Strafanzeigen gegen Lkw-Fahrer

Dagmar Hauck, Hans-Jürgen Chlechowitz und Friedhelm Cohrs (von links) dokumentieren gestern an der Bundesstraße 4 in Kirchweyhe das Lkw-Aufkommen.

Uelzen-Kirchweyhe  - Von Thomas Mitzlaff. Die Ortsumgehung ist kurz vor der Realisierung doch noch auf die lange Bank geschoben, trotz eines Durchfahrverbotes für den Schwerlastverkehr rauschen täglich 2200 Lkws über die Bundesstraße 4 mitten durch Kirchweyhe – jetzt reicht es der Bürgerinitiative (BI) des gebeutelten Uelzener Ortsteils: Mit einer spektakulären Aktion wollen sie zum einen auf die unerträgliche Verkehrssituation in ihrem Dorf aufmerksam machen und zum anderen dafür sorgen, dass das Durchfahrverbot für Lastwagen endlich die nötige Beachtung findet.

Gestern postierten sich Mitglieder der BI an der B 4, schossen Fotos und notierten die Kennzeichen von auswärtigen Lkws. Diese Daten sollen Grundlage sein für Dutzende von Anzeigen gegen die Brummifahrer, die der Kreisverwaltung als Bußgeldbehörde in den nächsten Tagen auf den Tisch flattern werden.

Nachdem man in Sachen Ortsumgehung vom Land so bitter enttäuscht worden sei, weil trotz vollendeter Planfeststellung nun plötzlich die 7,2 Millionen Euro für die Umgehungsstraße fehlen sollen, „haben wir überlegt, wie wir mit unserer Verkehrssituation im Gespräch bleiben können“, so der BI-Sprecher.

Die Wahl fiel auf das Durchfahrverbot, das der damalige Verkehrsminister Walter Hirche im Jahr 2006 medienwirksam in Kraft gesetzt hatte, von dem die Anlieger der Bundesstraße 4 aber nicht viel spüren. Die Polizei versichert zwar, im „Rahmen ihrer Möglichkeiten“ zu überprüfen, ob Brummifahrer gegen das Verbot verstoßen, tatsächlich aber sei ein solcher Beweis kaum zu führen, sagt Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte bei der hiesigen Polizeiinspektion. „Verbotsschilder stehen beidseits der B 4 bei Braunschweig und Lüneburg. Die Lkw-Fahrer können aber über zig Seitenstraßen auf die B 4 gelangt sein“, erklärt Dobslaw. Wenn die Betroffenen dann behaupten, etwa über Celle, Ebstorf, Dannenberg oder Lüchow in den Kreis Uelzen gefahren zu sein, „können wir praktisch nicht belegen, dass sie irgendwo an der Strecke an Durchfahrtsverbotsschildern vorbeigekommen sind.“

Dazu kommen noch jede Menge anderer Ausflüchte der Lkw-Fahrer, die kaum zu widerlegen sind – das Durchfahrverbot ist somit ein zahnloser Papiertiger. Ganz abgesehen davon, dass ohnehin nur ein Bußgeld von 20 Euro fällig wäre. Und das dürften die betroffenen Spediteure angesichts gesparter Autobahnmaut und kürzerer Wege mit einem Schmunzeln bezahlen.

Zumindest aber wird dieses Thema durch die Aktion der Bürgerinitiative einmal mehr in die Öffentlichkeit kommen – und dem Landkreis als Bußgeldbehörde einen erheblichen Arbeitsaufwand bescheren. Bei der BI mag man jedenfalls nicht glauben, dass die Kreisverwaltung mehrere hundert Strafanzeigen einfach sang- und klanglos einstellt. „Wir werden natürlich hinterfragen, was da rausgekommen ist“, betont Chlechowitz.

Immerhin liefere man der Bußgeldbehörde die Kennzeichen samt Fotobeweis frei Haus – doch herauszufinden, ob die vermeintlichen schwarzen Schafe wirklich nicht die B 4 nutzen durften, dürfte eine gewaltige Aufgabe sein...

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