Weidetierhalter fordern mehr Transparenz und schnellere Entschädigung bei Wolfsrissen

„Die Strategie ist gescheitert“

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Der Verband der Weidetierhalter fordert mehr Transparenz bei der Größe der Wolfspopulation in Deutschland und Niedersachsen. Es dürfte nicht mehr nur die Zahl der Wolfsrudel angegeben werden.

Berlin/Landkreis. Der Unmut der Weidertierhalter über den Umgang mit dem Wolf ist noch lange nicht verraucht. Jetzt haben das Aktionsbündnis Form Natur und die Verbände der Weidetierhalter in Berlin einen gemeinsamen Aktionsplan Wolf beschlossen.

Darin fordern sie unter anderem eine Regulierung des Wolfsbestandes zum Schutz der Weidetierhaltung.

„Die Akzeptanz des Wolfes sinkt beständig, weil es keine effektiven passiven Herdenschutzmaßnahmen gibt, und weil Versprechen zur Entnahme von Wölfen, die sich wiederholt Weidetieren nähern, nicht eingehalten werden“, sagt Wendelin Schmücker, Sprecher des Fördervereins deutsche Schafhaltung. Die Weidetierhalter würde man einfach im Stich lassen.

Die zunehmende Ausbreitung des Wolfes im ländlichen Raum führe zu Konflikten und stelle inzwischen die Weidetierhaltung grundsätzlich in Frage. Die Lösung könnten nicht immer höhere Zäune sein. „In Niedersachsen ist diese Aufrüstungsspirale inzwischen in vollem Gang“, so Schmücker. „Eine praktische Einzäunung großer Grünlandregionen, von Deichen und Niederungsgebieten mit Grabensystemen ist weder praktisch durchführbar noch naturschutzgerecht“, heißt es von Seiten der Weidetierhalter.

Der Herdenschutzhund sei wiederum nur in Einzelfällen eine Lösung. Die Tiere verursachten aber in ihrer Anschaffung und in der Haltung hohe Kosten. Außerdem müssten für die Haltung der Hunde noch rechtliche Fragen geklärt werden wie die Haftung.

Für jegliche Herdenschutzmaßnahmen fordern die Weidetierhalter zudem eine vollständige Kostenübernahme. Dazu gehörten auch die Kosten für eine Einstallung der Tiere aufgrund der Wolfsgefahr.

Außerdem sollen Schäden durch den Wolf vollständig kompensiert werden. „Das bisherige System ist unzulänglich“, heißt es in der Resolution. So fordert der Verband die Entnahme einer neutralen B-Probe, die in Zweifelsfällen durch ein anerkanntes Institut untersucht wird, um festzustellen, ob es ein Wolfsriss war oder nicht – die Liste der Labore soll vorher von den Ländern aufgestellt werden. Die Weidetierhalter fordern auch, dass die Entschädigung nach Rissen sofort gezahlt wird und auch bei Rissen durch Wolf-Hund-Mischlinge. Folgeschäden durch die Attacken wie der Nutzungsausfall müssten auch in die Entschädigung einfließen, sagt Schmücker. Zudem müsse eine deutschlandweite Risskartei geführt werden, wie es sie in Niedersachsen schon gebe.

In letzter Konsequenz fordern die Weidetierhalter für ein effizientes Wolfsmanagement, dass auffällige Wölfe abgeschossen werden und der Bestand des Raubtieres reguliert wird. Denn das Aktionsbündnis bezweifelt die offiziellen Zahlen zur Wolfspopulation und will dort mehr Transparenz. „Die Zahlen gehören halbjährlich auf den Tisch“, fordert Schmücker. Außerdem sollte nicht mehr nur die bloße Zahl der in Deutschland lebenden Rudel genannt werden, sondern die Zahl der erwachsenen Wölfe angegeben werden.

„Die bisherige Praxis dient nur der Beruhigung der Bürger“, meint Wendelin Schmücker. Sein Verband gehe von inzwischen über 1000 Wölfen in Deutschland aus. Da könne man nicht mehr von einem bedrohten Wolfsbestand in Deutschland sprechen. Ohne eine Regulierung sei eine erfolgreiche Weidetierhaltung in Deutschland nicht mehr möglich.

Insgesamt ist für Wendelin Schmücker das bisherige Wolfsmanagement ein Fehlschlag. Sein Fazit: „Die europäische Strategie einer Koexistenz der Weidewirtschaft mit diesem Raubtier ist grandios gescheitert.“

Von Lars Lohmann

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