Aus Strauchgut wird Strom

Auf dem Gelände der kreiseigenen Deponie Borg haben jetzt die Erdarbeiten für die neuen Anlagen begonnen. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. Für die kreiseigene Deponie Borg sind Strauchgut, Laub und Rasenschnitt nicht einfach Kompostmaterial, das entsorgt werden muss, sondern eine wichtige Rohstoffquelle für die Energiegewinnung. Denn auf dem Deponiegelände haben jetzt die Erdarbeiten für den Bau der neue Vergärungsanlage und des zweiten Blockheizkraftwerkes begonnen.

In der neuen Anlage, die im November in Betrieb gehen soll, wird Methan erzeugt, das der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) zum Beheizen von Gebäuden nutzen will. Zudem soll das Gas in Strom umgewandelt und anschließend ins öffentliche Netz eingespeist werden. Die Investitionskosten betragen rund drei Millionen Euro.

Sieben so genannte Trockenfermenter sollen auf dem Deponiegelände gebaut werden. „Sie sehen aus wie aneinandergereihte Fertiggaragen“, erklärt Christina Harms, zuständige Projektingenieurin beim AWB. Rund 170 Kubikmeter Kompostmaterial fasst jeder der Fermenter. Diese sind luftdicht verschlossen, dann wird über Düsen eine mit Bakterien versetzte Gülle-Flüssigkeit zugesetzt, die den Gärprozess in Gang setzt. Für diese Spezialflüssigkeit wird auf dem Deponiegelände demnächst ein 800 Kubikmeter fassender Speicher gebaut, ebenso eine Anlieferungshalle für Kompostabfälle.

Durchschnittlich 21 Tage bleibt der Kompost in den Fermentern. Das dabei entstehende Methan wird abgesogen und in zwei große Gasspeicher geleitet. Daraus will der AWB Wärme und – mit Hilfe des neuen Blockheizkraftwerks – auch Strom erzeugen. „Das ist ein technisch hochwertiges Verfahren mit hohem Nutzen für uns“, betont Christina Harms.

Die geplante Trockenfermation wird die bestehende Kompostierungsanlage in Borg ergänzen. Nach dem bisherigen Verfahren entsteht das Deponiegas auf belüfteten Kompost-Rotteflächen. Dieses nutzt der AWB bereits zum Beheizen der Kläranlage und einiger Gebäude. Und die Energie-Einsparungen sind erheblich. „Dank unseres vorhandenen Blockheizkraftwerks benötigen wir rund 10 000 Liter Heizöl weniger pro Jahr“, berichtet Christina Harms. Hinzu kommen die Einnahmen, die sich der AWB aus der Strom-Einspeisung erwartet. „Allein hier rechnen wir mit Erlösen von etwa 300 000 Euro im Jahr“, sagt die Projektingenieurin.

Auch die Gärreste aus den Fermentern sind für den AWB lukrativ. „Die kommen auf unsere Rotteflächen und werden danach als Kompost verkauft, zum Beispiel an Landwirte“, erläutert Christina Harms. Ihr Fazit der Millionen-Investition: „Wir erfüllen damit den Klimaschutz, sparen Kosten und kapseln Gärgerüche. Für uns wird die Situation dadurch deutlich verbessert.“

Von Bernd Schossadowski

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