Es soll jetzt keine Schnellschüsse geben

Stimmen aus der Uelzener Kreis-Politik: Virus bremst Schuldebatte aus

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Mathe, Deutsch, Latein – derzeit findet Unterricht mit geteilten Klassen im Corona-Modus statt. Das Virus hat auch Einfluss auf die Debatte zur Frage, welche Schulen es künftig im Landkreis geben soll.

Uelzen/Landkreis – Die Corona-Pandemie hat die Beratungen zur Zukunft der Schullandschaft im Landkreis ausgebremst.

Ein eigentlich geplantes Treffen mit Vertretern der Landesschulbehörde beispielsweise zur Frage, welche Auswirkungen der Umbau der Schullandschaft auf den Lehrerbedarf haben wird, war in den letzten Wochen nicht möglich.

Ein angestrebtes Gespräch der Fraktionen im Kreistag mit den Schulleitern hat es ebenfalls nicht gegeben. Kreispolitiker trafen sich selbst auch nur zu Sitzungen des Kreisausschusses – die Verwaltung erklärt: Damit haben während der Pandemie bisher keine politischen Gremiensitzungen stattgefunden, in denen über die Schulentwicklung gesprochen worden sei.

CDU, SPD und Grüne sind die größten Fraktionen im Uelzener Kreistag. Noch zu Beginn des Jahres hatte der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Karsten Jäkel, erklärt, dass Entscheidungen nicht auf die lange Bank geschoben und bis zu den Sommerferien getroffen werden sollten. Die Christdemokraten im Kreistag beantragten sodann im Februar – vor dem Hintergrund der Auswertung der Elternbefragung zur Schullandschaft (siehe auf einen Blick) – auch den Aufbau einer Realschule, die zum neuen Schuljahr im Herbst den Unterrichtsbetrieb aufnehmen sollte.

Den Zeitplan hält Jäkel nun durch die Verzögerungen, die der Pandemie und den damit einhergehenden Vorgaben zum Infektionsschutz geschuldet sind, nicht mehr für realistisch. Der Antrag zur Realschule sei gegenwärtig auch zurückgestellt, so Jäkel – bis die fachlichen Fragen mit der Landeschulbehörde und den Schulleitern geklärt seien. „Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagt der Christdemokrat.

Wann dann Entscheidungen getroffen werden könnten, sei abzuwarten. Das weitere Vorgehen könne im nächsten Schulausschuss beraten werden. Das Gremium will nach der Beratungspause am 11. Juni wieder zusammenkommen.

Heiner Scholing, Experte bei den Grünen für Schulfragen, macht sich für eine Integrative Gesamtschule (IGS), von der es bisher keine gibt im Landkreis, stark. Nach seinen bisherigen Vorstellungen hätte eine solche Schulform bis zum Start des Schuljahres 2021/22 entstehen können. Bei einer benötigten Vorlaufzeit von mindestens neun Monaten müsste der Beschluss zum Aufbau spätestens in diesem Frühherbst getroffen werden, wie er vorrechnet. Und Scholing erinnert an die noch ausstehenden Gespräche mit Landesschulbehörde und Schulleitern. Zudem solle auch der Blick noch in andere Landkreise, die bereits Erfahrungen mit dem Umbau der Schullandschaft gemacht haben, geworfen werden. Ob das alles gelingen kann bis zum Herbst? „Insofern gibt es bei mir einen Zielkonflikt. Klar ist: Es soll keine Schnellschüsse geben“, so Heiner Scholing.

Andreas Dobslaw, Vorsitzender der SPD-Fraktion, sagt, dass spätestens bis zu den Kommunalwahlen im Jahr 2021 eine Entscheidung darüber gefallen sein soll, wie die Schullandschaft künftig aussehen wird. Der Sozialdemokrat verweist darauf, dass die Pandemie nicht nur zu zeitlichen Verzögerungen führe, sondern dass auch die Kommunen mit Einnahme-Einbußen zu rechnen hätten. „Wir müssen auch schauen, was nach der Corona-Pandemie finanziell möglich ist“, so Dobslaw. Neue Schulformen sind womöglich mit Um- oder Neubauten verbunden.

Ausgangspunkt für die Beratungen zur Schullandschaft war eine Schieflage. Oberschulen verloren in den vergangenen Jahren Schüler. Die KGS in Bad Bevensen geriet angesichts hoher Anmeldezahlen an ihre Kapazitätsgrenzen. Nach rechtlichen Vorgaben darf deshalb die Bevenser Schule nur noch maximal 9 Klassen im fünften Jahrgang haben, bei zu vielen Anmeldungen würde ein Losverfahren greifen. Aktuell läuft an der KGS die Anmeldung für Fünftklässler.

VON NORMAN REUTER

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