Streiken für die Konkurrenz

„Unbestimmt verspätet“ – ein Bild mit Symbolwert gestern auf dem Uelzener Hundertwasserbahnhof. Viele Züge kamen bis zu zwei Stunden später, andere fielen ganz aus. Foto: Mitzlaff

tm/dpa Uelzen/Berlin. Die Deutsche Bahn hat den gestrigen Warnstreik der Lokführergewerkschaft GDL scharf verurteilt und zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgerufen. Das Unternehmen bedauere die erheblichen Unannehmlichkeiten für die Kunden, die bei hohen Minusgraden auf den Bahnhöfen warten mussten, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Die Bahn findet die Warnstreiks „völlig widersinnig“: Der bundeseigene Konzern erfülle Forderungen der GDL bereits weitgehend, bekräftigte Weber. Es könne sofort verhandelt werden.

Auch in Uelzen haben Pendler am Morgen den zweistündigen Ausstand der Lokführer zu spüren bekommen. Zwischen sechs und acht Uhr verkehrte lediglich je ein Metronom-Zug Richtung Hamburg und Hannover, der Rest fiel aus. Reisende drängten sich in die wenigen Intercity-Verbindungen, die auf dieser Hauptroute noch verkehrten. Der Zugverkehr Richtung Stendal und Magdeburg kam sogar völlig zum Erliegen, Reisende mussten lange Umwege über Hannover in Kauf nehmen – doch auch in der Landeshauptstadt gab es erhebliche Beeinträchtigungen. Nach dem Ausstand von 6 bis 8 Uhr sprach die GDL davon, dass rund 80 Prozent des Verkehrs betroffen gewesen seien.

Die GdL verlangt für alle 26 000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr in Deutschland ein einheitliches Lohnniveau und Beschäftigungsbedingungen, die dem Standard der Deutschen Bahn entsprechen. Gestreikt hatten deshalb neben den Lokführern der Bahn auch die der sechs großen deutschen Privatbahnen, darunter auch das Uelzener Eisenbahnunternehmen Metronom.

Dabei zählen ausgerechnet die Metronom-Lokführer zu den gut bezahlten Eisenbahnern der Branche. „Von unseren Lokführern werden manche schon nach Bahnniveau bezahlt, andere sogar noch besser“, erklärte gestern Metronom-Sprecherin Hannah Kohn. Dennoch beteiligte sich auch ein Großteil der Uelzener Lokführer an dem Warnstreik – offenbar aus Solidarität mit den Kollegen der Konkurrenzbahnen. Seite 3

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