraftwerken beschäftigt, als eines von zwei neuen Forschungsvorhaben verabschiedet. Diese Strukturkommission ist das oberste Entscheidungsgremium des Innovations-Inkubators.

Das Forschungsmittelvolumen für „EnERgioN“ beträgt 1,6 Millionen Euro, anteilig für rechtliche, wirtschaftliche und technische Fragen, gefördert wird es von der Europäischen Union. An dem Projekt arbeitet außerdem unter anderem eine Wissenschaftlerin aus Dänemark mit, die Expertin für Windenergie ist, und ein Kollege aus den Niederlanden, der sich auf Wasser und Kanäle spezialisiert hat.

Das Ziel für Schomerus’ Forschungsteam ist neben der Realisierung eines wirtschaftlichen Betriebes, „ein Konzept zu erarbeiten, das übertragbar ist auf andere Regionen in Deutschland und international“.

Innerhalb der nächsten acht Jahre soll in Deutschland der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieversorgung von derzeit rund 20 Prozent auf 35 Prozent gesteigert werden. 2050 soll dieser Anteil sogar bei 80 Prozent liegen. „Je mehr Energieversorgung von den Regionen getragen wird, desto weniger sind große Lösungen wie Offshore-Windenergie und der Ausbau der Übertragungsnetze erforderlich“, erläutert Schomerus.

Von Diane Baatani

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